Protest : Jetzt auch Gedicht für Südbahn-Erhalt

Empfang für die Zuggäste am Freitagabend auf dem Lübzer Bahnhof Fotos: ilja baatz
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Empfang für die Zuggäste am Freitagabend auf dem Lübzer Bahnhof Fotos: ilja baatz

Wieder haben Mitglieder der Bürgerinitiative „ProSchiene“ und andere Interessenten eine Mahnwache in Lübz und anderen Orten zwischen Parchim und Waren gehalten. Der BI-Sprecher bescheinigt der Landesregierung „Ignoranz auf ganzer Linie“.

svz.de von
29. Dezember 2013, 20:00 Uhr

Der Ankündigung gemäß kamen allein in Lübz am Freitagabend rund 30 Interessierte zur Mahnwache auf dem Bahnhof – letzte Aktion der Bürgerini-tiative (BI) ProSchiene Hagenow – Neustrelitz“ in diesem Jahr, die sich für den unveränderten Erhalt der Bahnverbindung zwischen Hagenow und Neustrelitz einsetzt. Grund für das ungebrochene Engagement ist die Ankündigung des Landesinfrastrukturministeriums, ab 2015 zwischen Parchim und Waren Busse einzusetzen und den Zugverkehr in diesem Abschnitt zu beenden, worin nicht nur für viele Ältere und andere Hilfebedürftige, sondern zum Beispiel auch für Mütter mit Kinderwagen und Touristen wie Einwohner transportierende Fahrräder eine massive Einschränkung gesehen wird. Die BI hatte unlängst alle Interessierten dazu aufgerufen, sich an jedem letzten Freitag eines Monats zu einer Mahnwache auf einem der Bahnhöfe entlang der genannten Strecke zu versammeln.

Höhepunkt des jüngsten Zusammentreffens war die Übergabe eines von Dieter Gutschmidt zur Südbahn verfassten und an BI-Sprecher Clemens Russell übergebenen Gedichtes. Der Rentner aus dem Raum Parchim sagt, er sei von der voraussichtlichen Einsparung selbst sehr betroffen, weil er mit Hilfe genannter Bahnverbindung regelmäßig seine pflegebedürftige, im Raum Neubrandenburg lebende Mutter besuche. Weil der Zug um 9 Uhr bereits gestrichen wurde, sei die Fahrt wochentags aus Kostengründen (Einsatz des MVP-Tickets) kaum noch möglich. „Mit dem geplanten vollständigen Unterbrechen dieser Zugverbindung ist der Besuch an einem Tag nicht mehr realisierbar“, schreibt Gutschmidt auf einem Flugblatt. „Ähnlich ergeht es vielen Menschen, die einen Facharzt aufsuchen müssen, sich weiterbilden wollen oder anderweitig am gesellschaftlichen Leben teilhaben möchten.“

In dem Gedicht mit vielen Kreuzreimen heißt es: „Was unser Vorfahr in Generationen an Gutem hat erbauet und gedacht, ein Commerzentscheid mit einem dummen Ruck sofort zunichte macht. Die Bahn, die Hagenow mit Polen fast direkt zu aller Wohl verbindet, lasst es nicht zu, dass sie durch simple Planungsfehler einfach so verschwindet!

Liebe Mitbürger, lasst Euch nicht betrügen und dieses so einfach nicht gefallen, denn Infrastruktur gehört nicht nur den Reichen, sondern dient doch allen. 

Europa öffnet langsam  den Nachbarn weit und freundlich seine Türen, doch die Politiker der Provinz haben’s schwer, dies einfach so zu akzeptieren. Schließt lieber  auf der grünen Wiese ein schlecht erreichbar Warenhaus, aber sperrt um Himmels Willen nicht die hier vorhand’nen Menschen aus! Erhaltet möglichst das in uns’rem Land, was die Menschen hier verbindet. Setzt Euch dafür ein mit aller Kraft, dass die Südbahn nicht verschwindet!“

Russell erwähnte in seiner kurzen Rede unter anderem auch den jüngst von der SVZ zum Thema Südbahn veranstalteten Pressestammtisch, an dem weder ebenfalls eingeladene Vertreter des Ministeriums noch von SPD und CDU auf Landes- wie Kreisebene sowie von Busunternehmen teilnahmen. Teilweise sagten sie nicht einmal ab. Mittlerweile habe allerdings auch die SPD eine gewisse Kommunikationsbereitschaft signalisiert, was jedoch nicht über die Grundmängel hinwegtäuschen dürfe. „Die Öfentlichkeitsarbeit des Ministeriums ist und bleibt schlecht“, so der Sprecher. „Mit unseren Argumenten/Forderungen wie etwa Transparenz bei den Zahlen, bessere Abstimmung von Bus und Bahn sowie Verkauf von Verbundtickets setzt  man sich nicht auseinander.“ Dass bei den Protesten in Schwerin niemand aus der Staatskanzlei gekommen sei, um die zahlreichen Protestkarten entgegen zu nehmen, ist für ihn „Ignoranz auf ganzer Linie“. Als Fortschritt bezeichnet Russell das für nächste Woche vereinbarte Gespräch in der Plauer Stadtinformation. Unabhängig davon sei generell wichtig, dass die Proteste weitergehen (die nächste Mahnwache findet am 31. Januar statt): „Versprecht, dass Euer Atem ausreicht!“

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