Altersarmut nimmt drastisch zu : Jeder siebte Haushalt hat keine 900 Euro

Foto: dapd
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Jeder siebente Rentnerhaushalt in Mecklenburg-Vorpommern hat weniger als 900 Euro im Monat zum Leben. "Und von 900 Euro kann man nicht leben", sagt Brigitte Paetow, Vorsitzende des Landesseniorenbeirates.

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08. Mai 2012, 07:36 Uhr

Schwerin | Rosemarie aus Schwerin ist seit den 1980ern geschieden. Sie hatte zwar immer Arbeit, aber heute bekommt sie lediglich 726 Euro Rente, erzählt sie. Nach Abzug der laufenden Kosten bleiben im Monat ganze 180 Euro. "Wie soll ich davon leben", fragt sie. Würden ihre Kinder nicht helfen, käme sie kaum über die Runden. Sie muss sparen, sparen, sparen. Eine 68-Jährige aus Stralsund erzählt: "Mein Enkelkind kommt in diesem Monat zur Welt. Ich als Oma kann mich finanziell nicht einbringen."

Jeder siebente Rentnerhaushalt in Mecklenburg-Vorpommern hat weniger als 900 Euro im Monat zum Leben. Rund 14 Prozent! Positiv: Das sind fünf Prozentpunkte weniger als noch 2007, so das Statistische Amt. "Von 900 Euro kann man nicht leben", davon ist Brigitte Paetow, Vorsitzende des Landesseniorenbeirates, überzeugt. Sie arbeitet zur Zeit als Mitglied der Nationalen Armutskonferenz an einem Altersarmutsbericht, für den sie mit vielen Senioren gesprochen hat. "Ganz wenige Rentner sind bereit, über ihr Schicksal zu reden. Die Dunkelziffer bei Altersarmut dürfte noch weit höher sein", erzählt Frau Paetow. Die Hauptursache für die Verarmung im Alter sind neue Rentenberechnungen, bei denen z.B. die Ausbildungszeit nicht mehr eingerechnet sei, das steigende Rentenalter und die unterbrochenen Erwerbsbiografien nach 1990 im Osten. "Die Altersarmut wird noch zunehmen", prophezeit Brigitte Paetow.

Schon jetzt sind die Hälfte der Wohngeldempfänger in MV Rentnerhaushalte. Insgesamt erhalten 38 995 Haushalte im Land Wohngeld. Die Rentner bilden hinsichtlich der sozialen Stellung der Antragsteller die größte Gruppe, gefolgt von Arbeitern (16 Prozent), Angestellten (13) und Arbeitslosen (neun). Wohngeld erhalten diejenigen, deren Einkommen nicht ausreicht, um angemessen und familiengerecht wohnen zu können. Der durchschnittliche Wohngeldanspruch der Empfängerhaushalte beläuft sich auf 108 Euro im Monat.

Der weitaus größte Anteil der Senioren, 98 Prozent - und damit mehr als in vielen alten Bundesländern, lebt von einer Rente oder Pension. Kaum eine Rolle spielen derzeit noch Angehörige, die für die Rentner das Einkommen aufbessern. In Hamburg zum Beispiel kamen in knapp fünf Prozent Angehörige für die Rentner auf, in knapp zwei Prozent der Fälle gingen die Senioren weiter selbst arbeiten. In MV sind das nur ein halbes Prozent. Immerhin 57 Prozent der Haushalte verfügten über ein mittleres Einkommen in Höhe von 900 bis 1700 Euro, 30 Prozent hatten mehr als 1700 Euro.

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