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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

24. November 2017 | 19:51 Uhr

Kunst : Jazz-Klassiker und virtuose Soli

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Zum dritten Mal trat „Papa Binnes Jazz Band“ im Rahmen des CDU-Stammtisches in Plau am See auf.

von
erstellt am 04.Nov.2017 | 16:00 Uhr

Irgendwann sagt Bandleader Lutz Binneboese kokett: „Wir müssen ja auch noch nach Hause. Morgen hat wieder jeder in seinem Pflegeheim zu tun.“ Das Publikum lacht. Das war offensichtlich Fishing for Compliments. Im Durchschnitt liegt die siebenköpfige Band zwar ein wenig über sechzig Jahre, aber was sie da auf der Bühne des Parkhotels musikalisch abliefert, ist temporeich, flott und vor allem gekonnt - professionell. Die sieben älteren bis mittelalten Herren demonstrieren deutlich, dass sie von größeren Bühnen und zentraleren Veranstaltungen nach Plau gefunden haben und „Alter“ heute ohnehin anders gedacht werden muss.

Stolz zeigt sich auch Stammtisch-Chef Rüdiger Hoppenhöft darüber, dass „Papa Binnes Jazz Band“ aus Berlin wieder einmal in Plau im unverwechselbaren Old Style jazzt. Der Mix aus Dixieland, Blues und Swing, den Binnes darbietet, hat klar umrissene, traditionelle Genregrenzen. Dazu gehört, dass Standards des Jazz’ zwar phantasievoll arrangiert und instrumentale Soli zu kleinen Kunststückchen avancieren, aber Free Jazz, die freie Improvisation oder auch das Experiment mit Neuer Musik sind ganz andere Baustellen. Vielmehr versetzen die sieben Berliner das Publikum mit vertrauten Swing- und Dixielandrhythmen in wohlige Schwingung. Der Saal ist wie immer beim Stammtisch gut besetzt, die unkomplizierte, freundliche Band stimmt das Publikum heiter, ihr Können nötigt Bewunderung ab.

Sage und schreibe 1959 ist der Grundstein der Band gelegt worden. Im Jubiläumsjahr 2019 will sie - wie Leiter Binneboese ankündigt - wieder in Plau auftreten. Sechzig Jahre zuvor im November fand die erste Besetzung um Tromper Binneboese auf einem Schülerfasching zusammen, sie nannten sich selbstbewusst „Papa Binnes Hot Five“. Als aus fünf dann sieben Mitglieder wurden, erhielt der Bandname ein Anhängsel: „Papa Binnes Hot Five Plus Two“. Plus zwei, also sieben, sind sie bis heute. Wie alle älteren Künstler aus der östlichen Republik durchlebte die Band, die ideologiefernen Jazz spielte, auch einen gewissen Druck von oben. Während bestimmter Phasen der DDR-Kulturpolitik hatte sie Tanzmusik abzuliefern. Aber Papa Binnes war und ist, was die musikalischen Schubfächer anbelangt, ohnehin geschmeidig. Da wurden Popsongs verjazzt, Swing-Versionen von Kinderliedern erdacht. Benno Bessons Inszenierung von Peter Hacks Stück „Frieden“ begleiteten Binneboeses Sieben in den siebziger Jahren gar als Theatermusiker. Auftritte in Rundfunk und Fernsehen, die regelmäßigen Auftritte in Studentenclubs machten die Band populär. Kurzum – die Musiker erwarben sich einen besonderen Ruf. Auf Veranstaltungen mit Größen des traditionellen Jazz – wie Kenny Ball, Chris Barber – traten sie nicht nur auf, sondern hielten dem Vergleich auch stand.

Die sieben Musiker spüren jeweils ab, was dem Publikum genehm sein könnte. In Plau spielen sie vornehmlich bekannte Jazzstücke aus den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts, Klassiker, bis sie, frei von Berührungsangst, auch einmal an die Türen musikalischer Nachbarn klopfen. Opener war „Ain’t she sweet“ aus dem Jahr 1927, vielen auch bekannt in einer Version der Beatles. Lutz Binneboese steht mit seiner Trompete breitbeinig in der Mitte der Mannschaft, auf seiner Gürtelschnalle prangt gut lesbar das Wort „Jazz“. Ihm zu Seiten eine Zugposaune, Gitarre bzw. Banjo, Schlagzeug, zweimal Saxophon und ein Kontrabass. Titel sind unter anderem: I want a little girl, Sweet Georgia Brown, They can’t take that away from me. Gegen Ende bringen sie – verjazzt – auch noch den beliebten Schlager von den Fidschi Inseln aus den 20er-Jahren und eine Filmkomposition, den Mambo Italiano. Tenor-Saxophonist Thomas Walter Maria singt ihn mit Hingabe. „Da kommt sie um die Ecke“, raunt dazu der launig berlinernde Binneboese und meint wohl die legendäre Sophia Loren…

Fazit: Die Zuhörenden sind begeistert. Sie fordern Zugaben. Im Publikum sitzen heute auch Mitglieder des Shanty-Chors aus Plau. „Dreimal“, sagt Günter Grittke von den Plauer See-Männern, „war die Band hier und dreimal bin ich da gewesen.“






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