zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

16. Dezember 2017 | 10:26 Uhr

Plauer See : Jagd auf Graugänse eröffnet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die Obere Jagdbehörde erteilte jetzt die Ausnahme vom Bejagungsverbot für das Westufer des Plauer Sees bis 2017. Grund: Tausende Graugänse richten Jahr für Jahr immense Fraßschäden am Schilfgürtel an.

von
erstellt am 05.Sep.2014 | 20:30 Uhr

Hartnäckigkeit zahlt sich aus: Lange hat der Plauer Jürgen Gebert nach Verbündeten gesucht. Verbündeten, die wie er nicht weiter zusehen wollten, wie der Plauer See unter der stetig wachsenden Grauganspopulation leidet. Gebert, der Jahr um Jahr die Gänse mehr werden und das Schilf weichen sah, sorgte sich, bemühte Umweltamt, Untere Jagdbehörde, Oberer Jagdbehörde, Naturschutzbund… ohne Erfolg. Als weite Teile des Westufers, das noch vor etwa zehn Jahren ein gesunder, kräftiger Schilfgürtel säumte, im letzten Frühjahr wie abrasiert wirkten, war er an die Öffentlichkeit gegangen (wir berichteten). Als der Jäger und berufene Naturschutzwart Mitte Juni schließlich gemeinsam mit weiteren Jägern Anträge an die Oberste Jagdbehörde zur Wiederaufnahme der Gänsebejagung am Plauer See schickte, blieb der Erfolg nicht aus: Am Plauer See, so die Entscheidung, darf die Graugans ab sofort wieder geschossen werden.

Wie im Frühjahr hatten die Plauer alle Hoffnung auf die „Verordnung zur Änderung der Jagdzeiten des Bundes“ gesetzt. Die ist Ländersache und enthält eine Liste mit ca. 100 Seen im Land, die im Rahmen des Wildmanagements als Schlafgewässer ausgewiesen sind und nicht bejagt werden dürfen. Die Plauer wollten mit ihren Anträgen also eines erreichen – den Plauer See von eben dieser Liste zu bekommen. Zumindest zeitweilig.

Zu der Angelegenheit befragt, hatte Martin Rackwitz, Jagdreferent beim Umweltministerium, schon im März eingeräumt, dass „diese Liste nicht in Stein gehauen ist“. Und wie sich jetzt zeigt, sollte er recht behalten. Bei der jüngsten Prüfung wurde entgegen früheren Einschätzungen eingeräumt, dass die Graugänse in den letzten ca. 15 Jahren die enormen Fraßschäden verursacht haben. Diese Erkenntnis führte zur Ausnahme vom Jagdverbot, die vor wenigen Tagen in Kraft trat. Danach darf, vereinfacht formuliert, der Graugansbestand am Westufer des Plauer Sees (Leistener Lanke bis Villa Vita) und im 400-Meter-Abstand vom Ufer bejagt werden. Bis einschließlich 15. Januar 2017 (!) Ausnahme natürlich: die Badestrände.

„Als vor ungefähr 15 Jahren die Unterschutzstellung griff, hat man sicher nicht an die Graue gedacht, sondern vielmehr an Bless- und Saatgänse“, vermutet Jürgen Gebert. Umso mehr freut es ihn, dass – ohne, dass es Misstöne zwischen beiden Seiten gab – dieser Fehler jetzt ausgebügelt werden kann.

Das sieht Ulrich Paetsch von der Fischerei Müritz-Plau GmbH genauso. Die GmbH ist größter Binnenfischereibetrieb in Deutschland und schätzt den Schilfgürtel als Laichplatz und Rückzugsraum für kommerziell genutzte Fischarten. „Der Mensch hat in der Natur an vielen Stellschrauben gedreht“, sagt Paetsch. „Tritt bei einer Art eine Überpopulation auf, die sich negativ auf andere Arten oder den Lebensraum auswirkt oder zu wirtschaftlichen Schäden führt, muss nachjustiert werden.“

Soweit die Theorie. In der Praxis sind für diesen Bereich am Westufer drei Jagdpächtergemeinschaften (Ganzlin, zwei weitere in Plau) zuständig. Jürgen Gebert hofft, dass die bald tätig werden: „Es geht nicht darum, die Graugänse zu tausenden abzuballern. Doch die Tiere haben gelernt, dass sie bei uns unbehelligt sind. Deshalb sollten wir alles daransetzen, sie zu vergrämen. Nur so kann sich der Schilfgürtel vielleicht wieder erholen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen