Plau am See : Integration auf dem Wasser

Integration mit Sport: Bereits seit 2016 ist Henry Mothes Vereinsmitglied und segelt regelmäßig auf dem Plauer See - trotz körperlicher Einschränkung.
Integration mit Sport: Bereits seit 2016 ist Henry Mothes Vereinsmitglied und segelt regelmäßig auf dem Plauer See - trotz körperlicher Einschränkung.

Patienten des MediClin Reha-Zentrums lernen Segeln in der Marina und Segelschule Plau am See

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03. März 2020, 19:00 Uhr

Wie steht es um die gleichberechtigte Teilhabe von Kindern, Schülern und Erwachsenen in unserer Region? Wie steht es um die Umsetzung der Inklusion an den Schulen? Unser Thema der Woche geht diesen Fragen nach. Heute: Inklusives Segeln in der Marina und Segelschule Plau am See.

Ob Frau oder Mann, groß oder klein: Segeln kann jeder. Sogar mit Handicap. Davon ist Lutz-Christian Schröder überzeugt. Der 59-Jährige ist der zweite Vorstand des Segelsportvereins „Plauer Hai-Live“ in der Marina und Segelschule Plau am See in der Plauerhäger Straße. Hier können auch Menschen mit körperlicher Behinderung das Segeln lernen. Das sei die Idee von einem Arzt des MediClin Reha-Zentrums gewesen. „Er war selbst Segler und stellte sich die Frage, ob man beides, Reha und Segeln, nicht miteinander verbinden kann“, erzählt Schröder.

Die Idee fruchtet. Bereits seit zwölf Jahren kooperiert das Reha-Zentrum mit der Segelschule. Hier können sich Menschen nach schweren Erkrankungserlebnissen langsam an den Sport herantasten. Viele hätten zu dem Zeitpunkt keinerlei Segel-Erfahrung.

Diese Segelboote sind vorne und hinten mit Auftriebskörpern aus Schaumstoff ausgestattet. Dadurch können die Boote nicht sinken, auch wenn mal Wasser ins Boot fließt. Zudem hängen 180 Kilogramm Blei im unteren Kiel. Es könne also nicht umkippen. Zwar sei dieses Modell taktisch etwas anspruchsvoller. „Aber durch diese Eigenschaften ist es auch für Anfänger geeignet. Und somit auch für Menschen mit Handicap.“ Und auch der Weg zum Steg ist kein Problem. Der ist barrierefrei. „Und für diejenigen, die es nicht alleine ins Boot schaffen, sind unsere freiwilligen Helfer mit einem Personenhebezug zur Stelle“, sagt Schröder und lächelt. „Jeder kommt ins Boot rein und wieder raus.“

Doch im Moment müssen sich interessierte Patienten noch gedulden. Die Saison beginnt nämlich erst im Mai. Bis September können die Patienten dann dienstags und donnerstags an den angeleiteten Segelmöglichkeiten teilnehmen. Das Segeln sei allerdings kein Bestandteil der Reha, betont Schröder. „Die Patienten haben ihre Reha-Termine und kommen danach mit dem Bus zu uns rüber“, erklärt er. „Das ist ihre Freizeit.“ Das inklusive Segeln soll ihnen Spaß machen und zeigen, dass man auch mit körperlichen Einschränkungen diesen Sport betreiben kann. „Wenn man nach einem Schlaganfall wieder alles neu lernen muss, kann das sehr frustrierend sein“, sagt Schröder. Durch das Segeln könnten sie lernen, mit der neuen Situation umzugehen. „Und wirklich jeder kann bei unseren Regatten mitmachen“, betont er. „Das ist Inklusion.“

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