Goldberg : Industriegestalter zeigt Kunst

Gemalt oder geschmiedet sind die Werke von Jürgen Peters
Gemalt oder geschmiedet sind die Werke von Jürgen Peters

Werkschau von Jürgen Peters voller Erfolg / Bis zum 24. August sind die Werke noch in der Galerie in Goldberg zu sehen

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20. Juli 2014, 22:00 Uhr

Als Glücksgriff des Vereins Goldbergkunst entpuppte sich die Werkschau von Jürgen Peters, die am vergangenen Freitag in der Galerie in der Langen Straße 90 eröffnet wurde. Einmal mehr war Gerhard Stromberg als Kurator auf einen einheimischen Künstler aufmerksam geworden, der eine interessante Biographie und vor allem ein wegweisendes Schaffen verkörpert. Die Vernissage wurde für diesen Mut mit viel Publikum belohnt.

Jürgen Peters wurde 1931 in Wittstock geboren und wuchs dann in Goldberg auf. Von 1947 bis 1950 absolvierte er dort im örtlichen Meisterbetrieb Cords eine Lehre als Schmied. Danach studierte er sogleich an der Wismarer Fachschule für angewandte Kunst und wechselte nach drei Jahren an die Hochschule für bildende und angewandte Kunst nach Berlin-Weißensee. Bereits als Student legte er herausragende Gestaltungsentwürfe vor, beispielsweise für das Radio „Olympic“. Auch an der Gestaltung der Fernsehgeräte „Alex“ und „Weißensee“ oder der weltbekannten Spiegelreflexkamera „Pentina“ wirkte er maßgeblich mit. 1958 schloss er sein Studium als Diplom-Industriegestalter mit dem Prädikat „Sehr gut“ ab. Direkt daran anschließend tat er sich durch das Design für Lokomotiven hervor, beispielsweise für die Baureihen V 160, V 240, V 200 sowie V 100. Entwürfe für weitere Produkte wurden zwar ebenso in der Fachpresse gefeiert, gingen jedoch niemals in Produktion. Auch andere wegweisende Ideen wie die 1964 für eine Rundfunk-Phono-Fernseh-Kombination wurden nicht verwirklicht. Kurzsichtigen Parteifunktionären oder Planwirtschaftlern waren Peters´ wagemutige Entwürfe zu modern-futuristisch. Die Quittung kam prompt: Jahre später tauchte beispielsweise sein Entwurf als „Wega 2000“ in der Bundesrepublik schamlos als offenkundiges Plagiat auf und avancierte dort zu einem Design-Klassiker.

1981 erhielt Peters den Designpreis der DDR. Bis 1990 arbeitete er im Amt für industrielle Formgestaltung, zuletzt als Leiter der Abteilung „Design-Strategie“. Danach wandte er sich als freiberuflicher Künstler der Fotografie und Malerei zu. „Seine Bilder aus Sizilien wirken ungemein kraftvoll und klar“, schwärmte Stromberg. Für private und kommunale Auftraggeber war Peters außerdem als Metallgestalter und Kunstschmied aktiv. Eine seiner Skulpturen steht bis heute im Goldberger Museumsgarten. Jürgen Peters starb 2009. Sein Nachlass wird von seiner Schwester Marieluise Schuldt verwaltet.

Die Ausstellung von Jürgen Peters ist jeweils von Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 15 bis 18 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter 0151/ 27584744 oder 038736/ 40597 bis zum 24. August 2014 geöffnet.


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