Seniorenpflegeheim Lübz : Individualität statt nackter Routine

Gute Zusammenarbeit: Pflegedienstleiterin Melanie Schlachta mit Gerlinde Scheffler, Bewohnerin des Seniorenpflegeheims „Haus am Freistrom“
Gute Zusammenarbeit: Pflegedienstleiterin Melanie Schlachta mit Gerlinde Scheffler, Bewohnerin des Seniorenpflegeheims „Haus am Freistrom“

Gespräch mit Melanie Schlachta, seit einem Jahr erfolgreich arbeitende Pflegedienstleiterin im Lübzer Seniorenpflegeheim „Haus am Freistrom“

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16. Januar 2018, 20:45 Uhr

„Nicht zuletzt wegen Frau Schlachta ist hier alles bestens, funktioniert gut. Und wenn mir etwas nicht passt, sage ich es ohne Umwege.“ Schon beim ersten Kontakt merkt man: Gerlinde Scheffler ist eine freundliche wie offene Frau. Die heute 85-Jährige lebt seit sieben Jahren im Lübzer Seniorenpflegeheim „Haus am Freistrom“ und steht den fünf dortigen Bewohnervertretungen vor. Diese reichen an sie herangetragene Belange an die Leitung des Hauses weiter, was auch umgekehrt geschieht – laut Gerlinde Scheffler ein beiderseitiger Vorgang ohne Probleme.

Auch dabei spielt  Melanie Schlachta eine entscheidende Rolle. Seit dem 2. Januar 2017 ist sie Pflegedienstleiterin im „Haus am Freistrom“ und in dieser Position nicht nur für die Mitarbeiterführung, sondern auch dafür zuständig, die Qualität der Pflege sicherzustellen. Letzteres vor allem damit zu charakterisieren, vorgegebene Standards erfüllen zu müssen, sei völlig unzureichend: „Natürlich gibt es Vorgaben, an die wir uns zu halten haben, aber ebenso wichtig ist, mit Herz zu handeln und Individualität anzubieten, jeden Bewohner als Individuum anzusehen und auch spezielle Wünsche so irgend möglich zu erfüllen. Das ist nicht überall so.“ Routine beim Umgang mit Menschen könne leicht gefährlich werden. Es gelte, mit jedem so umzugehen, wie man auch persönlich behandelt werden möchte.

Die gebürtige Schwerinerin absolviert nach der Schule zunächst eine Ausbildung als Krankenschwester, arbeitet anschießend in einer dortigen Klinik, dann in der Seniorenpflege im Bereich Wachkoma und letztlich auch bei der Betreuung von Suchtkranken. Aus privaten Gründen erfolgt für ein paar Jahre der Umzug nach Hamburg. Bei ihrer Rückkehr nach Schwerin wird die junge Frau gern wieder in der Einrichtung aufgenommen,  die sie nicht allzu lange davor verlassen hatte.

„Irgendwann merkte ich, dass ich eine Veränderung brauche“, sagt die 35-Jährige. Seit 2011 hält sie ihren Abschluss als Pflegedienstleiterin in Händen und möchte ihn nun auch  nutzen. Von ihrem Wohnort Crivitz aus guckt sich Melanie Schlachta sowohl in Richtung Parchim als auch Schwerin um und bleibt an der Lübzer Einrichtung hängen – vor allem deshalb, weil es in ihr im Gegensatz zum gesamten Umfeld nur hier einen Bereich für Wachkoma-Patienten gibt. Im Umgang mit ihnen hat Melanie Schlachta bereits umfangreiche Erfahrungen gesammelt und nimmt deshalb Ende 2016 umgehend Kontakt mit Heimleiterin Kersten Hochschildt auf, die eigenen Worten zufolge froh über die neue Mitarbeiterin ist. Ohne vorher zu wissen, dass die Stelle der Pflegedienstleiterin in Lübz zu diesem Zeitpunkt wiederbesetzt werden muss, begeistert die Crivitzerin der Gesprächsverlauf  noch heute: „Die Sympathie war gleich vorhanden, was aus meiner Sicht sehr wichtig ist, und wir kamen uns schnell überein. Das gute Gefühl beim ersten Eindruck hat sich bestätigt. Ich fühle mich wohl hier und gehe jeden Tag gern zur Arbeit.“

Vor allen, die in der direkten Pflege arbeiten, ziehe Melanie Schlachta den Hut – vor allem wegen der ständig gestiegenen Anforderungen besonders auch hinsichtlich der Dokumentation. Sei die Versorgung einer kleinen Wunde früher mit drei Kreuzen und dem Aufschreiben von zwei Sätzen erledigt gewesen, müssten heutzutage unter anderem das Datum des letzten Arztbesuches, die genaue Beschreibung des verwendeten Materials und die Zukunftsplanung ausgearbeitet werden. Die Neuerungen seien nicht grundsätzlich schlecht, kosteten aber viel Zeit, die eh schon knapp bemessen sei.

Besonders die Arbeit in der Intensivpflege gilt auch psychisch gesehen als hart. „Es gelang mir immer, die Eindrücke von meiner Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen und habe eher das Positive gesehen“, berichtet Melanie Schlachta. „Nach außen hin betrachtet mögen es oft nur kleine Schritte gewesen sein – besonders Angehörige etwa wünschen sich natürlich besser auszumachende Dinge – aber uns haben auch die gefreut.“ Und emotional nicht so fest an einen Menschen gebunden zu sein bedeute nicht, emotionslos zu sein: „Wenn zum Beispiel jemand stirbt, sind auch wir öfter traurig, weil wir Menschen wie jeder andere sind.“

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