zur Navigation springen

Neuer Leiter für Plauer Chor : In jedem Ton klingt die Plauer Seele

vom

Wechsel an der Heimatchor-Sitze: In Plau am See hat Claus Swienty jetzt eine neue Herausforderung gefunden. Er übernimmt den Taktstock und will frischen Wind in die Plauer Institution bringen.

svz.de von
erstellt am 02.Okt.2012 | 12:27 Uhr

Plau am See | Claus sitzt in seinem Zimmer und sieht aus dem Fenster. Draußen spielen seine Freunde, drinnen sitzt er allein. Stubenarrest. Doch ganz so einsam ist der Junge nicht: Glockenspiel und Flöte leisten ihm Gesellschaft. Ton um ton verfliegt der Frust, Note um Note erspielt sich Claus die gute Laune zurück. "Als die Tür wieder aufging, hatte ich zwei Menuette fertig", sagt Claus Swienty und lacht."Die Strafe ging wohl an mir vorbei." Die unfreiwillige Auszeit im Kinderzimmer ist Jahrzehnte her, geprägt hat sie Claus Swienty bis heute. Was seine Mutter als Strafe ersann, legt den Grundstein für seine größte Leidenschaft: die Musik.

In Plau am See hat Claus Swienty jetzt eine neue Herausforderung gefunden. Mit Tonleiter und Taktstock will er ein Stück Kulturgut retten: den Chor der Seestadt. Mission Musik. Nach dem Abschied der bisherigen Chorleiterin Gisela Schade übernimmt Swienty das Kommando. "Der Chor soll nicht von der Bildfläche verschwinden", sagt er. Musik - das sei weit mehr als Noten, Texte und Gesang. "Menschen, die singen, sind gesünder. Ihr Immunsystem wird gestärkt. Das ist wissenschaftlich belegt", sagt der Chorleiter. Der positive Effekt zeige sich nicht nur bei den Sängern selbst, sondern auch beim Publikum. Bei seiner Arbeit mit Laiensängern gilt für Swienty das Motto: In jedem Lied liegt Lebensfreude. "Gesang ist gelebte Kunst. Viel wichtiger, als zu zeigen, was man kann, ist zu zeigen, dass man Freude am Leben hat", sagt Swienty. Da sind auch schräge Töne zu verzeihen. "Auf Perfektion kommt es nicht an. Ist ein Ton mit Freude falsch gesungen, ist er wertvoller als ein richtiger Ton ohne innere Beteiligung", sagt der Plauer. Die Begeisterung, die müsse beim Publikum ankommen. Noten sind Nebensache.

Die Hälfte des bisherigen Chores des Heimatvereins hat sich den Sing-Ruhestand verabschiedet. 14 Frauen aber wollen weitermachen - mit Claus Swienty. "Es ist ein Neuanfang. Wir wollen peppige Sachen machen. Da soll mehr Frische rein", sagt der neue Chorleiter. Vorerst aber werde dort angeknüpft, wo der bisherige Chor aufgehört hat - mit der Vorbereitung des Weihnachtskonzertes. "Es kommt ein neuer Kapitän, aber das Schiff fährt weiter", sagt Swienty.

Einen Namen hat der neue Chor bislang nicht. Fest aber steht: Sänger jeden Alters können mitmachen. "Wir sind quasi die No-Limit-Singers", sagt Swienty und lacht. Er will den Chor nicht nur verjüngen. Die Gesangstruppe soll auch maskuliner werden. Noch geben die Damen hier den Ton an. "Ich will die Männer dazu bringen, dass sie mit uns singen", sagt Swienty. Noch aber sind die Plauer Herren sehr zurückhaltend. "So viel Frauendominanz wirkt wohl einschüchternd", sagt Swienty und lacht. Er hofft auf Wagemutige. "Mit drei, vier Männern wäre ein Anfang gemacht." Ausreden wie "Ich kann nicht singen" lässt der Plauer nicht gelten. "Jeder, der sprechen kann, kann auch singen", sagt er bestimmt. Ob Gesangsprofi oder Amateur - jedem Sänger wohne ein Zauber inne. "In der Stimme klingt das ganze Leben. Jede Stimme hört sich gut an. Sie widerspiegelt unsere Persönlichkeit. Den Ton zu halten, das kann man lernen", sagt Swienty.

Seine Liebe zu Klängen und Stimmen teilt Claus Swienty mit Ehefrau Carola. Aus dem südlichen Ruhrgebiet zieht es die Beiden 2008 nach Mecklenburg. In Plau findet das Paar eine neue Heimat - für sich und seine Musik. Die ist für Claus Swienty Beruf und Berufung gleichermaßen. Der gebürtige Düsseldorfer hat Musik und Chorleitung studiert, war jahrelang fahrender Musiker in wechselnden Ensembles und dirigierte Chöre und Orchester. Zwischenzeitlich widmet er sich sogar eigenen Kompositionen. Von seiner Erfahrung soll der Plauer Chor jetzt profitieren. Das Ziel hat er sich klar gesteckt: "Wir zeigen nicht, was der Chor kann, sondern was er ist", sagt Claus Swienty. Ein Stück Identität der Stadt, die musikalische Seele Plaus - sie soll ganz neu erklingen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen