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Erlebnisurlaub in Welzin : In der Natur leben und lernen

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19 Kinder und Jugendliche aus der Großstadt verbringen ihre Herbstferien auf einem Gutshof. An sechs Tagen lernen sie das Leben auf dem Hof kennen und helfen beim Wiederaufbau des alten Gutes.

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erstellt am 06.Okt.2012 | 02:44 Uhr

Welzin | Große Schubkarren mit Erde fahren immer wieder den kleinen Berg rauf und runter, den Weg von der alten Scheune zu dem neu angelegten Beeten etwas unterhalb. Fünf Hochbeete entstehen hier. Im nächsten Jahr soll das angesäte Obst und Gemüse geerntet werden und mit auf den Tisch kommen. Das Anlegen der Beete ist eine von vielen Arbeiten, die die Kinder und Jugendlichen in ihren Herbstferien auf dem Gutshausgelände in Welzin erledigen. Der Verein Actiontouren - leben.lernen. aus Berlin bietet von Ostern bis Herbst diese Reisen an, eine Art Ferienlager inmitten der Natur. "Wir möchten mit den Kindern etwas Sinnvolles machen, einfache Sachen, die mit dem wahren Leben zu tun haben. Wir bauen hier etwas, das bestand hat", erzählt der Betreuer Max Droll.

Das Gelände, auf dem der Garten entsteht, war voll mit Brennnessel und Unkraut. Diese wurden beseitigt, eine Mauer wurde gezogen, um den Hang zu stützen, die Beete wurden angelegt und das Fundament für ein kleines Gartenhäuschen neben den Beeten steht bereits. Nun wird frische Erde in die Hochbeete geschichtet, Schubkarre für Schubkarre. "Die Arbeit ist zwar anstrengend, aber ich mache immer wieder gern mit", erzählt die 14-jährige Lucie Metze. Sie hat vor Jahren angefangen an den Reisen teilzunehmen. Mittlerweile ist sie als Teamer dabei und unterstützt die Gruppen der Kinder und Jugendlichen. "Am meisten gefällt mir der tolle Zusammenhalt, es ist wie bei einer großen Familie."

Die andere Gruppe ist heute mit dem Ernten von Äpfeln dran. 300 Kilogramm wurden schon in der Mosterei abgegeben, die den frischen Apfelsaft für die Gruppe presst. "Wir versuchen uns, hier so gut es geht, selbst zu versorgen", so Drall. Der neue Obst- und Gemüsegarten wird im nächsten Jahr eine kleine Bereicherung sein. "Dazu kommt, dass die Kinder den Kreislauf der Nahrung kennen lernen. Sie bauen selbst an, sehen wie es wächst, ernten und essen es. Viele gehen zu Hause nicht einmal mit zum Einkaufen."

Das Gutshausgelände ist insgesamt 2,2 Hektar groß. Vor drei Jahren hat der Verein das alte Gebäude mit dem Grundstück gepachtet. Stück für Stück entsteht nun auf dem gesamten Areal etwas Neues. Der Garten war verwildert, zugewachsen mit uralten Bäumen und hohem Gras. Neue Wege mit Begrenzungen und Rindenmulch führen nun durch das Gelände. Die Arbeiten werden oftmals von den Kindern und Jugendlichen eigenständig durchgeführt. Mit ein Grund, warum viele im kommenden Jahr wieder dabei sein wollen. Sie interessiert, was aus ihrem Projekt geworden ist.

Die meisten Bauarbeiten werden mit alten Materialien durchgeführt. Baumaterialien, die auf dem Gelände gefunden wurden, werden einfach wiederverwertet. "Die alten Fenster aus dem Gutshaus haben wir nicht einfach weggeschmissen. Der so genannte Fensterplatz ist einer unser Treffpunkte", erklärt Drall. Durch die Glasscheiben in den Fenstern ist der Platz windgeschützt und meistens finden sich die Jugendlichen hier zum Sonnenuntergang ein. "Man hat eine herrliche Aussicht auf das anschließende Feld und die Gegend."

Neu entstanden ist auch die Öko-Mensa. Der Essplatz unter freiem Himmel wurde zwischen zwei alte Betonwände errichtet. Auch die Außenküche findet hier ihren Platz. "Im Sommer findet so gut wie alles draußen statt. Hinter dem Gutshaus wird ein Zeltlager aufgebaut und in der Öko-Mensa bereiten wir alle zusammen das Essen zu", erzählt der Betreuer. Jetzt im Herbst schlafen die Kinder in der benachbarten Scheune.

Viele der Teilnehmer kennen die Natur und wissen, worauf sie sich einlassen. Doch es sind auch Kinder dabei, die von ihren Eltern zu diesen Ferien angemeldet werden und sie verbringen das erste Mal wirklich Zeit direkt in der Natur. Die Angst vor Käfern und Spinnen wird schnell überwunden und mit der richtigen Kleidung, macht auch das herbstliche Wetter nichts aus. Jannic ist das erste Mal bei diesem Erlebnisurlaub mit dabei. Die gesamte Woche regnete es immer wieder, doch den 14-Jährigen stört das nicht. "Es gefällt mir hier in der Natur. Und es gehört auch dazu, im Regen zu arbeiten", erzählt der Berliner. "Die Meisten gewöhnen sich relativ schnell an die Bedingungen und haben Spaß an der Sache", weiß Max Droll. "Es gibt jedoch Kinder, die das erste Mal in kompletter Dunkelheit sind und keine einzigen Geräuschen hier draußen hören. Das kann schon Angst machen. In Großstädten wie Berlin oder Hamburg hört man immer etwas und es ist auch nie richtig dunkel. Das ist hier in der Natur anders."

Die nächste große Baustelle nach der Aufarbeitung der Außenanlage, wird das Gutshaus sein. Bis zum Jahr 2000 wohnten noch zwei Familien in diesem Gebäude. Doch seither wurde nichts mehr gemacht, das Haus verwahrloste. Dieses Projekt wird gemeinsam mit den Jugendlichen in den nächsten Ferien angegangen. Der Verein hofft dabei auf zahlreiche Unterstützung auch von außerhalb. "Für diese Aufgabe suchen wir Zimmerleute, die Lust und Zeit haben, mit uns und den Kindern am Fachwerk zu bauen", so Drall. Und wenn das Gesamtprojekt in einigen Jahren komplett abgeschlossen ist und das Gutshaus und die Anlage auf Vordermann gebracht wurde, sollen hier Ferien für alle Altersklassen und Schichten ermöglicht werden.

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