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22. November 2017 | 00:12 Uhr

Immer mehr leben mit Ein-Euro-Job

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erstellt am 06.Jun.2010 | 07:44 Uhr

Parchim/Sternberg | Immer mehr arbeitslose Menschen in der Region haben einen Ein-Euro-Job. Die Zahl der so genannten Arbeitsgelegenheiten stieg in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich an: von 2005 mit kreisweit 1844 Betroffenen auf 2246 im Jahre 2009. Bis zum Mai dieses Jahres waren es bereits 1090 Menschen, die für einen Euro pro Stunde arbeiten gingen. Im Raum Sternberg waren es im Vorjahr 406 Ein-Euro-Jobs, 2005 noch 285.

Die Zahl der Ein-Euro-Jobber sei angestiegen, "weil das Instrument ABM seit Ende 2008 nicht mehr für den Rechtskreis SGB II (Hartz IV - d. Red.) Anwendung findet", erklärt Kornelia Gruel, Leiterin der Arge Parchim. Heißt: Wer länger als ein Jahr ohne Arbeit ist, komme nicht in ABM, sondern - mit Glück - in Ein-Euro-Jobs. Vorrangiges Ziel sei dabei "die Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt", so Gruel.

Ein-Euro-Jobber bringen auch Effekte für die offizielle Arbeitsmarktstatistik - denn als arbeitslos tauchen sie nicht auf. So seien die aktuellen Erfolgszahlen vom Arbeitsmarkt kritisch zu betrachten, sagt Jörg Böhm, Vorsitzender des Arbeitslosenverbandes MV. Es sei "unverantwortlich", dass Ein-Euro-Jobber nicht als arbeitslos gelten, "weil sie die Maßnahmen ja kurzfristig verlassen könnten, wenn es Angebote gäbe". Gleiches gelte für Menschen in kurzen Bildungsmaßnahmen.

Kornelia Gruel bestätigt: Teilnehmer an Maßnahmen wie Ein-Euro-Jobs würden für den Zeitraum als "arbeitssuchend geführt" - fliegen also aus der Zahl der Arbeitslosen raus. 11,0 Prozent beträgt die offizielle Quote für die Geschäftsstelle Parchim, 15,0 Prozent für Sternberg (mit Warin, Kreis NWM) - 1886 bzw. 1394 Betroffene. Als arbeitssuchend sind dagegen weit mehr Menschen registriert: 3674 im Raum Parchim, 2289 in Sternberg. Ergo: Auf der Suche nach Arbeit sind in und um Parchim doppelt so viele Menschen wie arbeitslos erfasst.

MV-weit sind derzeit offiziell rund 106 000 Menschen arbeitslos. Jörg Böhm vom Arbeitslosenverband benutzt lieber den Begriff der "Unterbeschäftigung" - laut Verbandsberechnungen rund 155 000 Betroffene: 50 Prozent mehr. Denn neben Ein-Euro-Jobbern oder zu Qualifizierenden seien weitere Gruppen nicht in der Statistik enthalten: z.B. von privaten Personal-Service-Aghenturen betreute Arbeitslose oder Menschen in Kurzarbeit. Darüber hinaus, und laut Böhm nicht berechnet, müssten Auspendler, Mini- und Midi-Jobber oder Menschen mit Job, die wegen geringen Lohns einer Aufstockung von der Arge erhalten, hinzugerechnet werden. Dieses fehlende "Arbeitszeitvolumen" wolle der Erwerbslosenrat MV in den kommenden Monaten ermitteln.

Edgar Macke von der Agentur für Arbeit Wismar/Sternberg hält dagegen: Arbeitssuchend seien auch Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind. "Die Beschäftigten der Wadan-Weft in der Transfergesellschaft z.B. sind alle arbeitssuchend gemeldet." Dass ein Ein-Euro-Jobber nicht als arbeitslos gelte, halte er für naheliegend: "Er hat ja einen Job und steht dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung."

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