Einkaufszentrum Lübz : Immer mehr Geschäfte leer

<strong>Das Lübzer Einkaufszentrum</strong> wurde 1993 in Betrieb genommen. <fotos>ilja baatz</fotos>
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Das Lübzer Einkaufszentrum wurde 1993 in Betrieb genommen. ilja baatz

Im Lübzer Einkaufszentrum sind immer weniger Läden vermietet. Erst vor kurzer Zeit verlagerte Hubert Brockmann sein Foto-Fachgeschäft in die Stadt, momentan bereitet sich ein weiterer großer Mieter auf den Auszug vor.

svz.de von
14. März 2013, 09:12 Uhr

lübz | Im Lübzer Einkaufszentrum (EKZ) sind immer weniger Läden vermietet. Erst vor kurzer Zeit verlagerte auch Hubert Brockmann sein Foto-Fachgeschäft von hier in die Stadt, momentan bereitet sich ein weiterer großer Mieter auf den Auszug vor. Noch ist unter anderem der Sky-Markt mit seinem breit gefächerten großen Angebot ein Magnet für viele Lübzer und Bewohner der Umgebung.

Die für alle nach außen hin gut erkennbare Entwicklung ist zu einem wichtigen Thema in der Öffentlichkeit geworden. Das weiß Brit Vogel, Inhaberin des Blumengeschäftes im Erdgeschoss, auch durch die Gespräche mit ihren Kunden. "Sie fragen oft, ob das EKZ geschlossen wird und somit auch wir aufhören", sagt sie. "Für uns gilt das nicht, denn wir stehen für den Erhalt des EKZ und wünschen uns wieder bessere Zeiten."

Die gelernte Zierpflanzengärtnerin, seit der Wende zunächst in der Molkereistraße und danach in einem neuen Haus am Friedhof selbstständig, ist seit 20 Jahren und damit von der ersten Stunde der Einrichtung an Mieterin im EKZ. Das Konzept, auch in Lübz Ärzte, Geschäfte und ausreichend Parkplätze vor der Tür für die Kunden geballt an einem Ort anzubieten, habe sie überzeugt, was heute noch gelte. Die ersten zehn Jahre seien die besten gewesen: "Alles war vermietet und somit die Bandbreite des Angebots entsprechend groß - ob mehrere Fachgeschäfte einschließlich Zoohandlung, Friseur, Gaststätte oder auch Sparkasse mit Schalter. Der erste Schlag war, als sich die Bank verabschiedete. Seit 2003 geht es insgesamt gesehen eher bergab."

Brit Vogel hat Wechsel beziehungsweise Schließung von Geschäften neben ihr ungezählte Male erlebt. Besonders negativ sei die immer öfter nicht erfolgende Wiedervermietung, was jeder von der einst großen Schlecker-Filiale bis zum Reisebüro bald durchgängig sehen könne. Persönlich am meisten getroffen habe die Lübzerin der Auszug von Hubert Brockmann, mit dem sie im September 1992 Richtfest feierte. "Manche hier fragen sich zum Beispiel, ob das Geld nicht mehr ausreicht oder die Miete zu hoch ist", so die Geschäftsfrau. "Eine durchgängig gültige Antwort gibt es nicht, aber auf jeden Fall ist die Ungewissheit allgemein groß. Für mich persönlich etwa ist die Miete kein Horrorposten, aber schon allein um sie aufzubringen, muss ich sehr viel leisten. Und dieser Punkt gilt für alle."

Auf die Frage, ob die Zahl der Kunden nach ihrer Meinung im Laufe der letzten Jahre abgenommen habe, antwortet Brit Vogel, dass sie manchmal genau dieses Gefühl habe, dann jedoch nur kurze Zeit später schon nicht mehr. Zwischentöne seien gerade auch in diesem Bereich wichtig.

Fest stehe hingegen, dass das in den noch verbliebenen Geschäften vorhandene Sortiment insgesamt nicht mehr annähernd so attraktiv wie einst sei: "Schlecht ist, dass wir als Mieter keinen direkten Ansprechpartner mehr haben. Als wir etwa noch zur Hamburger Grundstücksverwaltung gehörten, kam jede Woche jemand nach Lübz, so dass wir über alles reden konnten. Das waren schöne Runden, es gab einen Zusammenhalt zwischen Vermieter und Mietern. Das ist heute nicht mehr so. Der Eigentümer hat seinen Sitz in Luxemburg und eine Firma aus Wiesbaden mit der Verwaltung beauftragt. Ihre Präsenz hier ist viel zu gering und wegen der fehlenden Kontakte werden auch Probleme nicht schnell gelöst."

Erst vor wenigen Wochen habe die Ladeninhaberin zwei ihr bekannte Vertreter des süddeutschen Unternehmens durchs EKZ gehen sehen, ohne dass irgendjemand sie vorher von dem Besuch unterrichtet habe. Dabei hätte die Blumenfachfrau eigenen Worte zufolge gern mit den Männern gesprochen. Ein Hintergrund: Es müsse einiges repariert werden, was eindeutig Vermietersache sei. Ihren Laden hat die Lübzerin im Laufe der Jahre zweimal grundlegend auf eigene Kosten renoviert. "Und das gern", wie sie sagt, "aber alles zu bezahlen ist für mich als Mieter zu teuer."

Von ihrem weggezogenen Nachbarn hat Brit Vogel den Paketdienst übernommen, damit dieser für die Kunden im Einkaufszentrum als Angebot erhalten bleibe. Sie ist davon überzeugt, dass die Kundschaft ganz allgemein auch künftig den Weg ins EKZ findet, solange die Arztpraxen im Obergeschoss vermietet sind. Gegenwärtig stehe nur eine von ihnen leer. "Trotzdem ist es aber generell wichtig, leere Räume zu besetzen und künftig verstärkt Anstrengungen hinsichtlich Vermietung zu unternehmen", meint die Selbstständige. "Aus meiner Sicht wird gegenwärtig zu wenig dafür getan, Kunden zu halten." Auf die Anmerkung, dass es doch eine so genannte "Center-Managerin" gebe, entgegnet Brit Vogel, dass diese ihr aber nicht helfen könne, wenn es zum Beispiel um gesetzliche Belange geht.

Gern hätten wir ebenfalls dem Eigentümer Gelegenheit gegeben, seine Sicht der Dinge darzustellen. Dort hieß es, man antworte nur schriftlich. Doch auch das ist bis heute nicht passiert. Unsere Fragen haben wir zum ersten Mal bereits vor rund drei Wochen und dann noch einmal am 4. März per E-Mail gestellt.

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