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Lübz: Theaterstück mit pädagogischem Anspruch : Im tiefen Rausch der Drogen

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Schock, Bestürzung, Nachdenklichkeit in den Gesichtern der Schüler. Eine kleine Ewigkeit ist es still im Saal, dann beginnt der tobende Applaus: Lübzer Gymnasiasten waren soeben mit dem Thema Drogen konfrontiert worden.

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erstellt am 27.Dez.2012 | 04:32 Uhr

Lübz | Schock, Bestürzung, Nachdenklichkeit in den Gesichtern der Schüler. Eine kleine Ewigkeit ist es still im Saal, dann beginnt der tobende Applaus. Die Schüler des Eldenburg Gymnasiums wurden in der vergangenen Stunde mit dem Thema Drogen und ihren Auswirkungen konfrontiert. Gezeigt wurde das Theaterstück "Drogen - von Gras bis Crystal" vom Weimarer Kultur-Express, einem freien Jugendtheater, das durch Deutschlands Schulen tourniert. Das Stück stellt die Entwicklung eines Jungen dar, der sich im Laufe der Jahre durch den Drogenkonsum so verändert, dass die Geschichte kein gutes Ende mehr nehmen kann.

Die beiden Hauptfiguren Anne und Florian kennen sich bereits aus dem Kindergarten. Sie wachsen zusammen auf und als Teenager verlieben sie sich ineinander und verbringen ihre Tage zusammen in einem alten Schuppen. Hier fängt Florian an, das erste Mal Gras zu rauchen. Anne ist eigentlich total da gegen, probiert es jedoch auch. Für Florian ist Gras die Einstiegsdroge, es endet bei Crystal Meth. Die Handlung spitzt sich zu, die Drogen zerstören allmählich die Beziehung der beiden und deren Leben. Anne gibt nicht auf, versucht Florian zu helfen - bis zum Tod.

Das schockierende Ende warf viele Fragen bei den Schülern auf. In einer anschließenden Diskussionsrunde konnten die Jugendlichen direkt mit den Schauspielern ins Gespräch kommen. "Das Thema ist gerade sehr wichtig. Besonders Crystel Meth kommt derzeit leicht über die Tschechische Grenze nach Deutschland. Diese Droge ist leicht zu beschaffen und hat ein hohes Suchtpotenzial", erzählt Mathias Seredszon. Er spielt seit Mai diesen Jahres den Florian im Theaterstück. "Wir Schauspieler bewerben uns auf diese Stücke und reisen dann ein Jahr lang quer durch Deutschland, um das Präventionstheater an den Schulen zu zeigen", so der 24-Jährige.

Die Geschichte, die die beiden Schauspieler erzählen, ist zwar ausgedacht, stellt aber eine typische Situation dar. Vor den Aufführungen, haben sich die Schauspieler mit einer Drogenberatungsstelle zusammen gesetzt, um viele Informationen in ihrem Stück verarbeiten zu können. Aber auch eigene Erfahrungen nutzen die Schauspieler in ihrer Inszenierung. Mathias Seredszon hat jedoch auch einen ganz persönlich Bezug zum Thema Drogen. In der Gegend, wo er aufgewachsen ist, fangen die Drogenprobleme bereits bei 15- bis 16-jährigen Jugendlichen an. "Ich komme aus Berlin- Neukölln. Man kann dort regelrecht verfolgen, wie einige Jugendlichen immer mehr abbauen und kaputt gehen an den Drogen."

Natascha Mattmüller ist erst seit Kurzem dabei. Zusammen stehen die beiden seit drei Wochen auf der Bühne. Im Mai hat die 24-Jährige ihre Schauspielausbildung in Berlin beendet und kam zum Weimarer Kultur-Express. Neben dem Drogen-Theaterstück, spielen die Darsteller weitere altersgerechte Gegenwartsstücke, die die Probleme der Jugendlichen aufgreifen. Mit den Programmen versuchen die Schauspieler, Hilfestellung zur Bewältigung der Alltagsprobleme zu geben. "Man weckt die Schüler auf und macht sie aufmerksam, in diesem Fall auf das Thema Drogenkonsum und die möglichen Folgen. Viele denken einfach gar nicht darüber nach und es ist normal, wenn Mitschüler Gras rauchen", erklärt Natascha Mattmüller. "Der Langzeiterfolg stellt sich nicht automatisch ein. Wir können mit unseren Stücken nicht die Welt retten. In den Schulen müssen die Themen vorher und nachher behandelt werden. Wir bereiten die Probleme einfach nur anders auf und tragen einen guten Teil zur Präventionsarbeit bei", ergänzt Mathias Seredzon. Die Vorgehensweise kommt bei den Schülern an. Tim Dierksen war nach der Vorstellung völlig beeindruckt. "Ich fand das Stück sehr spannend. Es wurde von den Schauspielern interessant dargestellt. Sie zeigten deutlich, was Drogen alles machen können. Das Stück hat mich echt gefesselt", so der 14-Jährige. Sein Klassenkamerad aus der 9b sah es ähnlich. "In unserer Schule ist es nicht so stark mit Drogen, aber das Problem kennt ja jeder. Die Aufführung war auf jedenfall sehr hilfreich", erzählt Philipp Huss.

Die Diskussionen nach der Aufführung zeigten, dass die Schüler durch das Stück auch wirklich angesprochen wurden. Viele Fragen lagen den Jugendlichen auf dem Herzen, und auch Un sicherheit zeigte sich bei einigen. Mathias Seredszon kann nur jedem raten: "Wenn jeder seine eigene Verantwortung annimmt und sich nicht dem Gruppenzwang beugt, dann ist ein Anfang getan. Jeder sollte stark genug sein, auch nein zu sagen."

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