Ehrenamt : Im Galopp von Top zu Top

So präsentiert sich der neue Vorstand: (v. l.) Jens Fengler, Sonja Burmester, Ruth Zeller, Heidi Schult, Christel Ehrke, Bernd von Müller, Gisela Schütt, Georg Hornig.
So präsentiert sich der neue Vorstand: (v. l.) Jens Fengler, Sonja Burmester, Ruth Zeller, Heidi Schult, Christel Ehrke, Bernd von Müller, Gisela Schütt, Georg Hornig.

Plauer Heimatverein beging seine diesjährige Hauptversammlung und wählte nach vier Jahren einen neuen Vorstand. Das Treffen der Ehrenamtler bot Gelegenheit zu Rück- und Ausblick und bot gleichzeitig Szenen des Abschieds.

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21. März 2016, 12:02 Uhr

Vereinsleben im ländlichen Raum: wichtig für das Gemeinschaftsleben und naturgemäß kleinräumig vernetzt. Viele Mitglieder kennen sich nicht nur auf Grund der Vereinsaktivitäten, sondern auch aus dem gemeinsamen Lebensumfeld. Und läuft der Verein gut, so ergeben sich auf den vorgeschriebenen Jahreshauptversammlungen auch meist keine unvorhersehbaren oder spektakulären Ereignisse. Genau davon ist vermutlich auch Moderator Jens Fengler, Mitglied des Vorstands des Plauer Heimatvereins, ausgegangen, als er die Sitzung von Top 1 bis Top 12 im zügigen Durchmarsch organisierte und nach Top 7 mehrmals launig warnte, dass der Kuchen trocken würde.

Und so präsentierte sich der Museumssaal am vergangenen Sonnabend: die Stühle standen dicht an dicht, alle Plätze waren besetzt und die Tische in einladende Kaffeetafeln verwandelt, so dass der Kaffeeklatsch als subversiv wirksames Sekundärziel natürlich immer gegenwärtig war. Aber im Ernst: Top 1, der Rechenschaftsbericht des Vereins für 2015, ließ aufhorchen, bedenkt man, dass die Führung, die eigentliche Funktionalisierung der historischen Anlage und der Sammlungen wesentlich durch den Verein, also von Ehrenamtlichen bewerkstelligt wird. Sie sind es, die die Türen öffnen entweder zu Besichtigungen von Museum und Burgturm oder aber zu den vom Verein organisierten öffentlichen Veranstaltungen, die im Rechenschaftsbericht der Vereinsvorsitzenden Sonja Burmester denn auch einen Schwerpunkt bildeten. „Der tolle Veranstaltungraum im Museum“ müsse natürlich auch genutzt werden, so die „Präsidentin“, wie sie hier genannt wird. Und sie erwähnte als Veranstaltungen im neuen Saal unter anderem die Lesung mit Musik von Bertram Bednarzyk, den Vortrag über die Plauer Stadtbrände von Fred Ruchhöft und den regelmäßig wiederholten Theaterabend um Ehrenbürger Ernst Alban mit dem Stück „Ein bisschen Alban“ von Jörg Meyer. Natürlich galt der Rückblick auch dem Internationalen Museumstag mit ganztägigen Veranstaltungen, dem 12. Burghoffest und der Teilnahme an der Weihnachtsstraße. Die Gruppe „Black Tigers“, die am Vorabend des Burghoffestes viele Teilnehmende anzog, versprach Burmester, werde auch 2016 wieder am Stimmungsbarometer zündeln.

Allen, die am gemeinsamen Projekt an einem Strang gezogen haben, wurde gedankt, so auch den Museumsfreunden und den Chören des Heimatvereins, dem Shanty-Chor und den Burgsängern. Der Verein habe zur Zeit 138 Mitglieder, schloss Sonja Burmester und reichte den Stab an Schatzmeisterin Adelheid Oltersdorf weiter. Leider musste diese verkünden, dass am Ende des Jahres ein Minus von 826 Euro bestand. Keine große Summe und sie relativiert sich, bedenkt man, dass die Vereinskasse immerhin fast 30  000 Euro nur aus Eintrittsgeldern bezog. Besucher spendeten weitere 3700, dazu gesellten sich die Gaben einzelner Spender aus dem Umfeld von etwa 2500 Euro. Die Gemeinnützigkeit des Vereins ist mittlerweile erteilt.

Was dieses Treffen besonders machte: Alle vier Jahre muss der Vorstand laut Satzung neu gewählt werden. Kurzerhand wurde Vereinsmitglied Dieter Ehrke zum Wahlvorstand ernannt und sogleich beschlossen, die Neuwahl nicht in geheimer Abstimmung durchzuführen. Mit Schatzmeisterin Oltersdorf und Lisa Szelies, die unter anderem die Einsatzpläne für die Museumsführungen schmiedete, verließen zwei der Mitglieder den Vorstand. Georg Hornig, seit sieben Jahren in Plau lebend und zuvor Mitglied des Kneipp-Vereins, und der seit 1947 in Plau lebende Bernd von Müller wollten und sollten in die Bresche springen. Alle, auch die verbliebenen Vorstandsmitglieder, wurden bestätigt. Nach Vorschrift konstituierte sich schließlich der neu gewählte Vorstand, Grußworte, unter anderem von Bürgermeister Norbert Reier, wurden gesprochen. Rund vier Mio Euro sollen in naher Zukunft auf dem Burgareal verbaut, die Sammlungen neu strukturiert werden, ließ er wissen.

Ein spontan geäußerter Gesichtspunkt mischte denn doch noch unter all die vorgeschriebenen Tagesordnungspunkte: Junge Vereinsmitglieder zu gewinnen, meldete sich eine Stimme aus dem Plenum, solle doch nun eine besondere Aufgabe des neuen Vorstands werden. Aber das sei längst ohne größeren Erfolg versucht worden, lautete das prompte Gegenargument. Und es ist nachvollziehbar. Aber Schüler und Schülerinnen zu gewinnen, sei hier gesagt, wäre vielleicht doch noch eine ratsame Alternative. Eine Wortmeldung gegen Ende der Veranstaltung aber blieb schließlich unbestritten. Die Aussage nämlich, dass die älteren Vereinsmitglieder, so sie da sind, ihren Kindern und Enkeln etwas Bemerkenswertes hinterlassen werden. Dem war nichts mehr hinzuzufügen. „Bleiben sie gesund“, sagte Jens Fengler zum Abschluss. Dann gab es saftigen Kuchen.




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