Perlenkünstlerin aus Wangelin : Ihr Glasperlenspiel ziert Ohrläppchen

Josefine Hemzal liebt es, aus Perlen Ohrringe zu machen.
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Josefine Hemzal liebt es, aus Perlen Ohrringe zu machen.

Für Josefine Hemzal ist Glas wie Eis und gerade deshalb ihr Lieblingsstoff, um schöne Ohrringe zu zaubern. Die Berlinerin zog vor einem Jahr nach Wangelin, dort hat sie genügend Ruhe, um ihren Schmuck zu machen.

svz.de von
04. Januar 2013, 11:37 Uhr

Wangelin | Vorsichtig, ganz behutsam nimmt Josefine Hemzal eine Glasperle aus ihrem Schmuckkästchen. Sie hat ein Lächeln im Gesicht. Die langen dunklen Haare sind leicht gewellt, sie trägt das Haar offen, so dass lange Strähnen ihr über beide Schultern fallen und ihr Gesicht einrahmen. Der feine Kupferdraht schaut aus der Öse der Glasperle schon ein kleines Stückchen hervor. Josefine Hemzal schiebt den Draht immer weiter durch die winzig kleine Öffnung. Geschickt greift sie zu einer ihrer Zangen, mit der sie das eine Ende des Drahtes fasst und ihn um die Perle dreht. Eine Spirale entsteht. Josefine Hemzal bastelt erneut an einem Paar Ohrringe.

Die buntesten Farben kommen zum Vorschein - Rot, Grün, Blau, Lila, egal welche Farbe, Hauptsache die Perle ist aus Glas. Denn daraus zaubert Josefine Hemzal am liebsten ein paar Ohrhänger. Ihr Glasperlenspiel soll schließlich Ohrläppchen verschönern. Doch nicht nur Glas, sondern auch andere Werkstoffe wie Stein, Kunststoff, Muscheln oder Scherben kommen zum Einsatz. Aber Josefines Hemzals Herz hängt am Glas. "Glas ist einfach mein Element für Ohrringe. Dieses Glatte, Glänzende - wie Eis eben", verdeutlicht Josefine Hemzal ihre Liebe zu diesem Werkstoff.

Wahllos greift sie mit ihrer linken Hand in ihr Schmuckkästchen, wühlt mit den Fingern in den Perlen und entscheidet sich spontan für eine. "Eine richtige Vorstellung, wie der Ohrring werden könnte, habe ich nicht. Oftmals denke ich an eine bestimmte Person, einen bestimmten Typen von Mensch, zu dem ich vielleicht noch nicht einmal eine richtige Verbindung habe. Dann überlege ich mir, was zu diesem Charakter passen könnte und dann entsteht ganz individuell der Ohrschmuck", erklärt die 25-Jährige ihre Vorgehensweise. Die vielen bunten Perlen, aus denen die Wahl-Wangelinerin Schmuck zaubert, kommen auf den unterschiedlichsten Wegen zu ihr. "Mir bringen viele Leute die verschiedensten Dinge. Einmal habe ich Samen aus Ecuador bekommen und sollte daraus etwas machen." Darüber freut sich Josefine Hemzal, denn dann kann sie wieder kreativ sein.

Vor vielen Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft, eigenen Schmuck herzustellen. Schon zu Schulzeiten hat sie viel gebastelt. Irgendwann wollte sie die dabei entstandenen Ohrringe verkaufen. Doch zunächst blieb das ein Traum. Bis Josefine Hemzal schlussendlich bei einem Weihnachtsmarkt einige ihrer Schmuckstücke an die Frau bringen konnte. Derzeit baut sich Josefine Hemzal mit ihrer Lebenspartnerin in Wangelin einen Bauernhof auf. "Unser Traum ist es, einen Selbstversorger-Garten zu haben. Auch Schafe wollen wir züchten und melken. Das wäre schön", schwärmt die 25-Jährige von ihrem Traum. Doch das dauert noch eine Weile. Derzeit arbeitet sie in Groß Pankow als Gärtnerin, denn die ehemalige Berlinerin hat ökologische Landwirtschaft studiert. Nach dem Studium aber hatte sie allmählich die Großstadt satt. Seit gut einem Jahr hat sie ihre Heimat in Wangelin gefunden. "Ich wollte weg aus der Großstadt. Einfach raus, in die Natur, zurück zum Ursprünglichen. Und das haben wir nach fast zwei Jahren Suche in Wangelin gefunden", erzählt Josefine Hemzal. Noch bevor die 25-Jährige mit ihrer Freundin den Hof in Wangelin gekauft hatte, waren sie einen Abend beim Garten-Kino. "Wir wurden wunderbar empfangen und alle haben uns sogleich ihre Hilfe angeboten zwecks Umzug, das war unglaublich. Deshalb haben wir uns für Wangelin entschieden", erinnert sich die Perlenkünstlerin und lächelt. Denn so etwas kennt sie aus ihrer Heimatstadt Berlin nicht. Doch das kümmert sie jetzt nicht mehr, jetzt ist sie angekommen. Ihr großer Traum ist ein kleines Atelier in ihrem Garten herzurichten. "Dann kann ich, während ich Ohrringe mache, die Natur und meine Tiere beobachten", erklärt Josefine Hemzal.

Ihre Perlen bestellt die Wangelinerin im Internet - von weit her kommen die runden, glatten Kugeln. Oftmals aus der Türkei, denn dort hat sie mittlerweile einen guten Händler gefunden. Doch am liebsten arbeitet Josefine Hemzal mit Böhmischen Glasperlen - Perlen aus der Heimat ihrer Großeltern. Doch an diese zu kommen, ist sehr schwer. "Ich muss diese Perlen direkt aus Tschechien ordern", erklärt die 25-Jährige. Tschechien, das ist auch ein Stück Heimat, denn ihr Nachname stammt genau daher. Josefine Hemzal mischt wieder mit ihren Fingern in ihren Perlen, während sie von ihren Großeltern erzählt. Sie lächelt, die langen dunklen Haare rahmen ihr Gesicht ein. "Fines Funkelgarten" nennt sie ihre Internetseite, auf der viele Kunden ihre Schmuckstücke finden. Noch in ihren Gedanken vertieft, greift sie zur nächsten Perle und zaubert ein Glasperlenspiel, das Ohrläppchen schmücken wird.

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