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Diskussionsrunde in Dobbertin : Ideenschmiede für ländliche Räume

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

IHK-Forum in Dobbertin: Die Ländlichen Gestaltungsräume des Landes müssen unterstützt werden, um zukunftsfähig zu bleiben

von
erstellt am 18.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Diese Zahl lässt den Atem stocken: In den vergangenen 20 Jahren sank die Einwohnerzahl in Dobbertin um 32 Prozent. „Und das wird weitergehen“, sagt Dirk Mittelstädt – bei dieser Statistik ist der Redner vorrangig Bürgermeister der Gemeinde Dobbertin. Ansonsten fungiert er an diesem Abend vor allem als Vorsteher des Amtes Goldberg-Mildenitz. Die Industrie- und Handelskammer Schwerin (IHK) hatte eingeladen. Es geht um die Zukunft der „Ländlichen GestaltungsRäume“, zu denen der Amtsbereich gehört. Ganz konkret: Damit das Licht in diesen Dörfern und der Stadt Goldberg nicht ausgeht, muss etwas getan werden. Das hat mittlerweile auch die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern erkannt. Doch dafür muss an einem Strang gezogen werden. „Wir müssen weg vom Kirchturmdenken“, sagt Dirk Mittelstädt. Seine Nachredner blasen ins selbe Horn.

Neben Tribsees, Loitz und dem Stettiner Haff gehört der Amtsbreich Goldberg-Mildenitz mit seiner Stadt und seinen vier Gemeinden – Mestlin, Techentin,  Dobbertin und Neu Poserin – zu den sogenannten Modellregionen des Landes.  Die Basis dafür wurde bereits vor zwei Jahren geschaffen. Es folgten Grundsatzbeschlüsse in allen Gemeinden – alle mit  einem Ziel, einen Regionalen Flächennutzungsplan  aufzustellen. Daraus wurde schlussendlich die Bezeichnung der „Ländlichen GestaltungsRäume“ – kurz: LGR. Auf die weitere Zusammenarbeit setzt Dirk Mittelstädt auch in Zukunft. „Ohne Goldberg als unser Zentrum wären wir heute nicht da, wo wir sind. Deshalb müssen wir alle mitnehmen“, verdeutlicht der Amtsvorsteher.

Die Probleme zeigen sich deutlich: Finanziell schlecht aufgestellte Gemeinden, kaum Fachkräfte, junge Erwachsene wandern ab, digitale Infrastruktur sowie die ärztliche Versorgung lassen zu wünschen übrig... Diesen Gebieten muss geholfen werden. Petra Schmidt-Kaden, stellv. Abteilungsleiterin im Infrastrukturministerium ist erschrocken: „24 Prozent der Bevölkerung in MV haben im Umkreis von einem Kilometer keine Infrastrukturangebote wie Arzt, Supermarkt oder Apotheke.“ Den Gästen des IHK-Forums ist dies bekannt. Das sei seit Jahrzehnten so, raunt es durch den Raum. „Vor wenigen Jahren noch war die Einteilung in Gebiete mit und ohne Entwicklungschancen. In denen ohne Chancen wurde immer mehr Infrastruktur abgebaut – siehe Südbahn“, konterte Gustav Graf von Westarp, Mitglied der Goldberger Stadtvertretung und Kreistagsmitglied. Seiner Meinung nach müsste vor allem die Südbahnstrecke wiederbelebt werden.

Begleitet werden die Modellregionen in der Zukunft nicht nur vom Land und der IHK, sondern auch von der Hochschule Wismar. Dr.-Ing. Eberhardt Blei ist Dozent im Masterfernstudiengang „Integrative Stadt-Land-Entwicklung. „Wir können viel von den Bayern lernen“, ist er sich sicher. Dem widerspricht Horst Tober, dem langjährigen Bürgermeister von Dobbertin, vehement: „Uns droht Unheil noch auf vielen anderen Gebieten. Wenn wir keine Handwerker mehr haben, wie sollen wir da von den Bayern lernen?“

Fehlende Mobilität, der Breitbandausbau läuft schleppend, Ärztemangel und, und, und. Die Baustellen sind immens. Sollen jetzt  gemeinsam angegangen werden. „Sie sind für uns die Ideengeber, und Sie haben viele. Gemeinsam müssen wir diese aber in Konzepte umsetzen“, sagt Petra Schmidt-Kaden. Der Anfang sei jetzt gemacht, nun müssen nur alle im Boot bleiben. Ziel für die Landesregierung sei vor allem, die Stabilisierung der Entwicklung in den Ländlichen Gestaltungsräumen. Bestehendes solle wieder aktiviert werden, Neues entwickelt werden. Doch vor allem eines dürfe  nicht passieren: „Es darf nicht wieder an der Rechtsaufsicht scheitern, weil wir kein Geld haben. Letztendlich fehlt uns allen genau das“, bringt es Goldbergs Bürgermeister Peer Grützmacher auf den Punkt.

Geld wird der Amtsbereich brauchen, um zukunftsfähig zu bleiben. Doch zunächst müssen Ideen her. Diese gilt es nun zu erarbeiten. „Ich werde jeden, wirklich jeden Einzelnen ansprechen, um hier mitzuwirken“, sagt Dirk Mittelstädt und gibt sich kämpferisch.

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