Domsühl : „Ich wollte immer voll sein“

Den Zehntklässlern der Eldetalschule erzählte Frank Plamp (r.) aus seinem bewegten Leben.
Den Zehntklässlern der Eldetalschule erzählte Frank Plamp (r.) aus seinem bewegten Leben.

Schonungslos schilderte Frank Plamp wie er sich in einen Strudel aus Alkoholmissbrauch und Gewalt verstrickte

svz.de von
17. Dezember 2016, 05:00 Uhr

„Es gab Zeiten, da wusste ich nicht, welchen Wochentag wir hatten oder wie viel Uhr es war“, gestand Frank Plamp. Im Domsühler Jugendclub erzählte er am Mittwoch freimütig seine Lebensgeschichte.

Der 48-Jährige war massiv alkoholabhängig. Fast die Hälfte seines Lebens saß er wegen Einbruch, Diebstahl, Körperverletzung oder Meuterei im Gefängnis. Seit mehr als sieben Jahren genießt er ein Leben als freier Mensch und hat sich mit einem Tattoo-Studio selbstständig gemacht.

Schonungslos offen und mit drastischen Worten schilderte Plamp den Zehntklässlern der Eldetalschule, wie er sich einen Strudel aus Alkoholmissbrauch und Gewalt verstrickte. Mit elf Jahren brach er erstmals in Keller ein, um für sich und seine Kumpels Alkohol zu beschaffen. „Ich wollte mich dadurch beliebt machen.“

Doch die vermeintlichen Freundschaften erwiesen sich als wenig dauerhaft sondern eher als oberflächlich und brüchig. Als notorischer Schulschwänzer wurde er – Sohn eines Parteifunktionärs und Offiziers der ehemaligen Volksarmee – dennoch immer versetzt. „Erst im Knast lernte ich richtig lesen und schreiben – mit 28 Jahren.“ Da war Plamp schon längst zum Koma-Säufer geworden. „Ich wollte immer voll sein.“ Er sträubte sich dagegen, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen und verwahrloste. Jahrelang sonnte er sich in der anerkannten Rolle einer hasserfüllten und rachsüchtigen Knastgröße. „Ich war ein Meister im Verdecken persönlicher Schwächen.“

Bücher und Zeitschriften wiesen ihm dann einen Weg aus seinem Dilemma. „Ich wollte mich durch Bildung bereichern.“ Er begann, Tagebücher zu schreiben und lernte zeichnen. Ihm sei klar geworden, dass er nur dann wirklich frei sein konnte, wenn er sich nicht mehr betrinken wollte. Mit rigoroser Abstinenz habe er sich dann an die Sonnenseite des Lebens zurückgearbeitet. „Wer nichts tut, hat auch nichts verdient.“ Frank Plamp war auf Einladung von Marianne Grimm in den Domsühler Jugendclub gekommen. Die Sozialarbeiterin („Grimmi“) genießt dort großes Vertrauen und weiß, dass nicht allein Alkohol, sondern auch Drogen, Gewalt und Mobbing im Leben von Heranwachsenden eine große Rolle spielen.

Horst Kamke


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