zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

17. Dezember 2017 | 01:35 Uhr

Goldberg : „Husemänner“ schnacken Platt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

An der Goldberger Regionalschule entdeckt der Nachwuchs dank des Landesprojektes „Schule plus“ das Niederdeutsche für sich

svz.de von
erstellt am 19.Feb.2016 | 09:02 Uhr

Wenn die Köpfe dieser beiden über den Unterlagen rauchen, kann man sich eigentlich nicht vorstellen, dass – unter anderem – etwas so Bodenständiges wie ein Plattdeutsch-Projekt dabei herauskommt. Aber wenn Gisela Hög, Leiterin der Walter-Husemann-Schule in Goldberg, und Kerstin Plaul von der RAA (Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie MV) miteinander zu tun haben, geht es um Elementares, nämlich um das Geld für Projekte. Und Geld ist nun einmal auch für die Pflege des Niederdeutschen unter den Bedingungen der Schule erforderlich. „Schule plus“, so nennt sich das Programm des Landes und der RAA, das Mittel aus dem europäischen Sozialfonds dahin befördert, wo Geld sinnvoll wirken soll, in diesem Fall an den Ganztagsschulen.

Heuer besucht Kerstin Plaul Schule-plus-Projekte vor Ort in Goldberg und wird einen prüfenden Blick auf die Ergebnisse lenken. Denn es gilt ja, bestimmte „Kompetenzen“ des Schülers zu entwickeln, so unter anderem auch die kommunikative Kompetenz. Betrifft dies auch die Kommunikation auf Platt?, mag man erstaunt fragen. Aber die Frage ist eher eine rhetorische, da auf jeden Fall auch eine Reihe anderer Kompetenzen in einem solchen Projekt entwickelt wird. Außerdem: Das Bildungsministerium will grundsätzlich die Pflege des Niederdeutschen an Schulen fördern (wir berichteten). Und Schulleiterin Gisela Hög möchte dazu beitragen, wie sie sinngemäß sagt, dass ältere Kulturtechniken wie Sütterlin und Frakturschrift, aber eben auch die niederdeutsche Sprache erhalten bleiben. Im Gegensatz zu manch anderer Schule im Kreisgebiet gibt es in Goldberg zwei Lehrkräfte bzw. Projektbegleiterinnen, die schlicht und einfach Niederdeutsch auch können: Die eine ist, wie Hög sagt, „das Naturtalent“ Bärbel Schramme, eigentlich Schulsozialarbeiterin, die andere ist Ilona Haas, für den Niederdeutsch-Unterricht ausgebildete und zertifizierte Lehrerin.

Heute am Ganztagsdienstag findet für fünf Schülerinnen der fünften Klasse Plattdeutsch bei Bärbel Schramme statt. Die „Powerfrauen“ (Schramme) sind kommunikativ schon mächtig unterwegs, allerdings nicht auf Platt. Als dann der Unterricht beginnt, wird schnell deutlich, wie viel sie schon erarbeitet haben. In dreien der Familien gibt es unter Eltern oder Großeltern auch Niederdeutsch-Sprecher. Auf Lucie, die eigentlich aus Berlin kommt, trifft dies nicht zu. Aber sie gebe die neuerworbenen Sprachkenntnisse regelmäßig an die Großmutter weiter, berichtet Bärbel Schramme. Niederdeutsch als Fremdsprache also. Die Großmutter freut’s jedenfalls, wenn ihr von der Enkelin beispielsweise ein Radel (Rätsel) aufgegeben wird: Dat wiest jeden ein anner Gesicht un hett doch gar kein. Wat is dat? Der Spiegel natürlich, ist doch klar.

Die Schülerinnen spielen eine pantomimisch lebhafte Szene um einen Indianer auf Löwenjagd vor, der Text dazu wird vorgelesen, und sie singen plattdeutsche Lieder. Alles sitzt und ein ganzes Geflecht von Kompetenzen ist somit fortentwickelt. Für das Lernen einzelner Wörter, das am Anfang der Doppelstunde auf dem Programm stand, hat sich ein Niederdeutsch-Puzzle als fruchtbare Methode erwiesen. „Wat hes du funn?“ so jedenfalls klingt eine Frage der Projektbegleiterin an die Gruppe. „Ik hev dat Swien funn“, klingt es zurück. Und des Weiteren lässt sich auch von Außenstehenden jetzt lernen, dass Puppe auf Niederdeutsch Popp heißt, Bongers sind Bonbons und eine Wöddel ist eine Karotte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen