musikstadt goldberg : „Horst“ hat Power im Gepäck

Auch im vergangenen Jahr hat Horst den Nikolausrock eröffnet.
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Auch im vergangenen Jahr hat Horst den Nikolausrock eröffnet.

Tobias Schröter, besser bekannt als Horst Power, war mit dabei, als in Goldberg die Musikszene ihren Anfang machte

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12. März 2015, 21:00 Uhr

In seinem blauen Bus tourt er durch die Region. Markantes Erkennungszeichen: Cappy, Brille und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. So kennen ihn die meisten – ihn, Tobias Schröter aus Goldberg. Oder viel mehr Horst, Horst Power. Denn das ist seit vielen Jahren sein Spitzname, sein Markenzeichen. „Seit ich 16 Jahre alt bin, werde ich Horst genannt. Als ich mich selbstständig gemacht habe, brauchte ich einen Künstlernamen und da war Horst Power gerade richtig“, erklärt er. Seitdem wird der Goldberger kaum mit seinem Namen Tobias angesprochen. Er ist einfach Horst aus Goldberg. Und wo er hinkommt, gibt es Mucke auf die Ohren.

Mit sechs Jahren hat der Goldberger angefangen, Trompete zu spielen. „Vor etlichen Jahren bin ich dann auf Tuba umgestiegen“, erzählt er. Seit 1981 gehört er zum Posaunenchor Goldberg. Musik ist sein Leben, ohne geht einfach nicht. Da verwundert es nicht, dass er dabei war, als in Goldberg die Musikszene aufgebaut wurde. Initiator war damals – 1999 – Joachim Winter, besser bekannt als „Achi“. In einer Bierrunde wurde Horst damals von Popper alias Raymund Günther angesprochen, ob er nicht Lust hätte, sich die Sache mal anzuhören. Kurze Zeit später war die erste Band von Goldberg geboren: „PAHK & MJ“, bestehend aus Popper, Achi, Horst, Kai, Markus und Jenia. Der Name ist Programm. Und der Anfang der Musikszene in Goldberg war gemacht. Viele weitere Bands würden folgen – bis heute ist das so.

Genau das zeichnet die Mildenitzstadt aus: Musik verbindet – über die Stile und Generationen hinaus. Mit der Jahrtausendwende kommt ein großer Schock auf die jungen Musiker zu: Das gesamte Equipment brannte ab. „Dabei haben wir viel Achi zu verdanken. Er hat damals das Geld vorgestreckt, damit wir neue Technik kaufen konnten“, erinnert Horst. Der 39-Jährige wirkt Ernst. Denn nur ein Jahr nach dem Millennium stirbt Achi, dem Gründer der Goldberger Musikszene. „Wir haben ihm damals das Lied ,Erinnerung‘ geschrieben.“ Bis heute wird das Lied in Gedenken an Achi Winter gespielt. Nach dem Ausstieg von Markus bekommt „PAHK & MJ“ einen neuen Namen: Nemesis. Die Bandmitglieder initiierten schließlich 2003 den ersten Nikolausrock Goldberg. Beim mittlerweile vierten geben Nemesis dann – schweren Herzens – ihren Abschied. „Wir machen aber immer noch Musik“, erzählt Horst.

Nicht nur die „Mucke“ war es, warum Horst zurück nach Mecklenburg gekommen ist. Wenige Jahre war er anderweitig unterwegs. Die Musik aber immer im Herzen. „Ich habe Koch gelernt und war bei der Bundeswehr.“ Während seiner Bundeswehrzeit in Neumünster, in Schleswig-Holstein, studiert Horst Systemgastronomie. Die Grundpfeiler für seine spätere Selbstständigkeit unter dem Künstlernamen „Horst Power“ werden hier gesetzt. „Während meiner Bundeswehrzeit habe ich unter anderem im Kanzleramt für den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder gekocht. Das war sensationell“, sagt er und lächelt verschmitzt. „Doch irgendwann hatte ich die Schnauze voll vom Schichtsystem.“ Und Horst kehrt zurück nach Goldberg, „weil hier meine Heimat ist, hier ist mein Zuhause, hier ist meine Mucke.“

Mittlerweile gehören die Veranstaltungen – Amts- und Nikolausrock – zum festen Veranstaltungsplan von Goldberg. Doch leicht ist das nicht immer gewesen. „Uns wurden oft Steine in den Weg gelegt. Wir wollen nur Musik machen, mehr nicht“, sagt Horst eindringlich. Noch immer organisieren die Bands in Goldberg ihre Auftritte selbst – auch finanziell. „Wir helfen uns gegenseitig. Wir sind eine große Musikerfamilie“, verdeutlicht er. Geprobt und gerockt wird mittlerweile in der ehemaligen Burg von Goldberg. „Wir sind Gustav sehr dankbar für seine Unterstützung“, sagt Horst stellvertretend für alle Bands. Doch eines würde sich der Goldberger Jung noch wünschen: „Ich würde mir wünschen, dass wir ein kleines bisschen mehr an Unterstützung bekommen könnten. Das, was wir machen, ist harte Arbeit. Vielleicht springt ja mal einer mehr über seinen Schatten.“ Denn Horst und all die anderen Bandmitglieder wollen nur eines: Musik machen. „Mein Herz schlägt für Goldberg. Das wird immer so sein“, sagt Horst alias Tobias. Der bestimmt schon wieder in seinem blauen Bus durch die Region tourt – mit Power und Musik im Gepäck.

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