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Tag der offenen Töpferei : Hommage an den Ton in Künstlerateliers

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Drei Keramiker aus der Region stellten zum bundesweiten 12. Tag der offenen Töpferei in Plau am See und Techentin ihre Produkte vor

svz.de von
erstellt am 12.Mär.2017 | 21:00 Uhr

„Der Termin ist eigentlich sehr früh im Jahr“, sagt Susanne König, während sie gleichzeitig Fayencefarben anrührt. Die Touristen aus Berlin und Hamburg, wichtige Laufkundschaft, kommen im Grunde erst ab Ostern nach Plau. Trotzdem hat die Keramikerin sich wieder auf den „Tag der offenen Töpferei“ an diesem zweiten Wochenende im März vorbereitet.

Auf einem Tisch wartet eine ganze Armada Rohlinge darauf, dass Besucher in den Laden strömen, angelockt vom Blick durch’s Schaufenster in ihr wundersam buntes Fliesenland. Und es dauert nicht lange, da überschreitet eine ganze Gruppe „Freundinnen“, wie sie sich nennen, die Ladenschwelle. Die Frauen aus Rheinsberg in Brandenburg, die wohl nur mal gucken wollten, beraten kurz, dann sitzen sie am Arbeitstisch und dekorieren weiß glasierte Becher mit bunten Mustern. Versuche.

Susanne König bietet neben Fliesen und Kacheln auch jene dekorative Gebrauchskeramik an, die man auf Tour durch die Läden und Werkstätten der Region erwartet anzutreffen: Vasen, Krüge, Becher, Wandlampen, Kerzenständer füllen ein Großteil ihrer Regale und oberhalb des sprudelnden Ladenbrünnleins hockt sogar ein ganz gegenständlicher Riesenfrosch aus Ton, ein singuläres Stück. Ihre Lieblingsarbeiten aber, sagt König, gelten Fliesenmosaiken und dem Bau von Ofenbänken – Beispiele für die organisch weich gerundeten Sitzgelegenheiten kann man in Katalogen nachblättern. Schautafeln, auf denen bunte Fliesen zu einer einzigen motivischen Gesamtkompositionen arrangiert sind, finden sich hingegen mehrfach in diesem Ladengeschäft mit Werkstatt. Neu sind Mustertafeln, die farblich gedeckte, kleinere Fliesen präsentieren, jede ein Unikat dank Handarbeit. Überraschend sind die Holzfliesen gleicher Größe, die König hier und da eingefügt hat. Einem neuen Trend mögen auch jene Fliesen entsprechen, die eine metallisch glänzende Oberfläche erhalten haben, sie bilden ebenfalls nur punktuelle Akzente. Innovativ muss die studierte Keramikerin mit Kundschaft aus den Metropolen jedenfalls sein, den sich wandelnden Zeitgeschmack aufnehmen.

Und weiter geht’s. Es stehen noch zwei Ton-Künstler aus dieser Region auf dem Programm, Ute Dreist und Wolfgang de Vries. Jetzt führt die Tour aufs Land. Zu Techentin gehört das Dreiseit-Ensemble in Einzellage der Töpferin, die sich ein Gebäude und die Brennwerkstatt mit ihrem Kollegen de Vries teilt. Auch hier sind längst Besucher unterwegs, unter ihnen überraschend das Ehepaar Spillner. Hohes Lob spendet der Foto-Künstler der „Scheibentöpferin“: „Was gibt es doch für starke, wunderbare Frauen!“ Es ist der Umgang mit der Materie Ton, die Arbeit im „zweitältesten Handwerk der Welt“, die Ute Dreist einmal inspiriert hat, und die Faszination hält an. Nein, sie wollte nie Kunst im herkömmlichen Sinn machen. Sie liebt Geschirr, also den Gebrauchsgegenstand. Auf den Kunstbegriff hin befragt, reagieren de Vries und Dreist ziemlich cool. „Ein großes philosophisches Thema. Was ist Kunst?“, fragen sie. De Vries, der viel in japanischer Raku-Technik arbeitet, weiß, dass es die Trennung, die das Kunsthandwerk gegenüber der Kunst durchaus abwertet, in Japan beispielsweise so nicht gibt. Ein ästhetisch hochwertiges Teegeschirr gelte dort ohne Abstriche als Kunst, sagt er.

Wie auch immer. Das elementare Material Ton zeitigt unter Töpferhänden individuell gefertigte, schöne Dinge, alltägliche Begleiter mit dem Potential, Lieblingsstücke zu werden. Und würden sie auch nur als Solitär in unsere Wohnumgebung integriert, so hätten sie dort große Wirkung. Ganz anders als das genormte, massenhaft gefertigte Industrieprodukt.


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