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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

21. August 2017 | 01:12 Uhr

Gesundheit : Hoffnung im Kampf gegen MS

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Neue Medikamente auch bei achtem Multiple Sklerose-Tag in Plau im Mittelpunkt / Interessenten bis aus Berlin angereist

Multiple Sklerose (kurz MS), nach Schlaganfall die zweithäufigste neurologische Erkrankung in Deutschland besonders bei jungen Erwachsenen, umfasst eine Entzündung der die Nerven einhüllenden Isolierschicht, die dadurch zerstört wird. Vor allem, weil die Beschädigung nicht weh tut und weil es sehr viele Nerven gibt, bleibt die unvorhersehbare und in Schüben auftretende Krankheit oft lange unerkannt, bis fast alles zu spät ist und der Betroffene zum Beispiel keinen Arm oder keinen Fuß mehr anheben kann. Durch die verhärteten Narben (in der Fachsprache Sklerose) sind die Nervenbahnen zwischen den Körperteilen zunehmend gestört. Schlechter werden darüber hinaus öfter auch Konzentration und die Funktion der Blase.

Dr. Dr. Katharina Bohr, Oberärztin im Plauer Reha-Zentrum, widmet sich dieser Krankheit in ihrer Arbeit seit vielen Jahren und rief unter anderem auch den „Plauer MS-Tag“ mit ins Leben, der am Sonnabend bereits zum 8. Mal stattfand. Knapp 70 Zuhörer kamen – Betroffene, Angehörige, Therapeuten und Ärzte. Anfangs war es nur rund ein Zehntel. Seit Jahren steigt die Zahl der Interessierten ständig an, die jetzt bis aus Hamburg und Berlin anreisten.

Im Mittelpunkt stand neben breit gefächerten Informationen über den Umgang mit der Krankheit vor allem in psychischer Hinsicht auch diesmal die Entwicklung neuer Medikamente gegen MS. Gegenüber der Situation noch vor etwa zehn Jahren habe man mittlerweile fast „die Qual der Wahl“, doch auch bei den drei neuen, in den vergangenen Monaten neu zugelassenen Präparaten dürfe man niemals die Nebenwirkungen – besonders etwa auch in der Schwangerschaft – außer acht lassen, sagte Prof. Dr. Tobias Böttcher, Chefarzt der Neurologie im Klinikum Neubrandenburg. Schubraten ließen sich durch sie um bis zu 50 Prozent reduzieren, aber gerade zu Beginn komme es bei bis zu einem Drittel der Patienten zu unerwünschten Belastungen, die man zum Beispiel von der Behandlung der Schuppenflechte kennt. „Hohe Wirksamkeit gibt es nicht geschenkt. Es ist wichtig, dies offen mit dem Patienten zu besprechen“, so der Mediziner.

Welches Medikament ein Arzt verordnet, müsse er von den persönlichen Umständen des von MS Betroffenen abhängig machen. Auch darin stimmt der Professor mit Dr. Matthias Freidel von der MS-Schwerpunktpraxis Kaltenkirchen, dem anderen Referenten, überein. Zwar sei die weit verbreitete Meinung, dass Multiple Sklerose automatisch zum Rollstuhl führt, „Quatsch“, aber wenn ein dem Arzt gegenüber Sitzender die Diagnose MS gesagt bekommt, könne man davon ausgehen, dass die meisten erst einmal schockiert sind. Diesem Gefühl folgten oft die Ängste von Schwäche, Kontroll- und Selbstwertverlust, beruflichem Versagen sowie anderen zur Last zu fallen und abhängig zu werden. „Eine Reaktion ist irgendwann oft Abwehr, die noch immer unheilbare Erkrankung nicht wahrhaben zu wollen, bis sich die Wahrheit ins Gegenteil verkehrt. Das geht irgendwann schief“, so Dr. Freidel. Positiv sei, kooperativ mit der Krankheit umzugehen, sie zu akzeptieren, realistisch zu sein und gut mit dem eigenen Körper umzugehen. Erstaunlich sei das Ergebnis einer Untersuchung, derzufolge sich nahezu alle MS-Patienten zumindest vorübergehend nicht an die Einnahme der ihnen verschriebenen Medikamente halten. Deshalb sei es wichtig, dass der Betroffene von der Einnahme selbst überzeugt und sie nicht übergestülpt sei.

Für Dr. Bohr steht eine Erkenntnis über allem: „Die Krankheit wird immer früher erkannt und das ist die Chance.“

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erstellt am 22.Jun.2014 | 22:00 Uhr

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