projektvorhaben „Neue dorfmitte“ : Hoffnung für Vietlübbes Tafelsilber

1885 gebaut war die inzwischen leerstehende Kita lange Zeit Dorfschule.Nun sollen hier Schulungsräume, ein Café, ein Bouleplatz … entstehen
1 von 2
1885 gebaut war die inzwischen leerstehende Kita lange Zeit Dorfschule.Nun sollen hier Schulungsräume, ein Café, ein Bouleplatz … entstehen Fotos: Simone Herbst

Paar kauft den seit zwei Jahren leerstehenden Kindergarten und will ihn zur „Neuen Dorfmitte“ mit vielfältigem Leben umgestalten.

von
04. März 2016, 21:00 Uhr

Vietlübbe Förderung über das Projekt  „Neue Dorfmitte“  für  sein Vorhaben  zu bekommen – der Vietlübber  Norbert Arning ist  ehrlich. Er  hatte   sehr gehofft, mit seinem  Konzept, das er um den ehemaligen Kindergarten in Vietlübbe „gestrickt“ hatte, beim zuständigen Ministerium in Schwerin offene Türen einzulaufen. Dorfladen, Café und Spieleraum, Dorfkino, Seminar- und Vortragsraum, Lehrergarten, Bouleplatz, Photovoltaikdemonstrationsanlage, Regenwassernutzung/neuartiges Sanitärsystems.  „Ich fand das Konzept grandios. Schwerin hat  dennoch abgelehnt“, ärgert sich  der Vietlübber. Vielleicht war  er für den Projektzeitraum zu spät dran, vielleicht auch nicht speziell genug. Denn auf alle  Fälle  zielt die  „Neue Dorfmitte in M-V“  laut Projektbeschreibung in erster Linie auf die Stärkung  örtlicher Nahrungs- und Dienstleistungsangebote.  Was Arning für zu kurz gesehen und an der Realität vorbei findet:  „Der alte Dorfkonsum  von Vietlübbe hat   doch nicht umsonst  dichtgemacht. Die Leute  fahren  zum Einkaufen in die nahen Städte. Da  bleibt  zu wenig Kaufpotenzial für einen kleinen Laden im Ort.“

Im Herbst  vergangenen  Jahres   hatten er und seine Frau das Kita-Gebäude samt Grundstück gekauft. Knapp zwei Jahre hatte es da bereits  leergestanden, werden die  Kinder aus dem Einzugsbereich, die  einfach zu wenig geworden waren,  seither  vom  Kindergarten in Kreien aufgefangen. Arning,  der eigentlich ein Gegner davon  ist, dass die Gemeinden  mangels   stabilerer Finanzausstattung  ihr „Tafelsilber verkaufen müssen“,  wollte nicht  tatenlos zusehen, wie der denkmalgeschützte Backsteinbau, der   1885   errichtet worden  und lange  Dorfschule war,  über die Jahre womöglich zur Ruine verkommt.   Verkaufsbemühungen der Gemeinde, in die   sich Norbert Arning   oft als überzeugter Lobpreiser der  Hauses  eingebracht hatte, waren   ein ums andere Mal gescheitert. „,Da  wäre einfach  zuviel dran zu machen‘, haben die Leute moniert.“

Und so ganz unrecht haben  die Interessenten, die kamen und wieder gingen, damit auch nicht. Dennoch  wollen Arning und seine Frau   Sanierung und Umbau  des Kindergartens in den kommenden Monaten angehen.  Ohne Förderung.  Ihre Idee: Schulungen, Seminare und Vorträge  für die Bereiche Natur- und Umweltschutz anbieten.   Dazu müssen die Räume umgestaltet, eine neue Küche  installiert, der Sanitärbereich erneuert und  das Dachgeschoss  für Übernachtungsmöglichkeiten hergerichtet werden. Und natürlich  muss eine Ausstattung her. „Die Bausubstanz selbst  ist völlig intakt,  ebenso Heizung und Elektroanlage und die Fenster  sind  fast  neu“,    weiß Norbert Arning  um die Solidität der Immobilie. Als zweites Standbein soll   wahrscheinlich ein kleines Café integriert werden, über das  der Vietlübber  auch  Frischeprodukte  anbieten möchte.  Zunächst einmal im Selbstversuch. Auch  am Kino aus dem ursprünglichen Konzept  möchte er festhalten. Und am Bouleplatz. Die Kugelsportart ist zwar eigentlich  in Frankreich zuhause, doch auch in der Region, etwa in Wendisch Priborn, hat  sie längst  begeisterte Anhänger gefunden.

Dass der Traum  von  Fördergeldern für Vietlübbes neue Dorfmitte geplatzt  ist, bleibt für Arning  ärgerlich.  Doch werden  er und seine Frau nun  eigene Mittel  einsetzten.   „Weil  wir das  schöne  Haus erhalten  und  versuchen möchten,  hier in Vietlübbe das Leben   wieder anzukurbeln.“

Die Gemeinde indes ist froh. „Das  Gebäude bleibt erhalten  und   wird  wieder einer sinnvollen  Nutzung  zugeführt“, sagt Bürgermeisterin Hanni Stolper. „Und was  Herr Arning und seine Frau  bisher angefasst haben, ist immer gut  geworden.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen