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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

22. August 2017 | 03:42 Uhr

Einzigartig : Hinter der Schwelle wacht der Golem

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Das Lehmmuseum in Gnevsdorf ist seit 15 Jahren Geheimtipp in der Branche.

Anderthalb, zwei Stunden Lehmmuseum Gnevsdorf? Gar kein Problem. Marita Kiehnscherf weiß so vieles zu berichten, so interessant zu erzählen. Zusammen mit Marina Stolte betreut sie den historischen Ort in der früheren Stallanlage, zu dem einstmals auch die benachbarte Hofanlage gehörte. Sechs Tage die Woche in der Saison (Mai bis September) 10 bis 17 Uhr trifft man die Frauen hier. Nur montags nicht – da ist zu.

Obwohl nach der Fusion Buchbergs mit Ganzlin das Museum künftig vielleicht wieder schwerer zu finden sein wird – es hatte Ewigkeiten gedauert, bis moderne Navis Buchberg ausfindig machen konnten – können die Frauen in guten Jahren dennoch 1500, 1600 Besucher begrüßen. Die erfahren von den Anfängen des Museums 1992, als die Gemeinde das marode Seemannhaus (Name der Erbauerfamilie) übernahm und dank Förderung ca. 150 000 Euro in dessen Rekonstruktion gesteckt werden konnten. Sie erfahren, dass sich das Museum seit seiner Eröffnung im Juli 1999 in der Branche immer mehr zu einem Geheimtipp entwickelt hat. Gestandene Lehmbauer kommen gern hierher, um mehr noch über den Ursprung ihrer Handwerkskunst zu erfahren, für Absolventen der Europäischen Bildungsstätte für Lehmbau im benachbarten Wangelin, die wie das Museum unter dem Dach des FAL e.V. arbeitet, ist die Stippvisite längst wie ein Ritual. Und schließlich sind da die vielen Urlauber, die sich dem Charme alter Zeiten nicht entziehen können.

Der Charme umfängt den Gast, sobald er die hohe Steinschwelle übertritt. Denn natürlich ist im Gnevsdorfer Museum vieles aus Lehm. Die Innenwände sowieso, weil der Ursprung nahezu wiederhergestellt worden ist. Aber hier gibt es auch einen Kamin in der Ausstellung, Böden, die teilweise aus Lehm sind… „Na klar, in der Zeit als dieses Gebäude errichtet worden ist, und das war 1876, bauten die Leute eben mit allem, was auf dem Feld wuchs“, sagt Marita Kiehnscherf salopp. Also vor allem mit Stroh, Steinen und Lehm. Was in erster Linie eine Kostenfrage gewesen sei. Dann aber auch eine Frage der Beschaffung. Daneben habe der Baustoff Lehm für die Leute damals Vorteile mit sich gebracht, die heute oft nur technisch hoher Aufwand erreicht. „Lehm“, ist Marita Kiehnscherf ganz in ihrem Element, „speichert Wärme, was sommers wir winters von enormem Vorteil ist, Lehm brennt nicht, kann Wasserdampf aufnehmen und wieder abgeben, sorgt daher für ein ausgewogenes Raumklima. Lehm ist ideal für Allergiker und er lässt Holzwürmern keinen Chance…“ „Wissen Sie, oft kommen Leute zu uns, die sich ganz vorsichtig mit dem Gedanken tragen, selbst ein Lehmhaus zu bauen“, wirft Marina Stolte ein. „Wenn wir mit ihnen fertig sind, dann haben sie in aller Regel keinen Zweifeln mehr, dann wollen sie bauen. Am liebsten sofort.“

Woher diese Motivation kommt? Ganz einfach: Auch fachlich bietet das Museum, das nicht nur das einzige seiner Art in Deutschland, sondern wahrscheinlich in ganz Europa ist und vor allem als Marketingprojekt der Lehm- und Backsteinstraße im Feriengebiet westlich der Mecklenburgischen Großseenlandschaft bekannt wurde. Angefangen bei der Entstehung des Lehms, über die verschiedensten Prüfverfahren betreffs Eignung, unterschiedlichste Bauweise, Baubeschreibungen, Lehmputze, Bauen nach dem Krieg und heute. Selbst Tieren, die mit Lehm beeindruckende Bauwerke errichten, begegnet man hier. Beeindruckend selbst für den Laien sind auch die unterschiedlichsten Lehme, die Farben, in denen sie daherkommen und nicht zuletzt Ausstellungsstücke. Das am weitesten Gereiste kommt übrigens aus Finnland.

„Und“, schmunzelt Marita Kiehnscherf, „wir erzählen Ihnen auch, was Frühjahrsputz und Käsefüße mit Lehmbau zu tun haben. Also besuchen Sie uns doch mal.“ Simone Herbst

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erstellt am 23.Jun.2014 | 22:00 Uhr

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