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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

19. November 2017 | 22:49 Uhr

Lübz : Himmelsmaler und Wolkenkucker

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Julia Theek kann aufatmen: Die Bauarbeiten am „Lübzer Kunstspeicher“ sind beendet, die dritte Saison beginnt. Zum Auftakt fand jetzt ein Künstlergespräch mit Liane Käs statt.

Lübz | „Wir gehen in die dritte Saison. Der letzte Bauabschnitt ist beendet.“ Eine kurze Feststellung am Ende eines langen Wegs. Julia Theek, künstlerische Leiterin des Lübzer Kunstspeichers, läuft an diesem Nachmittag in eine bedeutende Zielgerade ein: Seit mehr oder weniger gerade eben funktionieren auch schnelles Internet und der Strom im Haus in der Bergstraße, die ersten Autos mit Berliner Kennzeichen landen am Ziegenmarkt an, Liane Käs, Malerin und erste Kursleiterin dieser Saison, steckt allerdings noch im Stau.

Magistra Julia Theek raschelt mit dem Einwickelpapier eines Kranzkuchens. Eine kurze Pausenmahlzeit. Zwischendurch empfängt sie die eintröpfelnden Kursteilnehmer. Sieben haben sich angesagt, darunter der international gefragte Berliner Ingenieur Wolfgang Priedemann. Er will malen und er will sich mit der Natur beschäftigen. „Schon als Kind,“ berichtet er, „habe ich mich der Natur während langer Waldläufe sehr nahe gefühlt.“ Das Laufen hat er beibehalten und als der technisch Verantwortliche bei der Errichtung von Hochhausfassaden in aller Welt hat er schon immer Berührung mit der Architektur, dem Gestalterischen gehabt. Jetzt hat der selbstständige Ingenieur seinen hochkarätigen Job reduziert, um sich der Natur mit Pinsel und Farbe zu nähern.

Bis zum Beginn der geplanten Einführung in das Werk der Malerin Liane Käs geht noch was, ist noch Zeit, um über den Hof zu bummeln. Es lohnt sich, denn bei jedem Besuch zeigt das Areal ein neues Gesicht. Heute überrascht eine Art Fundstücke-Zaun an der Grenze zum Nachbargrundstück. Theek hat ihn zusammen mit dem Fotografen und Kursleiter Andre van Uehm „collagiert“. Rechterhand schwingt sich seit einiger Zeit eine ausladende Metalltreppe zum ersten Stock des mit Holz verblendeten ehemaligen Bäckerhauses am Beginn der Bergstraße hinauf. „Aus Brandschutzgründen musste die Treppe angebaut werden“, sagt Angela Kaiser, Potsdamer Designerin, die das Lübzer Projekt fast von Anfang an begleitet hat. Auch sie hat hier noch bis zuletzt gewerkelt. Wer jetzt am Ladenlokal der ehemaligen Bäckerei Vomacker durch die großen Scheiben blickt, darf nicht nur einen großen, soliden Bücherschrank bewundern, sondern auch Richtung Decke in einen „Kaiserhimmel“ gucken. Angela Kaiser hat ihn gemalt, sie ist mittlerweile auf Himmelmalerei sogar spezialisiert.

Im Grunde aber treffen hier und heute sogar zwei Himmels-, eigentlich Wolkenmalerinnen zusammen. Wolken nämlich spielen auch auf sehr vielen Bildern von Liane Käs eine herausragende Rolle. Auf Kaisers Himmeln spazieren zarte Wölkchen und Wölkchenformationen über makelloses Blau. Ihre Malerei ist plakativ, poppig und, hier am Ort jedenfalls, Zimmerschmuck. Käs’ Himmel dagegen spannen sich auf der Leinwand und dort meist über dem Meer: Wolken zusammengeballt, Wolken sich verflüchtigend im Dunst, schwarze Wolkenwände und glühende Nebelstreifen. Liane Käs handhabt das komplette Programm der Himmelsdramatik und das in erstaunlicher malerischer Feinheit und Transparenz.

Als sich Kursteilnehmer und Dozentin schließlich vor der Projektionswand versammeln und das zuletzt fertig gestellte Himmel-Meer-Bild der Malerin betrachten, betont Hausherrin Theek die technische Brillanz der Bilder von Liane Käs. Feinheit und Transparenz scheinen umso erstaunlicher zu sein, als es sich um Ölbilder handelt. Wie aber kann man in Öl so fein malen, dass das reine Gegenbild zum geschmähten Ölschinken dabei herauskommt? „Weil ich Aquarell malen kann“, sagt Liane Käs spontan, dann ergänzt sie: „Ich habe mit Öl begonnen, nach zehn Jahren aber wurde mir die Ölmalerei zu plakativ.“ Dann lernte sie, Aquarelle zu malen und profitierte davon wiederum für die Ölmalerei. Allerdings trägt sie die Ölfarbe auch nicht so auf, wie sie aus der Tube quillt. Käs stellt - auch für ihre „Malschüler“ - Lasuren her, das heißt, sie mischt Ölfarbe mit Harzen und Verdünner.

Der Lübzer Kurs wird vier Tage dauern, dann wird man die Bilder der Teilnehmer betrachten können. Man darf gespannt sein.










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