Parkinson-Betroffene treffen sich in Reha-Klinik : Hilfe in Plau, wenn Zellen sterben

Arbeiten eng zusammen: Dr. Günther Freier, Chefarzt der Abteilung Neurologie und Frührehabilitation Phase C des Mediclin Reha-Zentrums Plau am See (l.),  und  Karin Glause, seit fünf Jahren Landesbeauftragte der Deutschen Parkinson-Vereinigung Fotos: Ilja Baatz
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Arbeiten eng zusammen: Dr. Günther Freier, Chefarzt der Abteilung Neurologie und Frührehabilitation Phase C des Mediclin Reha-Zentrums Plau am See (l.), und Karin Glause, seit fünf Jahren Landesbeauftragte der Deutschen Parkinson-Vereinigung Fotos: Ilja Baatz

Am Sonnabend trafen sich zum 16. Mal Parkinson-Betroffene und ihre Angehörigen in der Plauer Reha-Klinik. Das Motto lautete in diesem Jahr "Orthopädie und Morbus Parkinson".

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26. Mai 2013, 06:36 Uhr

Plau Am See | Dr. Günther Freier, seit Eröffnung des Mediclin Reha-Zentrums Plau am See Chefarzt der Abteilung Neurologie und Frührehabilitation Phase C, hat die Behandlung von Parkinson-Patienten als Schwerpunkt in dem 1994 errichteten Haus aufgebaut. Parkinson ist eine durch das Absterben von bestimmten Nervenzellen im Gehirn verursachte Bewegungsstörung. Die Muskulatur arbeitet dann nicht mehr, wie sie es bei einem gesunden Menschen tut. "Dadurch entsteht eine gewisse Steifigkeit und bei einigen ein Zittern, auch Tremor genannt", sagt Karin Glause, seit fünf Jahren Landesbeauftragte der Deutschen Parkinson-Vereinigung.

Auch sie kam am Sonnabend nach Plau am See, wo sich zum 16. Mal von der Krankheit Betroffene und ihre Angehörigen in der Reha-Klinik trafen - gut 120 aus ganz Mecklenburg. Das stets wechselnde Motto lautete in diesem Jahr "Orthopädie und Morbus Parkinson". Als Referent zu Gast war unter anderem Dr. Uwe Jahnke, Chefarzt der Schönklinik in Neustadt/Holstein, der über die Prophylaxe orthopädischer Schäden bei Parkinson informierte.

"Eine wichtige Erkenntnis dieses Treffens ist, dass ich eine Gelenkversteifung hinauszögern kann, wenn ich durch eine Operation wieder etwas beweglicher bin", so Karin Glause. Fatal wirke sich aus, wenn die Krankheit verkannt werde, was in der Vergangenheit schon oft geschehen sei: "Deshalb umso besser, wenn sich hoch qualifizierte Fachleute wie Dr. Freier diesem Bereich anhaltend widmen und die Leitung in die Hand nehmen - in dieser Kontinuität eine große Seltenheit."

Niemand denke im Alltag an alles. Wenn ein Arzt eine beginnende Parkinson-Erkrankung als haltungs-/berufsbedingte Schulter-Nacken-Steifigkeit etwa durch Bürotätigkeit falsch diagnostiziere, könne sich der Zustand durch die dann allein verordnete Physiotherapie nicht verbessern. Sie wirke nur unterstützend, den Hauptanteil übernehmen Medikamente. Trotz deren stetiger Verbesserung in den vergangenen Jahren sei Morbus Parkinson - eine fortschreitende Krankheit - allerdings noch immer nicht zu heilen. Betroffen seien in der Regel ältere Menschen ab dem 50. Lebensjahr. Diverse Studien lieferten keinen einheitlichen Beweis, ob sich Parkinson auf die Hirntätigkeit auswirkt oder nicht. "Unabhängig davon gibt es nicht nur bei den Medikamenten, sondern auch bei der Physiotherapie immer wieder neue Erkenntnisse, die weiterhelfen, die auf den Patienten besser wirken", sagt Karin Glause. "Außerdem spielen zum Beispiel Logo- und Ergotherapie eine immer größere Rolle." Fairerweise müsse man sagen, dass nicht jeder Hausarzt Parkinson erkenne, weil er oft nur selten mit diesem Krankheitsbild konfrontiert werde. Bei einem Tremor komme der Gedanke an die richtige Diagnose schneller auf. Landesweit gibt es insgesamt drei Parkinson-Patiententage, alle mit dem gleichen Thema. Der nächste findet am 22. Juni in Ueckermünde, der dritte am 5. Oktober in Feldberg statt.

Am 16. September 1994 beschäftigte sich Dr. Freier mit dem ersten Patienten in Plau am See. "Mit der Deutschen Parkinson-Vereinigung pflegen wir von Anfang an eine enge Kooperation", sagt er. Schätzungen zufolge gibt es bundesweit rund 250 000 Betroffene, die Dunkelziffer liege jedoch vermutlich deutlich höher. Der Chefarzt: "Der Bevölkerungsentwicklung entsprechend nimmt die Anzahl immer weiter zu."

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