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Besuchermagnet : Hier pulsiert das Leben, atmet die Erde

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Herbstmarkt zum „Tag der Region“ im Wangeliner Garten

von
erstellt am 06.Okt.2014 | 22:00 Uhr

Bei Kaiserwetter haben sich die Organisatoren nicht nur über die goldene Oktobersonne freuen können, sondern auch über eine Publikumsresonanz, die das Projekt Wangeliner Garten in „bestem Licht“ erscheinen ließ. „Schon um fünfzehn Uhr haben wir einhundertundfünfzig Eintrittskarten nur für die Gartenbesichtigung verkauft“, erzählt Thomas Gluschke, dessen fröhlich-bunter Holzstand heute von Keramikerin Martina Schlefske mitbetreut wird, freut sich beim Anblick der vielen Striche, mit denen er jede verkaufte Karte vermerkt hat. Und die Liste beziffert ja nur die zahlenden Besucher von Mecklenburgs größtem Kräutergarten. Das Areal an sich besuchten an diesem Tag mindestens doppelt so viele Menschen.

Diese schlendern über das weitläufige Gelände des FAL oder rasten zwischen den Ständen der dort wirkenden und werkenden Unternehmen. Hier stehen die Tische und Bänke für die Bewirtung. Klaus Hirrich, Pionier und Vorsitzender des Vereins, brät persönlich Pilzplätzchen und Kartoffelpuffer. Dazu gibt’s wohlschmeckende Dips.

Am Nachmittag wird auf der Festwiese auch noch ein Puppentheater spielen. Die Stände, Fenster ins innere Getriebe der Werkstätten, präsentieren Holzarbeiten, Keramik und edle Säfte. Im Zentrum des Angebots stehen naturgemäß Pflanzen vielfältiger Art, deren Namen gelegentlich eine Gedichtzeile füllen könnten: Lerchensporn, Pimpinelle, Kerzenknöterich oder etwa – eine wohl eher zeitgenössische Erfindung – Fallschirmrudbeckia. Neben den auf Wangelin gezogenen Pflänzchen und Pflanzen bietet auch Michael Hoffmann von „Primula veris“ aus Schloen ein florales Sortiment an. Schmunzelnd bezeichnet er sich als „Wangeliner Sympathisanten“. Er ist schon im achten Jahr beim Herbstmarkt und findet es wichtig, „die Kultur auf dem Land zu stärken, auch um der Landflucht entgegenzuwirken.“

Die Wangeliner Unternehmer sind wohl in mehrfachem Sinn Vordenker und ganz gewiss Idealisten. Die Wangeliner Besucher dürften zumindest eines sein: Naturfreunde. So entspinnen sich an diesem Tag immer wieder Gespräche über die Eigenheiten der Pflanzen, diese oder jene, gute oder auch weniger gute. Das Jakobskreuzkraut zum Beispiel ist beharrlich Thema zwischen zwei Besuchern. Besiedelt es massenhaft Pferdewiesen wird das gifthaltige Kräutlein zum Problem der Tiere. Was also tun?

Die eigentlichen Wangeliner Biographien allerdings sprechen nicht nur vom Streben nach Einklang mit der Natur, sondern auch vom Wunsch nach Einklang mit sich selbst. Die Keramikerin Martina Schlefske, Mitglied im Verein „Wangeliner Garten“ und im dritten Jahr vor Ort, mag hierfür ein Beispiel sein. „Wangelin hat etwas Besonderes“, sagt sie. An diesem Ort sei vieles in Bewegung, was daher auch zur inneren Bewegung und zur Bewusstseinsbildung beitrage, so Schlefske sinngemäß. „Ich merke, dass ich mich entwickle. Ich komme zu mir.“ Auch die Töpferin zählt zu jenen, vielleicht viel zu wenigen, die „das Leben ausfüllt, auch ohne größeren materiellen Besitz.“

Dies dürfte auch für den Wangeliner Urintiator und - inspirator Klaus Hirrich gelten, der ein Häuflein Lehm-Fans an diesem Nachmittag in die Wangeliner Welt des Lehmbaus einführt und Erstaunliches zu berichten und zu zeigen weiß. Die innige Verbindung zu Mutter Erde mittels des Lehmbaustoffs spürt man sogleich, betritt man zum Beispiel den fast fertig gestellten Bau des neuen achteckigen Eingangsgebäudes. Die Atmosphäre regt zu poetisch angehauchtem Jubel an: Hier pulst das Leben, atmet die Erde. Die lehmverputzten Wände schmücken Gravuren und ein umlaufender farbiger Fries. An den Außenwänden probierten Teilnehmer der hier regelmäßig durchgeführten Kurse dekorative Schmuckmotive aus, ein stilisierter Schmetterling etwa wurde in einer speziellen Freskotechnik aufgetragen. Die Kurse sind international nachgefragt, berichtet Hirrich. Und zur Unterbringung der Handwerker und sonstigen Kursteilnehmer soll künftig nicht mehr allein die bunte Bauwagenburg dienen, sondern eine Reihe schneeweißer Strohballenhäuser. Das also ist das Geheimnis der ungewöhnlichen, von der Straße aus sichtbaren, aneinandergebauten kleinen Gewölbehäuser und des riesigen Zeltdachs daneben: Dieses diente dem Schutz der Strohballen vor Regen, jene sind kleine Appartements, ein Zimmer, Bad. Und selbstverständlich ist wieder auch Lehm verbaut, Lehm, der überall zu finden ist, man muss nur graben.









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