Lübz : Herzensangelegenheit für Reifenspezialist

Uwe Mülot (M.) im Gespräch mit den Marokkanischen Gästen  sowie   den deutschen Partnern des Projektes.
Uwe Mülot (M.) im Gespräch mit den Marokkanischen Gästen sowie den deutschen Partnern des Projektes.

Unternehmen Mülot empfing jetzt eine Delegation aus Marokko. Ziel künftiger Zusammenarbeit soll sein, in dem nordafrikanischen Land eine Möglichkeit zu schaffen, Mechaniker für Reifen- und Vulkanisationstechnik auszubilden

svz.de von
05. Dezember 2013, 12:00 Uhr

Uwe Mülot als Lübzer Spezialist für runderneuerte Reifen setzt sein Engagement im Rahmen seines Public-Private-Partnership-Projekts fort. Das Projekt wird von der Entwicklungshilfe des Bundes gefördert sowie vom Schweriner Wirtschaftsministerium und der Industrie- und Handelskammer unterstützt.

In der vergangenen Woche hatte Mülot in seinem Betrieb in der Marienstraße eine hochkarätige Delegation aus Marokko zu Gast. Das ehrgeizige Ziel: In dem nordafrikanischen Land soll eines Tages zum Mechaniker für Reifen- und Vulkanisationstechnik ausgebildet werden. „Das ist mir eine Herzensangelegenheit.“

Mülot weiß aus eigener Anschauung, „dass Neureifen meist bis zum Geht-nicht-mehr abgefahren und dann in die Landschaft entsorgt werden“. Derartige Erfahrungen hatte er bereits in Jordanien, Syrien und Ägypten gemacht (SVZ berichtete). Der Bedarf an Reifen in Marokko scheint immens: „Allein in der Vier-Millionen-Stadt Casablanca residiert ein Busunternehmen mit mehr als 800 Fahrzeugen.“ Das Verkehrsaufkommen sei enorm, die Zahl der Unfälle hoch. Mülot schätzt, dass in Marokko im Straßenverkehr jährlich 6000 Menschen durch Unfälle ums Leben kommen. „Oft sind dabei abgefahrene Reifen die Ursache.“

Für Referate vor der marokkanischen Delegation waren eigens Peter Hülzer als Geschäftsführer des Bundesverbandes des Reifenhandels und Vulkanisateur-Handwerks (BRV) aus Bonn und Martin Kiechle vom TipTop-Fortbildungszentrum aus München nach Lübz gereist. Alle Gäste wurden außerdem vom nichtstaatlichen marokkanischen Bildungswerk OFPPT über die Möglichkeiten einer nachhaltigen Strategie für die Beschäftigung von Personal in Marokko informiert. Das Sprachengewirr dabei war komplett: Französisch, arabisch, englisch und deutsch mussten in alle Richtungen übersetzt werden. Hilfreich dabei war Professor Abdallah Nassur von der Universität Rostock. Zum Abschluss des Besuches wurde vereinbart, in Marokko bereits fertig ausgebildete Monteure in Sachen Reifenrunderneuerung zu schulen und sie als Lehrer für die Berufsausbildung zu gewinnen.
Im Rahmen der Zusammenarbeit bei Aus- und Weiterbildung sollen gemäß der weltweit gültigen Norm ECE R 109 auch in Marokko technische Mindeststandards festgelegt werden. Ein runderneuerter Reifen steht in seinen Qualitäten einem fabrikneuen kaum nach. Die Probleme vergangener Jahre wie Blasenbildung oder Ablösung der Profile sind längst kein Thema mehr. Das Verfahren der Runderneuerung ist technisch ausgereift und als industrieller Standard zertifiziert. Die runderneuerten Reifen sind bis 100 Stundenkilometer zugelassen und werden auf den Antriebsachsen der Busse oder Lastwagen montiert. Inzwischen ist längst ein Container mit runderneuerten Reifen nach Marokko unterwegs. Sie werden dort nach ihrem Einbau regelmäßig gewartet, ihr Einsatz wird akribisch dokumentiert.

Der Lübzer Reifen-Spezialist setzt beim Runderneuern derzeit hauptsächlich auf das so genannte Kalt-Verfahren. Hierbei wird der gebrauchten und geprüften Karkasse mit Hilfe eines Binde-Gummis bei 110 Grad ein neuer Reifenaufbau und das Profil verliehen. Mülot hatte sein Unternehmen 1969 mit fünf Mitarbeitern als Reparaturbetrieb für Trabant-Reifen und Runderneuerer von Reifen für landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge gegründet. Bis heute hat er eine Firma mit 40 Mitarbeitern und bis zu sechs Auszubildenden aufgebaut, die 80 Prozent ihres Umsatzes aus der Runderneuerung von täglich bis zu 150 Reifen schöpft.


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