Umweltfrevel : Herrliche Kiefern gefällt

Zwei Kiefern nahe dem Campingplatz Leisten wurden illegal „umgelegt“. Sie waren 150 bis 200 Jahre alt und im Herzen längst Naturdenkmale.
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Zwei Kiefern nahe dem Campingplatz Leisten wurden illegal „umgelegt“. Sie waren 150 bis 200 Jahre alt und im Herzen längst Naturdenkmale.

Ortsansässiger Landwirtschaftsbetrieb legte zwei gut 150 Jahre alte Kiefern um / Naturparkverwaltung erstattet Anzeige beim Landkreis

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10. Juni 2015, 08:00 Uhr

Zwei  knorrigen, stattlichen Kiefern auf  einem Feld nahe des Campingplatzes Leisten konnten  beide Weltkriege  nichts anhaben. Auch Großflächenwirtschaft und Meliorationsmaßnahmen zu  DDR-Zeiten  überstanden sie. Nun sind beide Bäume tot:  Samt Wurzelballen liegen die Riesen zwischen der gerade aufgehenden Saat. 

Als Ralf Koch,  Mitarbeiter  der Naturparkverwaltung Nossentiner/Schwinzer Heide, vor Ort ist, tut ihm der Anblick  in  der Seele weh. „Das kann einfach nicht wahr sein. Das sind altehrwürdige Bäume, ich denke mal  zwischen  150 und 200 Jahre alt. Wer  so etwas macht, hat  keine Achtung von der Natur?“ Ob man annahm, dass   die illegale „Baumfällung“ nicht bemerkt würde? Koch hält es für möglich. Dennoch, blauäugig war es allemal.  Denn regelmäßig  sind  Ralf Koch und die Ranger der Naturparkverwaltung  auf Kontrollfahrten. Auf einer entdeckten sie die beiden (in Hauptwindrichtung) umgelegten Bäume. Daneben auf dem Acker Spuren schwerer Fahrzeuge, die  offensichtlich durch Abschleppen  wieder beseitigt  werden sollten.  Für Koch  besteht  kein Zweifel. „Was auch auffiel, beide Stämme hatten Abschürfungen, wie  sie nur  von einem dicken  Seil oder einer Kette herrühren können“, sagt er. 

Bei derlei  Beobachtungen  waren  in  der  Parkverwaltung 1 und 1 natürlich schnell zusammengezählt: Dem Eigentümer des Feldes – es handelt  sich um  einen großen ortsansässigen Landwirtschaftsbetrieb –  schienen die Bäume  buchstäblich  im Wege gewesen zu sein.   Zur Rede gestellt,   schob man es dort  auf den  letzten schweren Sturm. Koch, der „nicht mit dem Klammerbeutel gepudert ist“: „Wegen  zweimal  50 Quadratmeter, ich fass’ es nicht“, sagt er und  hat  den Betrieb inzwischen bei der Unteren Naturschutzbehörde angezeigt.   Es  werde  wohl  auf eine Ordnungswidrigkeit und ein paar hundert Euro  Bußgeld hinauslaufen, vermutet er und fragt sich, was als Nächstes kommt. Der  Betrieb  bewirtschafte circa 1400 Hektar Land  mit noch etlichen landschaftsprägenden Bäumen darauf. Werden auch die irgendwann fallen? 

Nach Auffassung der Naturparkverwaltung  in Karow hätten beide Kiefern   längst  als Naturdenkmal  deklariert werden müssen. Doch leider habe der Landkreis  diesbezüglich  ein Defizit, kommt bei der Riesenfläche, die er verwaltet, mit der Registrierung  nicht hinterher.  Ob   das letztlich  die Bäume gerettet hätte?  Koch  geht davon aus. Er weiß aber auch, dass das Schild   noch nicht mal notwendig  gewesen wäre.  Denn schon im Naturschutzrecht ist festgeschrieben, dass Bäume  ab einem Stammumfang von  einem Meter  nur  mit Genehmigung  gefällt oder gerodet werden dürfen. Beide  Kiefern lagen schon  vom Durchmesser  deutlich darüber. Und eine Genehmigung  zum Fällen gab es nicht.

Seit vielen Jahren im Naturschutz zuhause hat  Naturparkmitarbeiter   Koch schon einigen Frevel erlebt.  Immer war die Absicht dahinter klar. „Das Perfide hierbei: die ganze Angelegenheit sollte vertuscht werden“, sagt er. 

Versuchte sich der Betrieb bislang auf „Sturmschäden“ herauszureden, lenkte er  gestern überraschend ein: „Wir haben unseren Fehler eingesehen und entschuldigen uns“, hieß es seitens  der  Geschäftsführung. Passiert  sei das im Eifer des Gefechts    und  angesichts eines Haufens Arbeit.  Als Wiedergutmachung werde der Betrieb im Herbst  neue Bäume pflanzen.

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