Stammtisch : Heiter, politisch & erotisch

Wolf Butter – Komponist, Dozent, Musiker, Regisseur, Schauspieler  .
Wolf Butter – Komponist, Dozent, Musiker, Regisseur, Schauspieler .

„Wo ein Kopf ist, ist meistens auch ein Brett“ – Wolf Butter unterhielt am CDU-Stammtisch mit Erich Kästner

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27. März 2015, 22:00 Uhr

„Wo ein Kopf ist, ist meistens auch ein Brett“. Haben wir alle nicht schon einmal solch ein Brett vor unserem Kopf gehabt? Nun, damit sind wir nicht alleine, wie beim CDU-Stammtisch im Parkhotel Klüschenberg Professor Wolf Butter versicherte und dieses mit Lyrik von Erich Kästner belegte.

Wenn von Kästner die Rede ist, fallen einem sofort Titel bekannter Kinderromane ein. „Pünktchen und Anton“, „Emil und die Detektive“ und „Das fliegende Klassenzimmer“ stammen aus der Feder des 1899 in Dresden geborenen Schriftstellers und Drehbuchautors. Doch Kästner hatte auch eine zeitkritische, derbe und zuweilen zynische künstlerische Ader. Davon zeugen ungezählte, zumeist kurze Gedichte.

Wolf Butter konzentriert sich in seinem Programm „Wo ein Kopf ist, ist meistens auch ein Brett“ auf genau diese, weniger bekannte Seite des Humoristen. Butter – Komponist, Dozent, Musiker, Regisseur und Schauspieler – präsentierte heitere, ernste, politische und erotische Texte aus Kästners reichem Repertoire. Auf Mimik verzichtet er. Allein die tiefe Bassstimme, die der Professor nuanciert einsetzt, reicht aus, um Kästners Botschaften zu transportieren, Pointen zu setzen und seine Zuhörer zum Nachdenken zu bringen. Butter stieg ein mit der Interpretation der „Entwicklung des Menschen“ und dem selbstverfassten Lebenslauf des Autors. Kästner, ein hochbegabter Schüler, gab seine Ausbildung zum Volksschullehrer kurz vor dem Ende auf, studierte stattdessen Geschichte und Philosophie und arbeitete später u.a. als Journalist und Theaterkritiker. „Ich gehe durch die Gärten der Gefühle, die tot sind, und bepflanze sie mit Witzen“, schrieb er über sich.

Die Berliner Kabarettszene bot ihm die Bühne, anderen den Spiegel vorzuhalten. Butters Vers-Auswahl entführte die Zuhörer zum Potsdamer Platz, in mit Tischtelefonen ausgestattete Ball-Lokale, auf Maskenbälle, in Striptease-Bars und einsame Hotelzimmer, deren Bewohner sich freizügigen Fantasien hingeben. Butter, der mal laut, mal leise – wahlweise hochdeutsch, berlinerisch oder sächsisch – rezitierte, setzte mit Kästners „Sogenannte Klassefrauen“ noch einen drauf. Mucksmäuschenstill in den Reihen wurde es, als er zum Gedicht „Kleines Solo“ kam: „Einsam bist du sehr alleine– und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.“

Der Abend im Parkhotel machte Lust auf mehr. Und das wird es geben: Am Donnerstag, den 16. April wird Peter Bause die Gäste des nächsten CDU-Stammtisches mit seinem Einakter „Der Kontrabass“ erfreuen, welchen er seit nunmehr 30 Jahren in seinem Repertoire führt. Er hat sich in seiner Rolle als einsamer, verliebter, und scharfsinniger Kontrabassist in die Herzen der Zuschauer gespielt. Ein Muss für alle Freunde des Stammtisches und Verehrer Peter Bauses.

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