Line-Dance in Dobbertin : Heike Jänicke lässt Stiefel fliegen

Die gebürtige Harzerin tanzt leidenschaftlich gern Line-Dance.
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Die gebürtige Harzerin tanzt leidenschaftlich gern Line-Dance.

Seit 2007 ist Heike Jänicke der Kopf der Line-Dance-Gruppe Dobbertin. „In Dobbertin gab es ein Country- und Line-Dance-Fest. "Ich habe nur die Musik gehört und hab mir gedacht, was für eine geile Musik."

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02. März 2013, 03:15 Uhr

Geschwungen hebt sich der Sattel nach hinten und nach vorne. Die kleinen schmalen Lederbändchen hängen herab. In der Mitte befindet sich eine Vertiefung, hier nimmt normalerweise der Reiter Platz, doch bei diesem Westernsattel ist es anders. Hier findet ein Teelicht Platz, denn dieser aus kupfergeformte Sattel ist ein Kerzenhalter. Auf einem kleinen Sofa, das vor einer beigefarbenen Wand steht, hat Heike Jänicke Platz genommen. Die dunklen Haare sind kurz gehalten. Ein Lächeln zeichnet sich um ihre Mundwinkel ab. Hier in ihrem Countryzimmer fühlt sich die Dobbertinerin pudelwohl. Auf dem Sofa liegt eine Wolldecke, in den typischen Landesfarben Amerikas gehalten. Wer hier die Zimmertür öffnet, landet in Amerika. Der Wilde Westen beherrscht den kleinen Raum. Alles ist aufeinander abgestimmt, alles ist in sich stimmig. So mag es Heike Jänicke, denn seit vielen Jahren ist sie ein großer Country-Fan. „Zum Western oder Country bin ich über die Musik gekommen, das ist einfach eine geile Musik“, erzählt Heike Jänicke.

Groß sticht das Bild an Wand heraus. Ähnlich wie ein roter Faden hangelt sich die Strecke von Ort zu Ort. Über Berge und durch Täler muss der Fahrer durch die Prärie des Wilden Westen reisen. Die „Route 66“ ist ein Traum von Heike Jänicke. Sie liebt Amerika, sie liebt Kanada. Unter dem Bild steht ein Buch über Kanada. Es stammt noch aus Zeiten der DDR. „Das war schon immer ein Jugendtraum von mir, einmal nach Kanada zu reisen“, gesteht Heike Jänicke. Grizzlys, Schnee und Eis – all das und noch viel mehr begeistert die leidenschaftliche Line-Dance-Tänzerin seit vielen Jahren. Line Dance ist für Heike Jänicke Lebensfreude pur, deshalb trainiert sie seit geraumer Zeit auch die „Flying Boots Dobbertin“. „Unsere Gruppe besteht derzeit aus acht Frauen. Wir waren mal mehr, aber so in kleiner Runde ist es viel besser, da können wir wirklich trainieren und neue Tänze einstudieren“, verdeutlicht die Dobbertinerin. Denn genau darum geht es den Frauen beim Line Dance. Auftritte haben sie viele, ob bei Festen oder anderen Gelegenheiten, die Cowboystiefel und -hüte sind immer griffbereit. Und wenn die Musik stimmt, dann wackeln die Füße im Takt und zeichnen die sonderbarsten Schritte auf dem Fußboden.

Die weißen Sterne auf dem blauen Hintergrund zählen genau 51 Stück. Die Streifen – immer abwechselnd rot und weiß bringen erst recht die amerikanische Flagge zur Geltung. Ohne Knick und Falte liegt die Flagge auf einem alten Schaukelstuhl. „Den wollte jemand schon wegschmeißen, aber mein Mann und ich haben gesagt, der würde perfekt in unser USA-Zimmer passen. Deshalb steht er jetzt hier“, verrät Heike Jänicke mit einem Strahlen in ihren Augen. Ihren Mann hat sie ebenfalls angesteckt mit ihrem Country-Fieber. Ab und zu tanzt er auch mal mit. Seit 2007 ist Heike Jänicke der Kopf der Line-Dance-Gruppe Dobbertin. Dazu gekommen ist sie über eine Nachbarin. „Als wir gerade hergezogen sind, gab es hier in Dobbertin ein Country- und Line-Dance-Fest. Ich habe nur die Musik gehört und hab mir gedacht, ,was für eine geile Musik.‘ Deshalb bin ich schauen gegangen, die Neugierde war einfach zu groß.“ Heike Jänicke zog es dann auch zum ersten Training. Es war Liebe auf den ersten Blick. „Ich war zwar total durchgeschwitzt, doch es hat mächtig viel Spaß gemacht. Einfach super.“

Nächstes Jahr soll es nach Kanada gehenGut 70 Kilometer trennen Heike Jänicke von ihrer Arbeitsstätte in Rostock. Aufgrund der weiten Strecke hat sie sich in der Hansestadt eine Wohnung genommen. Wie das Schicksal so spielt, tanzt sie auch dort in einer Line-Dance-Gruppe. Nur so zum Spaß versteht sich. „Im Winter wohne ich dort, da das Wetter nicht immer so gut ist. In einem Hinterhof habe ich dort einen Saloon entdeckt. Und genau dort tanzen auch welche andere Line Dance.“ Heike Jänicke lacht, sie freut sich darüber, dass sie nach der Arbeit diese Beschäftigung gefunden hat. „Mittlerweile sind dadurch auch einige Freundschaften entstanden.“ Line Dance verbindet also.
Ursprünglich stammt Heike Jänicke aus dem Harz. „Viele Jahre haben wir in Demen gewohnt, wegen des Berufes meines Mannes. Er arbeitet bei der Armee.“ Da haben sie sich auch kennen gelernt. Denn Heike Jänicke arbeitet in Rostock als Beamtin bei der Bundeswehr. „Eines Tages haben mein Mann und ich uns wiedergetroffen, auf dem Bahnhof in Leipzig. Wir hatten beide den Zug verpasst und da standen wir dann“, erinnert sich Heike Jänicke. Als Geschenk zur Silberhochzeit hat André Jänicke angefangen, ebenfalls die Boots zu schwingen. „Das war eine tolle Überraschung für mich.“ Seit mittlerweile 18 Jahren leben die beiden schon in Dobbertin, die Kinder sind aus dem Haus. Jetzt haben sie Zeit, ihrem Hobby Raum zu geben. 2014 soll der große Jugendtraum dann in Erfüllung gehen – die Kanada-Reise steht auf dem Plan. „Mit einem Pärchen aus Rostock wollen wir uns gemeinsam einen Truck mieten und dann durch Kanada brausen.“ Dann wird Heike Jänicke die endlose Weite und Freiheit genießen. Doch bis dahin muss sie noch viel machen, vor allem an neuen Tänzen und Choreografien feilen. Einmal in der Woche steht das Training an. Immer mittwochs treffen sich die Frauen in der Dobbertiner Sporthalle. Die CD wird eingelegt und dann heißt es: „These boots are make for walking“.

Ein neuer Tanz, mal eben ganz fixNoch brennen nur wenige Deckenleuchten. Kalt ist es ebenfalls. „Lasst mal noch eure warmen Sachen an“, sagt Heike Jänicke zu ihren Frauen. „Wir machen uns erst ein bisschen warm“, fügt sie hinzu. Gesagt, getan. Mit festen Schritten schreitet sie zum Musik-Player und drückt auf einen Knopf. Dann startet die Musik. Die Füße bewegen sich automatisch. Country-Feeling erfasst die Dobbertiner Sporthalle. Die eisige Luft in der Halle wird schnell aufgeheizt, je schneller der Takt, desto schneller bewegen sich auch die Frauen. Doch heute ist ein besonderer Tag. Heike Jänicke hat mehrere Seiten in der Hand. Auf allen stehen wichtige Informationen. Ein neuer Line-Dance-Tanz wollen die Frauen einstudieren. Gar nicht so einfach, die ersten Schritte alle so hinzubekommen, wie es sich die Trainerin vorstellt. Doch erstmal geht es an die Trockenübungen, d.h. die Musik bleibt aus und alles wird Schritt für Schritt in die Tat umgesetzt. Noch fliegen hier keine Cowboystiefel durch die Lüfte, noch schauen die meisten Frauen auf den Boden und versuchen sich nicht die Füße zu verknoten. Denn dieser neue Tanz hat es in sich, das weiß auch Heike Jänicke. „Bis ich den Dreh raus hatte, hat es auch ein bisschen gedauert“, gibt die Trainerin zu. „Cha Cha Cha“ tönt es durch die Halle. Heike Jänicke hat ihre Stimme ein bisschen angehoben, damit alle ihre Schützlinge sie hören. Lächelnd stehen die Frauen in Reih und Glied. Doch je mehr Schritte dazu kommen, umso mehr raucht der Kopf. Heike Jänicke steht jeder Line-Dance-Tänzerin mit Rat und Tat zur Seite. Ihre Zettel hat sie immer noch fest in ihrer rechten Hand. „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht“, ruft Heike Jänicke durch den Raum. „Coast-Step und ne Halbe“, hallt es durch den Raum. Stück für Stück und Schritt für Schritt nähern sich die Frauen einem fertigen Tanz. „Nachher machen wir das noch mit Musik, dann müssen eure Füße das aber schneller hinbekommen“, sagt die Dobbertinerin und schmunzelt vor sich hin.

Nur wenige Kombinationen noch, dann ist der neue Tanz geschafft. Zunächst, denn mit Musik erhöht sich der Schwierigkeitsgrad noch mal um einiges. Das weiß Heike Jänicke genau, schließlich hat sie vor vielen Jahren selbst angefangen. 2007 hat sie ihren ersten Country-Schritt gemacht. Das ist in diesem Jahr genau elf Jahre her. Mittlerweile ist sie beim Line Dance eine erfahrene Tänzerin. „Alles noch einmal. Jetzt kommt ein Crossback, dabei crossen wir das rechte Bein über das linke“, sagt sie und macht es auch gleich vor. Einfach machen, lautet die Devise und vor allem eines: Kopf ausschalten, sonst wird das nichts mit den fliegenden Stiefeln über den Fußboden.

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