Hochwasser-opfer : Havelberg-Plau und zurück

Dass  Plau  wie Warnemünde einen Leuchtturm hat –  die Gruppe aus Havelberg  war total begeistert.  ERklommen wurde das moderne  Wahrzeichen  des Luftkurortes  natürlich auch. Fotos:  Simone Herbst
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Dass Plau wie Warnemünde einen Leuchtturm hat – die Gruppe aus Havelberg war total begeistert. ERklommen wurde das moderne Wahrzeichen des Luftkurortes natürlich auch. Fotos: Simone Herbst

Plauer Verein machte Kindern aus der Havelberger Region einen Kurzurlaub fernab der Sorgen möglich.

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24. Mai 2014, 11:00 Uhr

Sommer 2013: Die Elbe steigt. Tagelang. Dann tritt der Fluss auch in der Region rund um Havelberg über die Ufer, wo Elbe und Havel zusammentreffen. Stündlich wird die Situation kritischer, Menschen werden evakuiert, ganze Ortschaften liegen verlassen da. Als schließlich am 11. Juni der Elb-Niederungsdeich bei Fischbeck bricht, versinken sie in den Fluten – Schönhausen, Wust, Sandau, Fischbeck… Hier wohnt auch Florian. Bis das Wasser kommt. „Dann wurden wir in der Sporthalle untergebracht. Andere in Kitas, in Schulen…“, erzählt der 18-jährige, der die Bilder von damals nicht vergessen kann. „Als wir nach ungefähr zwei Wochen wieder nach Hause konnten, war alles voller Unrat und Müll. Und es stank eklig. “

Wir treffen Florian in Plau am See. Hier machen er und weitere elf Schüler der Havelberger Förderschule „Am Lindenberg“ gerade eine Woche Urlaub. Auf Initiative eines Plauer Vereins, der für die Finanzierung zahlreiche Spender und Sponsoren auftun konnte. Untergebracht sind die Kinder und Jugendlichen, ihre vier Lehrerinnen und Betreuerinnen in der Jugendherberge von Familie Giese. Die legte den Fokus schon vor Jahren auf integrative Ferien- und Urlaubsgestaltung.

„Noch heute werden in Schönhausen und Fischbeck Häuser weggerissen, da an Sanierung keinen Sinn macht. Mit der Situation umzugehen, war und ist nicht leicht für unsere Kinder“, sagt Kerstin Döring. Eigentlich alle kämen aus sozialschwachen Familien, alle hätten irgendwelche Handicaps, manche noch nicht einmal ein Zuhause. „Urlaub? Ich bin mir sicher, die meisten unserer Schützlinge waren noch niemals von zuhause weg.“

Die fünf Tage in Plau genießen sie um so mehr. Sommerrodelbahn in Malchow, Dampferfahrt, Baden in Lenz, Eisessen, ein Besuch im Plauer Burgmuseum, Kutschfahrt, Wanderung, Stadtrallye… Verein und Herbergseltern haben ein wirklich straffes Programm für die kleine Reisegruppe vorbereitet. „Es ist toll, wir müssen uns um nichts kümmern und wir brauchen auch nichts zu zahlen“, strahlt Frau Döring. Und die Kinder strahlen mit. „Zum Frühstück haben wir sogar Buffet, da kann sich jeder nehmen, was er möchte“, legt Caroline noch nach.

Den Schülern – sieben bis 18 Iahre alt – die Möglichkeit zu geben, sich von den Bildern, den Strapazen des Alltags zu erholen, das war das Anliegen des Vereins. Und es scheint erreicht. „Auf alle Fälle! Uns gefällt es hier in Plau prima. Zu gern würden wir noch ein paar Tage länger bleiben“, sagt Florian und weiß, dass das leider nicht geht.

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