Masche für Masche : Handarbeit liegt voll im Trend

An diesem Tisch entstehen die Ideen für neue Strickmuster: Sibylle Kessler(v.l.), Christine Dietze, Christa Löffler und Astrid Harder aus der Strickliesel-Gruppe bei ihrem wöchentlichen Treffen.
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An diesem Tisch entstehen die Ideen für neue Strickmuster: Sibylle Kessler(v.l.), Christine Dietze, Christa Löffler und Astrid Harder aus der Strickliesel-Gruppe bei ihrem wöchentlichen Treffen.

Die Strickliesel-Gruppe trifft sich jeden Freitag, um gemeinsam ihrer Leidenschaft nachzugehen: dem Stricken

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23. Juli 2014, 22:00 Uhr

Flink wird eine Masche nach der anderen aufgenommen – die Reihe ist voll, eine nächste wird begonnen. Ein dumpfes Klackern ertönt immer und immer wieder im selben Takt. Der gleichmäßige Rhythmus entsteht durch die hölzernen Stricknadeln, die sich berühren. Neben Christa Löffler, die gerade einen Schal aus grauer Wolle strickt, sitzt Christine Dietze. Sie zählt die Maschen der letzten Reihe noch einmal nach, um keinen Fehler beim Stricken ihrer schon halbfertigen Socke zu machen. „Die mache ich für meine Enkeltochter“, erzählt die Frau aus Lübz.

Kennengelernt haben sich die Damen in der Volkshochschule. „Wir konnten alle schon stricken, hatten uns aber damals zu einem Kurs angemeldet, um neue Sachen zu lernen“, erzählt Astrid Harder. Nebenbei strickt sie Masche für Masche, ohne dabei nur einmal auf die Nadeln zu schauen. „Doch die Dozentin hat dabei eher noch etwas von uns gelernt“, fügt die Goldbergerin lächelnd hinzu. Ein Jahr später haben die Frauen beschlossen, sich wöchentlich für ein paar Stunden zu treffen, um gemeinsam zu stricken. Es entstand die Gruppe der Stricklieseln, die sich jeden Freitagnachmittag von 14 bis 17 Uhr im Mehrgenerationenhaus trifft. „Insgesamt sind wir acht Frauen aus der Region. Die älteste von uns ist 79 Jahre“, so Astrid Harder. Nebenbei wird Kaffee getrunken, Kuchen gegessen und „vor allem ganz viel gesnackt“, fügt Christine Dietze hinzu. Gegenseitig zeigen sich die Stricklieseln neue Muster, helfen sich und lernen voneinander. „Für Neues haben wir unsere Spezialistin“, erzählt Astrid Harder. Christa Löffler hat Spaß am ausprobieren. Sie sucht sich die neusten Trends aus dem Internet heraus oder fährt auf Märkte, um sich dort Inspirationen zu holen. „Ich bleibe auch oft an Schaufenstern stehen und überlege, ob man das auch stricken könnte“, so Christa Löffler. Zu Hause fertigt sie Anleitungen für die Gruppe an, nach denen sie stricken können.


„Nach zehn Zentimetern sieht es gut aus“


Momentan sind Erdbeermützchen, die passenden Schals und Handschuhe dazu voll im Trend. „Manchmal tue ich mich schwer, die Muster hinzubekommen, aber irgendwann klappt das schon“, erzählt die Goldbergerin. Es gebe zahlreiche Bücher mit Strickanleitungen, doch die meisten seien so kompliziert geschrieben, dass man die Anleitungen erst nach und nach versteht. Man müsse es einfach ausprobieren, so lerne man es am Besten. „Wir haben dazu auch unseren Leitspruch: Nach zehn Zentimetern sieht es gut aus“, so Christa Löffler. Bereits als Kinder haben die Damen das Stricken erlernt. „Ich hatte in der Schule noch Handarbeitsunterricht“, so Löffler. Danach jedoch, habe sie eine lange Zeit die Stricknadeln gar nicht angefasst. Ähnlich war es auch bei Christine Dietze. Ihre Großmutter hatte ihr das Stricken beigebracht. „Ich habe später viel für meine Kinder gestrickt, für mich eher seltener“ erzählt die Lübzerin. Vor knapp einem Jahr hat sie wieder angefangen und ist zu den Stricklieseln gekommen.


Stricken ist das neue Yoga


Stricken liegt derzeit wieder voll im Trend. Handgemachte Sachen sind Mode, vor allem bei jüngeren Generationen. „Ich habe letztens für meine Enkeltochter gestrickt. Nun wollen alle ihre Freundinnen dasselbe haben“, so Dietze. Forscher gehen sogar noch weiter: Stricken sei das neue Yoga. Herbert Benson von der Harvard Medical School hat in Studien herausgefunden, dass Stricken genauso wirksam gegen Bluthochdruck und Stress ist. Das rhythmisch-monotone Klackern der Stricknadeln beruhigt, die Gedanken schweifen ab. Es sei eine Art Meditation ohne Nebenwirkungen.

Für die Stricklieseln in Lübz ist stricken jedoch einfach nur ein Hobby. „Wir freuen uns schon die ganze Woche auf Freitag. Da müssen sogar unsere Männer zurückstecken“, erzählt Christine Dietze lachend. Und ihr Hobby dient auch einem guten Zweck. Die Stricklieseln stellen ihre Mützen, Schals, Handschuhe, Socken und Decken für den Weihnachtsbasar im Kloster Dobbertin her. An ihrem Stand verkaufen sie alle angefertigten Sachen, die sie über das Jahr gestrickt haben. Und mit dem eingenommenen Geld bessern sie unter anderem ihre Haushaltskasse auf. „Es ist eben auch ein teures Hobby“, berichtet Astrid Harder. Über 200 Euro hat die Goldbergerin bereits für Strickzubehör ausgegeben. Doch dieser Aufwand lohne sich und die Zeit mit den Stricklieseln bringe vor allem eins mit sich: Gemeinsamer Spaß beim gemütlichen Strick-Beisammensein.

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