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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

21. November 2017 | 07:39 Uhr

Denkmalschutz : Gutshaus vor strahlender Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Berliner Verein „Actiontouren leben.lernen“ saniert mit Fachleuten, Kindern und Jugendlichen in „Bauwochen“ Denkmal in Welzin

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2014 | 21:30 Uhr

Das alte Gutshaus in Welzin ist ein gutes Beispiel dafür, dass unter Denkmalschutz zu stehen allein keine Garantie dafür ist, trotzdem nicht unterzugehen. Nach dem Auszug der letzten Nutzer war es von Anfang der 2000er-Jahre bis 2008 weitestgehend unberührt und verfiel. Ein Jahre später kaufte ein Mitglied des Berliner Vereins „Actiontouren leben.lernen“ das Anwesen, der Kindern und Jugendlichen aus Berlin, seinem Umland und auch anderen Gegenden seit 2010 in den Ferien Erlebniswochen in Welzin anbietet. Seit 2004 macht er dies auch in anderen Orten und ins Ausland.

In Welzin wurde zunächst ein Zeltplatz geschaffen. Dann kaufte der von drei Berliner Kirchengemeinden getragene Verein alte Bauwagen und machte aus ihnen kleine Ferienhäuser mit Doppelstockbetten. „Ziel ist, das Gutshaus für möglichst preiswerte Aufenthalte von Kindern, Jugendlichen und Familien mit Selbstversorgung auszubauen“, sagt Max Droll, ein Fahrtenleiter des Vereins. In „Bauwochen“ sollen sich die beiden Erstgenannten aktiv an der Sanierung des Gebäudes beteiligen. Gefunden habe man schon mehrere Fachleute, die die Richtung vorgeben – wie auch alle Betreuer ehrenamtlich. „Neben dem Ehrenamt lebt das Projekt von Spenden“, sagt Droll, im Alltag Lehrer für Politik, Geschichte und Erdkunde. So läuft zum Beispiel bereits seit zwei Jahren die Fachwerksanierung am besonders vom Verfall betroffenen Westgiebel mit einem Zimmermann, der sein Wissen und seine Zeit zur Verfügung stellt, und ein Maurer aus dem Ort hilft ebenfalls unentgeldlich. Mit allen Handwerkern werde dies jedoch kaum gelingen und auch Material muss gekauft werden. „Wie schnell etwas fortschreitet, ist ebenfalls eine Frage der finanziellen Mittel. In diesem Fall geht es natürlich auch, aber nicht allein um die Sanierung, sondern darum, Kindern und Jugendlichen etwas anzubieten, was für sie zuhause nicht möglich ist. Die meisten sind deshalb begeistert“, berichtet der Fahrtenleiter. „Wichtig ist dabei die Mischung der gesellschaftlichen Schichten, zu denen die Teilnehmer gehören.“ Viele kommen aus sozialschwachen Familien, aber eben nicht alle. Weil sie ihr Angebot für besonders förderlich halten, würden sich die Initiatoren noch mehr Resonanz wünschen. Auf jeden Fall hätten sie die Erfahrung gemacht, dass ihr Konzept überzeuge und deshalb die Unterstützung ermögliche.

Auch in seinem Beruf registriert Droll eine in vielen Fällen mangelnde Erziehung. Momentan sind Ferien und in Welzin wohnen 15 Kinder aus Berlin in zwei Ferienwohnungen beim Gutshaus. Ihr Sozialverhalten sei oft schwierig, eine Reihe zeigt Verhaltensauffälligkeiten. „Diese sind hier jedoch besser in den Griff zu bekommen, was auch an praktischen Erfolgserlebnissen liegen könnte“, sagt der Fahrtenleiter. „Kuchenherstellung etwa wird von der Apfelernte bis zum Backen praktiziert und für die Bauwagen haben wir zum Beispiel Treppen gebaut, wofür man den Satz des Pythagoras anwenden muss – ein Fall, der zeigte, wie wichtig Gelerntes in der Realität sein kann.“

Immer wieder tauchen Menschen auf, die eine Verbindung zu dem auch schon als Kindergarten und Bürogebäude genutzten Gutshaus haben. Einem Gutachten zufolge würde die Sanierung des gut 30 Meter breiten und etwa 13 Meter tiefen Komplexes ausschließlich durch Firmen rund 1,1 Millionen Euro kosten – ohne Innenausbau. Anvisiert war zunächst eine Zeit von zehn Jahren. Mittlerweile gibt es keine Festlegungen mehr.

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