zur Navigation springen

Ein Dorf in „Aufruhr“ : Gummistiefelwerfen & Striptease

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Wendisch Waren und Woosten feierten den Sommer / Gelungene Veranstaltung hatte den typisch ländlichen Patchwork-Charakter

Sie mussten vor dem Fest das Aktionsfeld abstecken, sagt Anja Kube vom Kultur- und Heimatverein Wendisch Waren/Woosten. Ihre Versuche führten dann mit zur Absteckung des Feldes auf dem Gutshausgelände in Woosten: „Es ging, als ich herausfand, dass man zum Wurf am besten an der Sohle anfasst.“ Einer, der es besser wusste, mischte sich ein: Nein, man fasse besser am Schaft an, das bringe die Hebelwirkung mit ein. Wie auch immer. Das Gummistiefelweitwerfen war eine der Attraktionen auf dem Wendisch-Warener Sommerfest 2016 und die Vereinsmitglieder Anja Kube und Christian Banek hatten ein perfektes Feld vorbereitet.

Die Sommerfeste im Ländlichen sind typischerweise Patchwork-Veranstaltungen. Es soll für jeden etwas dabei sein und wer sich nun gar nicht betätigen will, kann immer noch zusehen - oder Kuchen essen. Eigentlich bekommt man den besten Kuchen auf Dorffesten, so ist es auch hier und heute in Woosten. Allerdings ist das Kuchenbüffet wohl schmaler als sonst ausgefallen und auch das Fest als solches sollte in diesem Jahr ein „kleines“ sein, sagt Anja Kube. Dennoch haben sie zwei Neuerungen eingeführt: Zum ersten Mal gibt es einen Kinderflohmarkt und auf drei Tischen wölben sich wahre Gebirge von Spielzeug, Autos, Büchern, Spielen und, an einem Stand, ein ganzer Zoo von Kuscheltieren, eine überlebte Kinderzimmergesellschaft. Die andere Errungenschaft ist ein „Planschbecken“ voller Getreidekörner. Darin konnten die Kleinen sitzen, grabbeln und Schätze ausgraben, ein Plastikschiffchen etwa oder ein Röhrchen Seifenblasen.

Und dann kommt sie auf die Festwiese, breithüftiger Gang, Karorock und Kompotthütchen. Und sie macht dem Festpublikum im Handumdrehen klar, dass in dieser Verpackung gegen jede Erwartung eine geballte Ladung Erotik steckt, ungezähmt und - naiv. Tante Elfriede, Bühnenfigur der Comedian Rita Schneiderat aus Lübeck, macht das, was viele ihrer Gattung auch tun, nämlich zeigen, wie es aussähe, wenn den Begierden ohne Rücksicht auf Verluste Ausdruck verliehen würde. Natürlich übertreibt die Komödiantin auch charmant, wie es sich für die Comedy-Bühne gehört. Es darf jedenfalls gelacht, geprustet, sogar die Stirn gerunzelt werden, wenn sie sich nach dem „Strippen“ im geblümten Liebestöter auch noch stößig an die Herren im Publikum heranmacht.

Im ehemaligen Verwaltungsgebäude des Guts, wo Rita Schneiderat ihren Requsitenkoffer abgestellt hat und sich jetzt in ihr bürgerliches Ich zurückverwandelt, verrät sie, dass sich an Tante Elfriedes Sex-Eskapaden noch nie jemand gestoßen habe. „Man darf sich selbst nicht wichtiger nehmen als das Publikum.“ Und dem gefällt’s. Aber sie ist auch das geborene Bühnentier. Schon als Kind, wo immer sich die Gelegenheit bot, etwas vorzuspielen, griff sie begeistert zu. Heute steht sie seit fünfundzwanzig Jahren auf der Kleinkunstbühne.

Während alledem ist der Gummistiefelweitwurf nie unterbrochen worden. Christian Banek, ganz nebenbei auch Pastor in Woosten, misst und misst. Der sportliche Parchimer Probst muss den Stiefel auch immer wieder zurückschleudern. Wie oft schon? Der Rekord steht schon seit Längerem bei 28,50 Metern.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen