zur Navigation springen

Seestädter fürchten um Lebensqualität : Güllelagunen: Plauern stinkts schon jetzt

vom

Ist es mit der frischen Luft in Plau am See bald vorbei? Das befürchten zumindest viele Bürger und ortsansässige Touristiker angesichts der geplanten Erweiterung des Milchgutes am Eingang zum Luftkurort.

Plau am See | Ist es mit der frischen Luft in Plau am See bald vorbei? Das befürchten zumindest viele Bürger und ortsansässige Touristiker angesichts der geplanten Erweiterung des Milchgutes am Eingang zum Luftkurort. Auf 2500 Milchkühe und 700 Färsen (Kühe, die noch kein Kalb geboren haben) soll die Anlage ausgebaut werden. Dafür fallen zwar die 2000 Plätze für die Schweinemast weg, kündigt Landgut-Geschäftsführer Hauke Hansen an. Doch den Plauern stinkt der Plan dennoch. Güllelagunen in unmittelbarer Nähe? Das geht ihnen zu weit. Sie befürchten massive Geruchsbelästigungen. "Wir als Anwohner haben besonders darunter zu leiden", sagt Roland Suppra. Er wohnt am Gerichtsberg. So wie er fürchten viele seiner Nachbarn um die Lebensqualität in Plau. Schließlich werbe die Seestadt mit ihrem Status als Luftkurort, doch Güllelagunen am Ortseingang passen da nicht ins Bild, so Suppra.

"Die Immissionsprognose der neu eingerichteten Anlage weist Werte zum Wohngebiet Weidensoll und Entwicklungsgebiet von zwei bis drei Immisionstage aus", sagt Bürgermeister Norbert Reier. Zulässig seien zehn Prozent Immissionstage. Soll heißen: Erst wenn es mehr als 36 Tage am Stück stinkt, sind die einzuhaltenden Richtwerte überschritten. Doch Hauke Hansen hat zugesichert, sich an die Auflagen des Bundesimmissionsschutzgesetzes zu halten.

Ausschüsse fordern Verwallung

Norbert Reier wolle zwar keine Lanze für die Massentierhaltung brechen, warne aber vor vorschnellen Urteilen. Erst wenn die Tiere da sind, könne die tatsächliche Geruchsbelästigung ermittelt werden. "Man muss nicht immer alles zerreden. Wir gehen die Probleme an, wenn sie da sind", sagt Reier. Noch aber gebe es keinen Grund, der Erweiterung allzu skeptisch gegenüber zu stehen. Überhaupt könne man froh sein, dass es Kühe und nicht Schweine sind, sagt Reier. Die wären nämlich vom Geruch her viel schwerer zu ertragen.

Mit Sorge betrachte er nicht die Tierhaltung, sondern vielmehr die Ausbringung der entstehenden Gülle. Es sei wichtig, dass sich hierbei an die Richtlinien gehalten werde. Dann könne die Geruchsbelästigung auf ein Minimum reduziert werden. Die Gülle bereitet auch vielen Anwohnern Kopfzerbrechen. Schließlich wird sie, bevor sie auf die Felder oder in die geplante Biogasanlage kommt, in großen Güllelagunen - teils abgedeckt, teils nur mit einer Hexelstrohschicht versehen - gelagert. Auch die Stadtvertreter sehen dies als problematisch an. Deshalb wollen Tourismus- und Hauptausschuss das gemeindlichen Einvernehmen zum Ausbau nur erteilen, wenn um die Güllelagunen ein begrünter Wall entsteht. Die Behältnisse sollen von der B103 nicht sichtbar sein. Mit Hauke Hansen habe es diesbezüglich eine Verständigung gegeben, sagt der Bürgermeister.

Nicht nur bei Bürgern, vor allem bei den Plauer Touristikern stößt die Milchgut-Erweiterung auf Widerstand. Sie sehen alle ihre Bemühungen, die Stadt für Urlauber attraktiv zu machen ad absurdum geführt. Das Vorhaben sei ein Widerspruch zu den Bestrebungen der örtlichen touristischen Leistungsträger, mit entsprechenden Investitionen den Tourismusstandort Plau am See zu stärken, sagt der Verkehrsverein. Schließlich habe bereits in diesem Jahr an mehreren Tagen ein unangenehmer Geruch in der Stadt gelegen. Gäste beschwerten sich mehrfach über üble Gerüche. Diese dürften mit einer Verdoppelung des Viehbestandes nur noch zunehmen, so die Verkehrsvereins-Mitglieder.

Sollte die Geruchsbelästigung überhand nehmen, müsse man eingreifen. Doch die Plauer müssten sich auch bewusst werden, das solche Betriebe unverzichtbar sind, sagt Reier. "Die Landwirtschaft ist neben der Medizin und dem Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig der Stadt", verdeutlicht er. Zudem sichere die Betriebserweiterung Arbeitsplätze. "Bis zu 25 Leute sollen dort beschäftigt sein, wenn die Biogasanlage erst fertig ist", sagt der Bürgermeister.

Auf den Milchgut-Ausbau kann die Stadt nur wenig Einfluss nehmen, darf lediglich eine Stellungnahme abgeben. Die Bürger bleiben wohl außen vor, denn bei der Genehmigung wird es kein öffentliches Verfahren geben, weil es sich nicht um einen Neubau, sondern lediglich um die Erweiterung einer bestehenden Anlage handelt.

zur Startseite

von
erstellt am 12.Dez.2011 | 10:03 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen