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Bestatter Torsten Renné : Grundsatz: „Trauer ist Leben“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bestatter Torsten Renné geht erfolgreich neue Wege. Ein würdevoller, individueller Lebensabschluss für jeden Menschen steht im Mittelpunkt

von
erstellt am 27.Sep.2016 | 09:56 Uhr

Bestatter Torsten Renné geht neue Wege. Könnte sich negativ auswirken, weil wohl niemand aus dem Stand das Gewicht der eingefahrenen Regeln in einem so sensiblen Geschäft einzuschätzen vermag, aber der gebürtige Plauer mit Geschäften in Lübz, Goldberg und Plau am See hatte Glück. Eine Regel bei ihm: Weg von der Trauerfarbe Schwarz. Schon seit vielen Jahren nutzt er nur noch silber und sogar weiß lackierte Fahrzeuge, was gut ankomme. Vieles anders zu machen, liege auch darin begründet, dass das Thema Beerdigung/Trauer zu DDR-Zeiten offiziell mehr oder weniger als Nebensache behandelt worden sei. „Die Branche war dem VEB Stadtwirtschaft angegliedert. Leuten also, die sonst unter anderem mit der Müllentsorgung beschäftigt waren“, sagt Renné. „Ein schwarzer B1000 und ein Sarg aus geleimter Spanplatte, auf den ein Palmwedel aus Pappe genagelt wurde – wegen der Subventionierung letztlich alles für 60 Mark. Entsprechend sah auch die Dienstleistung aus. Verglichen mit heute gleich null.“ Großen Spielraum habe es nicht gegeben.

Ein wichtiger Grundsatz bei Renné: Trauer ist Leben. Bewusst machen, dass sie selbstverständlich dazugehört, offener mit ihr umgehen, wenngleich jeder Tod schwer sei, was man besonders in der eigenen Familie unter Umständen sehr schnell nachempfinden könne. Es gelte jedoch, nicht mitzutrauern, sondern den Hinterbliebenen zur Seite stehen. Mitleid sei falsch. „Die Toten sind nicht das Schwere, sondern der Umgang mit den Hinterbliebenen kostet in der Regel Energie. Ich muss darauf achten, dass sie mit den Umständen des Todes zurechtkommen“, sagt der Bestatter. Schon angesichts des unerschütterlichen Arbeitsgrundsatzes, für den würdevollen Lebensabschluss eines Menschen zu sorgen, könne ein Trauergespräch leicht mehrere Stunden dauern, einige kommen mehrere Male. Zu regeln seien viele Dinge. Den Sarg aufzustellen und die Kapelle herzurichten sei das geringste von allem.

Eine Beerdigung müsse trotz des wirtschaftlichen Aspekts, den auch ein Bestatter nicht außer acht lassen könne, schön sein. „Und wenn wie so oft anschließend Menschen zu mir kommen und genau dies sagen, weiß ich, dass ich mein Ziel erreicht habe“, so Renné, der seine Jugend in drei Heimen verbrachte und außerhalb der momentanen Tätigkeit vier Berufe erlernt hat. Bestatter zähle er nicht dazu, weil der soziale Aspekt hier von innen kommen müsse.

Die Individualität beginne bei der Traueranzeige, die nicht aus einem Katalog abgeschrieben wird, gehe über ein Foto, das den Verstorbenen mitten im Leben zeigt, und reiche bis zu einem Kleidungsstück, das er gern getragen hat, als ihn stattdessen in ein Leichentuch zu wickeln. „Eine Trauerfeier soll ehrlich sein, man muss die Dinge nennen, wie sie sind“, sagt Renné. „Emotionen muss auch ich hineinstecken, weil ich ohne sie meinen Beruf nicht ausüben könnte, aber es gibt klare Grenzen.“

Ist es schwerer, Kinder und Jugendliche zu beerdigen? „Eindeutig ja, aber auch dann muss ein Schutzschild fallen. Und bei einem Unfall etwa, wo man nicht unbedingt weiß, was einen erwartet, ist es ruhiger im Auto als sonst, wenn man dort hinfährt.“

Außerdem unterscheidet sich der erste Eindruck von Rennés Geschäft etwa in Lübz von Gewohntem. Särge und Urnen sucht man hier vergeblich. Wird in einem der zwei kleinen Schaufenster durch eine ausgestellte Anzeige über den neuesten Trauerfall aufgeklärt, bleibt der Blick in dem anderen an maßstabsgerechten Leichenwagen aus mehreren Jahrzehnten hängen. „Auch Darstellung einer Tradition“, so der Bestatter. Alle drei Monate wird die Auslage geändert. Schüler des Lübzer Gymnasiums etwa nahmen sich schon einmal des Themas „Letzte Reise“ an und stellten ihre Arbeitsergebnisse aus – mit großem Erfolg.

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