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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

19. November 2017 | 15:20 Uhr

Dobbertin : Grüner Jäger: Grenzort und Gasthof

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Der Krug befand sich an der Drei-Kaiser-Ecke in der Schwinzer Heide und wurde dort 1689 von Alexander von Weltzien gebaut.

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erstellt am 02.Apr.2016 | 12:00 Uhr

In einer völlig menschenleeren Gegend in der Schwinzer Heide befand sich seit dem Ende des 15. Jahrhunderts der Gasthof Grüner Jäger.

Am dortigen Grenzort, der sogenannten Drei-Kaiser-Ecke, trafen damals drei, eigentlich vier Besitzungen aufeinander. Das östliche Bossower und das westliche Schwinzer Forstrevier war im Besitz des Klosters Dobbertin, das südöstliche Karower Forstrevier gehörte den von Hahn und von Cleve, die südliche Wooster Heide war in Großherzoglichem Besitz und das nördliche Sammiter Forstrevier gehörte den in Alt Sammit ansässigen von Weltzien. Alle Besitzer trafen sich mit ihren Ländereien in der Schwinzer Heide an diesem Kreuzungspunkt auf der alten Klosterstraße von Dobbertin zum Kloster nach Malchow. An dieser Stelle ließ 1689 Alexander von Weltzien einen Krug in den Dannen bauen, der Grüner Jäger genannt wurde.

Der Landweg von Dobbertin über die Forstarbeiterdörfer Lüschow, Schwinz und Jellen nördlich des Goldberger Sees wurde als sehr breiter Klosterweg zeitweilig auch als Poststraße genutzt. Der Grüne Jäger war Rastplatz für Postkutscher, Kaufleute und Reisende und ein Ort, um die Pferde wechseln zu können. Um diesen Ort trieben sich auch für Wegelagerer und lichtscheues Gesindel herum. Der nächste Haltepunkt war dann der Bornkrug südlich von Linstow mit einem Postwärter-Amt und zugehöriger Station.

Um 1750 baute man auf der Karower Seite ein großes Wirtshaus mit Stallungen für 50 Pferde und auf der Bossower Seite errichtete das Dobbertiner Klosteramt noch ein Waldwärterhäuschen. Der Kammerherr Engelke von Plessen ließ dann 1789 auf der Woostener Seite einen Katen für seinen Leibkutscher David Roepke bauen.

In der näheren Umgebung vom Grünen Jäger sollen einst auch ein Teerofen, eine Kalkbrennerei und beim Brillensee eine Glashütte gestanden haben. Von Engelke von Plessen war zu hören, dass er Anfang 1800 beim Spiel im „Hotel Erbgroßherzog“ in Güstrow die Woostener Heide an den Großherzog Friedrich Franz I. verloren hatte. Diesen Verlust konnte Engelke von Plessen nie verwinden.

Im Wirtshaus am Grünen Jäger kam es öfters mal zu Schlägereien, auch von Totschlag war die Rede. Doch was war geschehen? Eines Abends kehrten dort zwei Handwerksburschen ein, ein Nagelschmied und ein Schneider. Als sie den Wirt nach dem Essen bezahlen wollten, suchte der Nagelschmied lange in seinen Taschen herum, in der es klimperte und klirrte, bis er endlich einen Schilling herausholte. Er erweckte durch das Geklirr den Anschein, als habe er viel Geld bei sich. Am anderen Morgen zogen die beiden zusammen nach Sandhof los. Gleich hinter Wooster Teerofen griff der Schneider plötzlich dem Nagelschmied an den Kragen und drückte ihm die Kehle zu. Er wollte ihm das Geld abnehmen, ohne ihn umzubringen.

Doch der Nagelschmied fiel tot hin. Den Schneider erfasste Angst und Schrecken und ohne ihn zu berauben, bedeckte er ihn mit Tannen. Danach lief er den weiten Weg bis nach Goldberg, um sich dort beim Amt anzuzeigen. Man nahm ihn in Haft und bestrafte ihn. Seit dieser Zeit, die Tat soll sich vor 1850 ereignet haben, hieß die Stätte Nagels Totschlag. Sie war früher durch einen Pfosten mit einem Schild, auf dem ein Totenkopf aufgemalt war, gekennzeichnet. Jeder der vorbei ging, legte hinter den Pfosten einen Tannenzweig.

1875 brannten das Karower Gasthaus und das Bossower Holzwärterhäuschen ab und wurden nicht wieder aufgebaut. Um 1925 war der Holzwärter Friedrich Roepke als Holzvogt für alle vier Forstreviere zuständig. Nach den Kriegswirren 1945 wurde der letzte Besitzer des Grünen Jägers durch Soldaten der Roten Armee erschossen und 1950 gab es nur noch einen Trümmerhaufen. Heute erinnern an den Grünen Jäger nur noch ein zugewachsener Schutthügel sowie zwei neu gepflanzte Winterlinden.

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