bürgermeisterwahl 2015 : Große Resonanz auf kleine Runde

Etwa 70 Plauer hatten sich zum Wahlforum im Rathaussaal eingefunden. Fotos: Simone Herbst
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Etwa 70 Plauer hatten sich zum Wahlforum im Rathaussaal eingefunden. Fotos: Simone Herbst

Wahlforum in Plau am See: Zwei der drei Kandidaten stellten sich den Fragen der interessierten Bürger / Beide schlugen sich achtbar

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20. April 2015, 20:00 Uhr

Viele Plauer hatten die Hoffnung auf ein Wahlforum mit den drei Kandidaten der anstehenden Bürgermeisterwahl (26. April) wahrscheinlich schon aufgegeben. Immerhin ein erster Termin, organisiert von der Plauer Kirche, war geplatzt, da nur zwei Anwärter auf den Chefsessel im Rathaus ihr Kommen zugesagt hatten. Mit Anke Pohla, der Kandidatin der SPD, und Amtsinhaber Norbert Reier, der für die Linke antritt, waren es jetzt – gut eine Woche vor der Wahl – genau diese zwei Kandidaten, die sich der Podiumsdiskussion im Rathaussaal stellten. Kurzfristig war die von der Regionalgruppe Ludwigslust-Parchim des Unternehmerverbandes organisiert worden. Den Moderator, Geschäftsführer von TV: Schwerin Thomas Böhm, der schon vor knapp drei Wochen auch das Parchimer Wahlforum geleitet hatte, gleich im Gepäck.

Der Rathaussaal war voll. Schätzungsweise 70 Einwohner hatten sich eingefunden, um die Vorstellung der Kandidaten hautnah zu verfolgen. Zwei Stunden waren angesetzt, dann sollte zu den Personen, persönlichen Motiven der Kandidatur und diversen Sach- und Einwohnerfragen alles gesagt sein. Thomas Böhm, der die Spielregeln gleich zu Beginn festgelegt hatte (Redezeit pro Antwort zwei Minuten) agierte souverän, charmant und fair. Auch beide Kandidaten verzichteten auf Kritik am jeweilen Mitbewerber und hitzige Duelle und schlugen sich achtbar. Von Norbert Reier – seit mittlerweile 14 Jahren im Amt – hatten die meisten wahrscheinlich auch nichts anderes erwartet. Zu überraschen wusste derweil Anke Pohla. Denn obwohl die Chefin der SPD-Stadtfraktion bei zwei, drei Fragen passen musste, punktete sie ansonsten mit schlüssigen Antworten und einer Sachkenntnis, die ihre Erfahrungen aus 13 Jahren Kommunalpolitik auf Kreis- und Stadtebene verrieten.

Bevor Moderator Böhm nach etwa einer Stunde die Fragerunde für die Bürger eröffnete, hatte er Anke Pohla und Norbert Reier gekonnt durch etliche Standard-Themen gefragt. Hier ging es um Kreis-Land-Beziehungen, die Folgen der demografischen Entwicklung, die Wirtschaftsförderung, die Belebung der Innenstadt, die Einbeziehung der Bürger in Entscheidungen, die Kulturlandschaft, die Sportförderung, den Tourismus und nicht zuletzt den Führungsstil im Rathaus. Die Kandidaten widersprachen sich kaum. Im Gegenteil, auf die Frage nach Auswirkungen der Kreisgebietsreform, verhehlte Reier nicht, dass er den Landkreis für viel zu groß erachte, sich die Frage nach der Organisation der Verwaltung stelle, dass es das Ehrenamt zunehmend schwerer hat und – weil die Bürger immer weitere Wege zurücklegen müssen – ÖPNV und SPNV angepasst werden müssen. Stattdessen werde gestrichen. Wirtschaft, ärztliche Versorgung, ÖPNV, „wir gehören zum Landkreis, das muss der Landrat akzeptieren“, so Anke Pohla, die aus ihrem Wahlprogramm zitierte, als sie davon sprach, Plau an die Metropolregion Hamburg anzuschließen. Die reiche doch nur bis Ludwigslust, wie solle das gehen, hakte ein Bürger nach. Sicher, Plau liege auf der anderen Seite des Landkreises, doch sehe sie gar nicht ein, warum der Luftkurort nicht von den Effekten der Metropolregion profitieren solle, konterte Anke Pohla.

Es hagelte Fragen - zum Radweg Richtung Kalkofen, dem wachsenden Ärgernis Hundekot in der Stadt, zur Zukunft des Kinos, der Badeanstalt, dem Standort des Tierheims, bezahlbarem Wohnraum für junge Familien und sogar der Übertragung städtischer Veranstaltungen per Web-Cam… Ein Thema erhitzte die Gemüter jedoch ganz besonders: Und das waren Gülleausbringung und Geruchsbelästigung durch das Landgut. Anke Pohla schlug vor, den sich einst damit schon mal befassenden Ausschuss wiederzubeleben und notfalls beim Betreiber ihren weiblichen Charme spielen zu lassen. Sachlicher formulierte es Reier: Hier gelten die Düngemittelverordnung, Naturschutzrecht und Bundesimissionsschutzgesetz. Auf alles habe die Stadt aber keinen direkten Einfluss. Bei 3200 Rindern, ist Plaus Beiname Luftkurort da überhaupt noch gerechtfertigt oder wäre Kurort da nicht ausreichend?, kam die gezielte Nachfrage. „Oder Kuhort“, spitzte der Moderator die Frage zu. Er verstehe den Frust, es brauche jedoch anderer Rechtsgrundlagen, so Norbert Reier. Und Hinweise an die Stadt, um etwas unternehmen zu können, schob Anke Pohla nach.

Inwieweit das Wahlforum aufschlussreich war und eine Woche vor der Wahl vielleicht schon einen Sieger sah, muss jeder für sich entscheiden. Definitiv bot es die Chance, den Kandidaten empfindlich auf den Zahn zu fühlen.

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