Lübz : Große Reise zu Natur-Sensationen

In der kleinen Runde wurde mit Peter Maass viel geplaudert, gefragt und gelacht.
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In der kleinen Runde wurde mit Peter Maass viel geplaudert, gefragt und gelacht.

Peter Maass vom Bund für Umwelt und Naturschutz begeisterte im Lübzer Mehrgenerationenhaus mit dem Vortrag „Ameisenlöwe &Co.“.

svz.de von
02. Mai 2017, 12:00 Uhr

„Mein Spezialgebiet ist die Gewölle-Analyse”, sagt Peter Maass, ehemals Forsteleve, heute Mitarbeiter des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (kurz BUND). Darüber hinaus, erkennt das Publikum, das sich an diesem Tag zu seinem Vortrag im Lübzer Mehrgenerationenhaus (MGH) eingefunden hat, erstreckt sich sein Wissensgebiet scheinbar über das komplette Naturreich, reicht von der versteinerten Nautilusschnecke bis zu Flechten und Moosen. Das kleinste und größte Insekt, die Anzahl der Wolfspaare im Land oder die zwölf in heimischer Erde grabenden Regenwurmarten – er nennt die Zahlen und die Namen, verfügt über ein scheinbar unbegrenztes Wissen und speichert es vor dem erstaunten Publikum aus.

Wer die Nase voll hat von Schaubildern, Tabellen und einem Schwall von Stichwörtern in den üblichen Powerpoint-Präsentationen, der kommt bei Peter Maas voll auf seine Kosten. Seine Show ist absolut schnurrig. Anderthalb Stunden lang streift das Publikum mit Maass als Aufklärer durch den natürlichen Kosmos der Kontinente, die der Naturfan bislang bereist hat, und das sind alle bis auf Australien. Exotische Riesenschmetterlinge, Käfer und – igitt möchte man spontan sagen – das größte Insekt Afrikas: Ausgetrocknet und schwarz schwimmt es im Spiritus und streckt seine dürren Gliedmaßen aus. Es ist eine Riesenheuschrecke, aber so wie hier zu sehen, macht sie die biblische Heuschreckenplage zur Gruselgeschichte. „Keine Angst”, sagt Maass schmunzelnd, „der Deckel ist fest verschraubt.“

So etwas gibt es tatsächlich?, fragt man sich während der Demonstration immer wieder. Das Besondere an Maass` Vorträgen nämlich ist: Er zeigt Fundstücke in Hülle und Fülle und in absolut bunter Reihenfolge, aber er hat ein Händchen für die Auswahl erstaunlicher Objekte, für natürliche Kuriositäten, die das Publikum animieren. „Wer weiß denn, was das ist?“ so immer wieder seine launige Frage an die eher ahnungslosen Zuhörer, und dann zaubert er ein weiteres Schaustück aus seiner Sammlerkiste und lässt es durchreichen. Von eingewanderten Pflanzen und Tieren (Neobiota) ist die Rede. Neben Waschbär und Marderhund beispielsweise sei die Wanderratte bei uns heimisch geworden – mit dem Effekt, dass sie die Hausratte vernichtet habe. Schon gewusst? Oder dass sich immer das jüngste Störchlein als erstes nach Afrika aufmacht? Und dass unter Schreiadlern Brudermord (Kainismus) an der Tagesordnung ist und der erste Nachkomme immer den zweiten auffrisst?

Heute noch ist Peter Maass jeden Tag eine bis anderthalb Stunden im Wald. Wie ist es nur möglich, dass er, egal wo er die Natur durchstreift, so oft etwas Bemerkenswertes findet? „Ich habe natürlich ein Auge dafür”, sagt er. „Und man muss das Biotop kennen.” Nach anderthalb Stunden jedenfalls hat der Gewöllespezialist uns fast keine Gewölle gezeigt, dafür aber jede Menge anderes im Galopp quer Beet.

Und was sollte der im Titel des Vortrags genannte „Ameisenlöwe” sein? Die Auflösung: Ein Ameisenlöwe ist die Larve der „Ameisenjungfer”. Sie ist zwar keine Ameise, sondern eine Kleinlibelle, aber ihre Larve wird (warum eigentlich?) „Ameisenlöwe” genannt. In lockerem, trockenen Boden gräbt sie sich einen Fangtrichter und lauert auf seinem Grund verdeckt auf Beute. Fällt ein Insekt in den Trichter, stürzt die hässliche Larve sich unerbittlich auf ihr Opfer. Ein kleines Tier mit großem Namen!


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