Natur : Graugans-Invasion am Plauer See

Gänseinvasion am Plauer Freibad –  aus hygienischen Gründen  sollte das  den zuständigen Stellen      zu denken geben.
1 von 4
Gänseinvasion am Plauer Freibad – aus hygienischen Gründen sollte das den zuständigen Stellen zu denken geben.

Fraßschäden lassen Schilfgürtel am Westufer seit Jahren ausdünnen. Dr. Jürgen Gebert plädiert für Aufhebung des strikten Jagdverbotes.

von
12. März 2014, 22:00 Uhr

Plau  am See Wenn die Wildgänse ziehen und den  Himmel verdunkeln, ist das  ein  faszinierender Anblick. Wenn sich  die Tiere  zu  Hunderten  auf den Wiesen  niederlassen, ist das  imposant. Wenn  sie aber  mit Erwachen des  Frühlings den Plauer See heimsuchen,  dann  fällt es  Dr.  Jürgen Gebert    zunehmend schwerer, die  Schönheit dieser  majestätischen Vögel zu bejubeln.    Seit Jahren  beobachtet der Plauer, wie sich immer mehr Gänse am Westufer des Sees festbeißen. Im wahrsten Sinne des Wortes.  Nicht  die Gäste aus Skandinavien  wie   die Bless- oder die Saatgans seien es,  sagt er. Die heimische Graugans sehe im Plauer See  Pool und gedeckten Tisch gleichermaßen.

„Wenn der See  nach dem Winter  aufgeht, treibt das Eis mit dem Westwind aufs Ostufer“,  sagt Gebert.  Schilf    gebe  es  hier auch deshalb kaum. „Anders am  Westufer. Noch vor  20 Jahren  hatten wir hier einen wunderbaren Schilfgürtel. Eine richtige Wand. “ Ideal  für viele Wasservogelarten. Bis  eine neue Verordnung  zur Bejagung der Tiere griff. „An den Schlafplätzen  wurde  die komplett eingestellt, wie weitere  500 Meter landeinwärts“, weiß Gebert. Ad hoc habe das  zwar  nicht zur Explosion des Bestands geführt.  Doch über die Jahre.   „Graugänse  sind schlau, sie  reagieren  sehr empfindlich auf  jagdliche Störung   und Nachstellung“, weiß  der Plauer, der    beruflich in der Forst und der Landwirtschaft gearbeitet hat  und seine Passion als Jäger  nie  nur im Abschuss  sah.  „An  unserem See,   das haben  die Tiere gelernt, sind sie unbehelligt.“

Graugänse brüten im Hinterland, in trockenen  Regionen, an Standorten ohne tiefes Wasser.  In kalten Wintern  weichen sie  bis in den Mittelmeerraum aus. Sobald das Getreide reift,  sind sie da und beginnen   zu äsen. Graugänse   leben  in  so genannter „Einehe“ und  bringen  im Frühjahr durchschnittlich fünf bis sechs Junge zur Welt. Kaum sind die  flügge, marschiert die Familie aufs Wasser zu.  „Klar, das  ist  schön anzusehen. Nur  wollen   die  auch alle von was  leben“, gibt Gebert zu bedenken und  beobachtet   besorgt, wie  sich  die Tiere am  Westufer  gütlich tun. Ungejagt,  nicht vergrämt  –  ungehindert. „Wird das Schilf grün, weiden  die Gänse den Gürtel ab. Immer und immer wieder.  Mit den  Rhizomen, den Sprösslingen, die  sie  unter  Wasser   finden, füttern sie ihre Jungen. Tonnenweise. Ganze Strandpartien Schilf  sind  völlig ausgedünnt“, sagt Gebert und schneidet ein anderes Thema  nur an. „In dieser Konzentration sind   die Gänse  natürlich  auch  hygienisch ein großes Problem. Selbst die Wiese  im Freibad   fressen sie ab. Und all das kommt  irgendwann   hinten wieder raus, an Land, im Wasser…“

Eine Chance, den Schilfgürtel am Westufer des Sees zu schützen und   Brut- und Schlafplätze  für  diverse Arten  von Wasservögeln (nicht nur die Graugans) zu retten, sieht Dr.    Gebert in ihrer moderaten Bejagung   bzw. Vergrämung.  Verbündete  fand  er  noch keine. Zumindest nicht von offizieller Seite.  Vom Nabu etwa bekam  er zu hören, das müssten  die Waschbären regeln. Das StALU Westmecklenburg  berief  sich nach einer Anfrage  des Plauers auf den Managementplan Plauer See, an dem  seit Anfang 2012  ein  Fachbüro gearbeitet hatte. Im Juni vergangenen Jahres  wurde  der Plan veröffentlicht.  Die Schädigung des Schilfbestandes  sei weder  von den Experten noch   den zuständigen Behörden als Problem gesehen worden.  Das sei vielmehr die intensive touristische Nutzung  sowie die Zunahme des Bootsverkehrs  und die Uferverbauung. An sich aber  gelte  der  Erhaltungszustand des Sees als günstig.

Dr. Gebert, dem dies in  einem Schreiben vom Umweltministerium  mitgeteilt  worden  war,  ist sauer: „Ich wollte   die Aufnahme  der Fraßschäden in die Managementplanung erreichen, einen Runden Tisch ins Leben rufen, weil  es für eventuelle jagdliche  Maßnahmen die   Akzeptanz vieler braucht. Doch die Damen  und Herren scheinen sich nur auf die Armleuchteralge,  Fischotter und Bootsstege konzentrieren zu wollen.“

 Jetzt setzt der Plauer alle Hoffnung  auf  die „Verordnung zur Änderung der Jagdzeiten des Bundes“. Die ist  Ländersache und enthält  eine Liste    mit ca. 100 Seen im Land, die  im Rahmen des Wildmanagements als Schlafgewässer ausgewiesen sind  und  nicht  bejagt  werden  dürfen. „Diese Liste ist  natürlich nicht  in Stein gehauen. Alle  fünf Jahre  wird sie überprüft  und  neu abgewogen“, so Matthias Rackwitz. Der Jagdreferent beim Umweltministerium  hält es für nicht  ausgeschlossen, dass  die Fraßschäden den Graugänsen zugeordnet werden und  das dazu führen  könnte, den Plauer See  von der Liste zu nehmen. Vielleicht schon bis Jahresende.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen