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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

21. November 2017 | 22:35 Uhr

Plau am See : Grabungsteam vor Plaus Stadttoren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Weiträumiges Areal wird untersucht bevor Bau der Ortsumgehung beginnt

von
erstellt am 09.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Vor den Toren Plaus hat vor einigen Tagen ein Grabungsteam seine Zelte aufgeschlagen. Das Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege hat es entsandt. Aufgabe der Archäologen: Bis Jahresende jenes Areal zu untersuchen und zu durchkämmen, auf dem in (inzwischen) absehbarer Zeit die Nordtangente der Plauer Ortsumgehung gebaut werden soll.

„Das Zeitfenster ist schon recht klein“, sagt Uwe Weiß und hofft auf einen goldenen Herbst und einen nicht so frühen Wintereinbruch. „Hält das Wetter, sollten wir es schaffen.“ Das Areal, das der Grabungsleiter und seine Mitarbeiter derzeit durchkämmen, ist etwa 80 mal 200 Meter groß. Das Team hofft hier auf zahlreiche Funde. Steinzeitliche, wahrscheinlich Mittelsteinzeit um die 7000 bis 5000 v.  Chr., aber auch aus der Bronze- und der Slawenzeit. Die ersten Überreste slawischer Gehöfte haben die Vier bereits gefunden – ein Messer und diverse Scherben, die definitiv aus unterschiedlichen Materialien bestehen und aus verschiedenen Epochen stammen. Ob einige dieser Funde vielleicht genau jene Ära markieren, in der die Menschen anfingen, konzentrierte Siedlungen zu bauen – der Archäologe spricht von früher Kolonialisierung – müssen erst noch weitere Untersuchungen zeigen.

Momentan ist ein Team vor Ort. Um die Arbeiten rasch voranzutreiben, wird in Kürze ein zweites nach Plau am See geschickt. Und dann soll auch östlich, also auf der Stadtseite der Elde gegraben werden. Hier vermuten die Archäologen Überreste der steinzeitlichen Menschen. Simone Nietzsche, die gerade akribisch alle Details erfasst, die eine slawische Siedlungsgrube freigibt, freut sich auf die „Steinzeit“. „Ich war schon bei vielen Ausgrabungen dabei, aber bei einem solchen Projekt noch nie.“ Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Warenerin beruflich über einige Umwege erst spät zum Denkmalschutz und hier zur Archäologie gekommen war. „Ich wollte nicht mehr Bauzeichnen, hätte auch nicht bis zur Rente in der Altenpflege arbeiten können“, sagt sie. „Das hier, diese Buddelei, die macht mir Spaß. Das bin ich.“

Erst anderthalb Wochen auf dem Plauer Acker, ist auch Grabungsleiter Uwe Weiß die Plauer „Ortsumgehungsbaustelle“ ans Herz gewachsen. „Als Archäologe hier im Land macht man viele kleine Projekte oder manchmal auch keine. Dies ist endlich mal eine größere Ausgrabung.“

Eingelagert werden die Funde der nächsten Monate - wenn sie erstmal gewaschen, aufgearbeitet und inventarisiert sind - im provisorischen Depot des Landesamtes. Ob sie aber jemals den Weg in museale Vitrinen finden werden, ist unklar. Mecklenburg-Vorpommern ist einziges Bundeslandes, das kein archäologisches Landesmuseum unterhält. „Wer etwa die jüngsten bronzezeitlichen Funde vom Schlachtfeld im Tollensetal sehen will, muss bis nach Halle fahren“, bedauert Weiß.

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