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Geheimnisvoller Stein von 1904 in Woosten : Grabsteine: Jeder hat eine Geschichte

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Zu jedem Grabstein, zu jeder Inschrift gibt es eine Geschichte, es steht ein Mensch dahinter, der einmal gelebt hat. Sie sind oft viele Jahre alt: So auch ein geheimnisvoller Stein in Woosten, der seit 1904 dort steht.

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erstellt am 30.Jul.2013 | 05:53 Uhr

Woosten | Zu fast jedem Ort gibt es bei einen Friedhof. Hier ruhen sie, diejenigen, die uns etwas bedeutet haben. Oft trifft man auf dem Friedhof Leute, die das Grab ihrer Familie pflegen, man kommt ab und zu ins Gespräch. Manchmal geht man allein in aller Ruhe von Grab zu Grab, erinnert sich an diesen und jenen. Zu jedem Stein, zu jeder Inschrift gibt es eine Geschichte, es steht ein Mensch dahinter, der einmal hier gelebt hat.

Viele Grabsteine sind inzwischen verschwunden - die Zeit war um; irgendwann ist ein anderer Stein da, ein anderer Name. Seit ganz langer Zeit steht auf dem Friedhof in Woosten ein schöner alter und auch großer Stein. Die Inschrift lässt erkennen, es war ein junger Mann, ein Leutnant, 25 Jahre alt. Seit 1904 steht dieser Stein auf diesem Friedhof.

Schon als Kinder haben wir hier verweilt und überlegt, wer es wohl war. Warum ist er so früh gestorben? Immer und immer wieder zog es uns zu diesem Stein, auch zu anderen, die besonders waren, die es leider heute nicht mehr gibt. In diesem Frühjahr wurde dieser Grab-Stein in einer Nacht - und Nebelaktion umgestoßen. Die Gießkannen des Friedhofes wurden hier und da hingeworfen, wer randaliert auf einem Friedhof, stört die Ruhe, haben sich viele gefragt? Die Täter wurden nicht gefunden. Aber, der Stein lag nun.

Auf einmal kamen wieder Gedanken, wer war der junge Leutnant, der hier auf dem Wooster Friedhof seine letzte Ruhe fand. Hinweise gab die Chronik von Woosten und auch die Suche auf der Internetseite "ancestry". Wer hier hinein sieht, kann viel über das Leben eines Dorfes erfahren. So konnte (und kann) ich mit Hilfe dieser Seite in die Kirchenbücher Mecklenburgs von 1876 bis 1918 sehen, kann auch in die Passagierlisten der Auswandererzeit sehen und noch viel mehr. Bei der Suche nach Einträgen über meine Familienmitglieder stieß ich auch auf den Eintrag über den Tod von Friedrich Adolf Philippi.

Auf dem Grabstein steht genau dieser Name mit folgenden Zusatz: Königl. Sächs. Leutnant zu Bautzen, geb. zu Hohenkirchen, 4. Juni 1879, gest. zu Woosten 17. Juli 1904. Ein Leutnant in Woosten?Zu dieser Zeit war Karl Ernst Theodor Sothmann Pastor in Woosten. Seine Frau Johanna Friederike Pauline Emma, geb. Philippi.

Der junge Leutnant war also zu Besuch bei seinen Verwandten, im Sommer 1904. An diesem Sonntag war er mit Freuden zum Schwimmen. Der Wooster See lockte zum Baden. In der Goldberger Zeitung der damaligen Zeit heißt es dazu: "Am Sonntag, 17. Juli: Heute Morgen ertrank beim Baden im Wooster See der Leutnant Philippi des Königl. Sächsischen Inf.Regts. Nr 103 ( Garnison Bautzen ). Der 25-jährige Offizier weilte seit Freitag bei seinen Verwandten, der Pastorenfamilie in Woosten. Mit ihm zusammen badete der Sohn des dortigen Gutspächters und ein Volontär des Gutes. Der Verunglückte war ein guter Schwimmer. Etwa 30 Meter von der Badestelle schrie er plötzlich auf und versank, jedenfalls vom Herzschlag gerührt. Die mit Lebensgefahr von den Begleitern angestellten Rettungsversuche misslangen. Die Leiche wurde erst nach mehrstündigem Suchen gefunden. Der inzwischen von hier gerufene Arzt konnte nur noch den Tod konstatieren."

Der Eintrag im Wooster Kirchenbuch sagt aus, dass der junge Leutnant 25 Jahre, 1 Monat und 13 Tage alt wurde. Sein Vater war Dr. Ferdinand Phipippi, Pastor zu Hohenkirchen, seine Mutter Blanca, geb. Wedemeier.

Mittlerweile steht der Gabstein steht wieder und hat nun eine Geschichte, ein Gesicht wie viele andere Grabsteine auf vielen anderen Friedhöfen.

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