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19. Oktober 2017 | 11:03 Uhr

Plau : Grabend die Heimat erkunden

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Junge Archäologen stellen im Plauer Kinder- und Jugendzentrum ihre Funde aus. Arbeitsgemeinschaft soll fortgeführt werden

svz.de von
erstellt am 13.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Noch bis zum Ende der Sommerferien ist im Plauer Kinder- und Jugendzentrum am Bahnhof eine Ausstellung mit archäologischen Funden zu sehen, die eine Arbeitsgemeinschaft der Klüschenbergschule bei Grabungen auf der Bautrasse der künftigen Umgehungsstraße gemacht hat.

Die Idee für die Arbeitsgemeinschaft hatte Zentrumsleiter Thomas Küstner. Der Jugendpfleger hatte außer seinem Magister-Studium der Soziologie im Nebenfach Ur- und Frühgeschichte studiert. „Ich will Kinder und Jugendliche für ihre Heimat begeistern.“ Mecklenburg sei eine schon früh besiedelte Region gewiesen „und gilt als Wiege der Archäologie“.

Als bei den Bauarbeiten zur Trasse der Plauer Umgehungsstraße im September vergangenen Jahres Mitarbeiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege anrückten, um nach frühen Siedlungsspuren zu suchen, nahm Küstner umgehend Kontakt mit der Plauer Klüschenbergschule auf. „Dort rannte ich offene Türen ein.“ Im Rahmen der Ganztagsangebote kam schnell eine Arbeitsgemeinschaft für Sechstklässler zusammen. „Die Schulkinder konnten es kaum abwarten, sich als Schatzgräber zu betätigen.“ Bei einer ersten Feldbegehung beiderseits der Elde im Bereich der heutigen Brückentrasse wurden sogleich Scherben aus der Slawenzeit zutage gefördert. Zuvor war das Landesamt dort auf Reste einer Siedlung namens „Wüstung Kleve“ gestoßen und dokumentierte sechs so genannte Hallenhäuser, die meisten bis elf Meter breit und 20 Meter lang.

Unter Anleitung des Hobby-Archäologen Reinhard Dudlitz (Ruthen) fand die Schüler-AG unter anderem Münzen und Feuersteine zum Abschlagen von Messer-, Pfeil- und Speerspitzen.

Karan (12) stieß sogar auf die Reste einer Schale, die dann von den Profis des Landesamts zusammengesetzt wurde und jetzt zu den Prunkstücken der Ausstellung zählt. Thomas Küstner fand das Bruchstück vom Mahlstein einer Drehmühle. Er besteht aus Lavagestein, das nicht in Mecklenburg, sondern im Rheinland vorkommt. „Das ist der Beweis für weit reichende Handelsbeziehungen.“

Der Jugendpfleger findet es höchst bedauerlich, dass es in Mecklenburg-Vorpommern kein archäologisches Landesmuseum gibt. „Sehenswerte Funde schmoren entweder in irgendwelchen Depots oder landen in Privatbesitz.“ Thomas Küstner will die Arbeitsgemeinschaft gern im Kinder- und Jugendzentrum auf freiwilliger Basis weiterführen. Wer sich dafür interessiert, möge Kontakt aufnehmen: telefonisch unter der Rufnummer (038735) 46555 oder per Mail (kijuz@amtplau.de).

Am heutigen Montag starten Hobby-Archäologen um 17 Uhr in Richtung Insel Rügen. In der Nähe von Kap Arkona bietet Dr. Fred Ruchhöft die kostenlose Gelegenheit, an Ausgrabungen rund um den Tempel der slawischen Gottheit Svantevit mitzuwirken. Übernachtet wird in Zelten. Der Arbeitseinsatz ist für Jugendliche und junge Erwachsene bis 24 Jahren gedacht. Die Rückfahrt wird am Donnerstag (17.) angetreten.

 

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