Interview mit Goldbergs Bürgermeister : Goldberger Ambitionen für 2018

Auch 2018 steht einiges in Goldberg an: Bürgermeister Peer Grützmacher packt die Dinge positiv an.
Auch 2018 steht einiges in Goldberg an: Bürgermeister Peer Grützmacher packt die Dinge positiv an.

Mit Bürgermeister Peer Grützmacher sprachen wir im SVZ-Interview über vergangenes Jahr und neue Herausforderungen

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12. Januar 2018, 12:00 Uhr

Naturmuseum, Finanzen, Ferienhäuser am Goldberger See... das alte wie auch das neue Jahr halten für die Stadt Goldberg einige Herausforderungen bereit. Im Interview mit SVZ-Redakteurin Sabrina Panknin verrät Goldbergs Bürgermeister Peer Grützmacher, das trotz aller Schwierigkeiten „sein Glas immer halb voll ist“. Auch 2018 schaut das Stadtoberhaupt positiv in die Zukunft.

Das neue Jahr hat schon einige Tage wieder hinter sich. Was hat im vergangenen Jahr in Goldberg gut funktioniert?

Grützmacher: Wir haben es geschafft, dass die Sanierungsarbeiten unseres Naturmuseums recht zeitnah übers Jahr gebracht wurden. Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr wiedereröffnen können, was sehr ambitioniert wäre. Wir versuchen, das „Alte“ des Museums zu bewahren, aber auch besondere Schätze hervorzuheben. Wir wollen uns mit unserem Museum von anderen – gewöhnlichen Natur- und Heimatmuseen – abheben. Dennoch müssen wir auch kurzfristig schauen, wie wir das neue Museumskonzept finanziell umsetzen können.
Weiter haben wir einiges andere auf den Weg gebracht. Unter anderem den B-Plan für das neue Heim der Diakonie. Ein wichtiger Schritt war, den Bauhof an die Wohnungsgesellschaft zu übertragen. Nach einem etwas holprigen Übergang hat es jetzt aber ganz gut geklappt. Mit der Übergabe an die Wohnungsgesellschaft glauben wir an Synergieeffekte und einen finanziell stabilen Kostenrahmen. Das kommt dann auch der Gesellschaft zu Gute.
Zum Ende des vergangenen Jahres lag die Fortschreibung der Kalkulation für die Niederschlagswassergebühren vor. Und die sich daraus ergebende Satzung wurde durch die Stadtvertretung gebilligt. Die Kalkulation hat dieses Mal ein neuer Partner übernommen.
Herr Grützmacher, Sie haben das Naturmuseum angesprochen. Wie wichtig sind Sanierung und neues Konzept?

Zum einen haben wir mit der Sanierung des Naturmuseums vor dem bautechnischen und touristischen Hintergrund begonnen. Geplant ist, dass auch die Tourist-Information wieder dort einzieht.
Zum anderen wollen wir mit dem neuen Konzept versuchen, dass das Museum wieder mehr frequentiert wird. Dafür haben wir uns vom Museumsverband Hilfe geholt. Das Museum soll erlebbar gemacht werden. Gerade für Jüngere ist es wichtig, dass sie nicht bloß vor den Glaskästen stehen, sondern sich interaktiv mit der Geschichte auseinandersetzen können.
Außerdem ist es mir besonders wichtig gewesen, eines der schönsten Häuser Goldbergs zu erhalten. Das war nicht leicht, zumal bei der Sanierung der Spagat zwischen Denkmalschutz und energetischer Sanierung gemacht werden musste.
In den kommenden Monaten werden noch die Feinheiten ausgearbeitet. Auch die Parkplatzsituation vor dem Museum gehört dazu.
Das ist einiges, was gut funktioniert hat. Doch was hat weniger gut geklappt im vergangenen Jahr?

Ganz klar die Sanierung der Langen Straße. Wir sind nicht Bauherr gewesen. Die Lange Straße ist eine Bundesstraße. Wir waren nur als ein Anhängsel an der Baumaßnahme beteiligt. Mit der Qualität und der Bauzeit bin ich auf jeden Fall nicht zufrieden. Die Anwohner und auch Geschäftsleute der Langen Straße waren alles andere als zufrieden. Bei den Schachtabdeckungen gab es Probleme bezüglich der Stabilität des Rahmens, was zur Folge hatte, dass viele ausgetauscht werden mussten und die Gussasphaltstreifen leiteten stellenweise kein oder kaum Wasser ab. Nach dem Regen stand dann das Wasser gerade hier in der Langen Straße vor dem Blumengeschäft. Tageweise ist aber irgendwie auch nie etwas passiert auf der Baustelle. Und oben drauf kam dann noch die Umleitungsstrecke, die an sich erprobt ist in Goldberg. Doch für die teilweise sehr verwirrende Ausschilderung konnten wir nichts.

Ruhig ist es um das Projekt „Ferienhäuser am Goldberger See“ geworden. Wie sieht der Stand der Dinge aus?

Derzeit ist der B-Plan dafür in Arbeit. Mit den Investoren sind wir immer noch im Gespräch. Auch die IHK möchte das Projekt unterstützen. Ein paar Probleme haben wir aber noch zu bewerkstelligen.

Kommen wir zu einem etwas unbequemen Thema – die Finanzen. Wie sieht es in Goldberg aus, auch mit Blick auf das reformierte Finanzausgleichsgesetz?

Uns kommt in diesem Jahr zugute, dass die positiven steuerlichen Nachwirkungen aus 2015 überwunden sind. Dadurch haben wir eine niedrigere Kreisumlage und höhere Schlüsselzuweisungen. Dennoch haut uns das noch lange nicht raus, da wir vor allem gleichbleibende, aber geringe Steuereinnahmen haben. Und genau das ist es, wodurch wir aus dem Dilemma nicht herauskommen.
Wir müssen auch das Thema der wirtschaftlichen Betätigung angehen, um eine Besserung der Finanzsituation zu erzielen.
Wie heißt es so schön: Neues Jahr, neues Glück. Zwischen jetzt und dem 1. Januar 2019 liegen noch genau 355 Tage. Welche Herausforderungen gibt es für Goldberg?

Ich hoffe, dass mit der Modellregion „Ländliche Gestaltungsräume“ alles so klappt, wie wir uns das erhoffen. Ich bin derzeit noch eher zurückhaltend, auch mit möglichen Projekten, die in der Zukunft vielleicht umgesetzt werden können. Sicher ist, dass wir weg müssen vom Konkurrenzdenken unter den Gemeinden. Den zentralen Ort müssen wir stärken. Das heißt nicht, dass alles nur noch in Goldberg anzusiedeln ist. Doch einiges, was hier ist, muss hier auch bleiben und ausgebaut werden.
Unsere Einwohner sind und werden immer älter. Damit müssen wir auch in Zukunft umgehen. Damit junge Leute hier bleiben, sind Arbeitsplätze das A und O. Die haben wir aber leider nicht. Ich finde es schade, dass immer mehr die Bereitschaft zur Selbstständigkeit fehlt. Gute Unternehmer täten auch den Vereinen, dem kulturellen Leben vor Ort gut. Meiner Meinung nach werden die Chancen der Selbstständigkeit einfach zu wenig herausgestellt.

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