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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. Oktober 2017 | 01:03 Uhr

Karneval : Goldberg im Ausnahmezustand

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Wider den tierischen Ernst: In der Stadt landete eine Arche närrischer Tiere / Bei buntem, kontrastreichen Karnevalsvprogramm gefeiert

In den Besucherreihen der großen Turnhalle ein Vogel Strauß und ein Zebra, ein Panther, ein Leopard und mitten im Getümmel immer wieder ein weißbärtiger Greis im wallenden Gewand, von dem man annehmen darf, dass er Gott darstellen soll. Des Rätsels Lösung: Die Arche Noah hat in Goldberg angelegt und ihre Passagiere sind im Karnevalspalast des GKC ’94 an Land gegangen.

In monatelanger Arbeit haben die Enthusiasten des Vereins dafür gearbeitet, dass ihr diesjähriges Motto „Die Arche Noah ist zu Gast in unserem Karnevalspalast“ bunt, vielfältig und natürlich ziemlich närrisch in Szene gesetzt sein wird. Die frisch renovierte große Halle hat ihre sportliche Nüchternheit vorübergehend abgetreten, die Bühne schmückt ein Riesenbild der Arche Noah, ein Schiff mit grinsenden, glupschäugigen Tieren. Von biblischem Ernst (natürlich) keine Spur.

Zu Beginn zerren perfekt kostümierte Piraten die sich sträubenden Akteure an langen Seilen auf die Bühne, bis der ganze Club dort versammelt ist. Dazu erklingt „Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren“ und das närrische Volk – darunter auch Gäste beispielsweise aus Lübz und Leisten – kann sich in Stimmung singen. Die gemäß Brauchtum gestalteten Auf- und Abmärsche, angesagt von Hofmarschall Andreas Winkler, der sich zeitgemäß auch schon mal Moderator nennt, führen schließlich auch das Prinzenpaar durch ein Spalier von Funken und Prinzengarde auf die Bühne. In seiner kurzen Prinzenrede geht Maik III. unter anderem auf den Lokführerstreik ein, der an den Goldbergern aber vorbeigehe, denn auch mit dem Goldberger Bahnhof sei es schon lange vorbei. Und dann die eindeutige Botschaft: „Pegida soll der Teufel holen“.

Nach gutem Brauch mischen sich auch heute auf dem großen Karneval derber, ausgelassener Witz und weiblicher Charme, also Bütt und närrische Tanzdarbietungen auf der einen und die Ästhetik der Gardetänzerinnen, des Tanzpaars und des Tanzmariechens auf der anderen Seite. Die Tänzerinnen begeistern nicht nur durch ihre Leistung, die stellenweise fast akrobatisch ausfällt, sondern auch durch die Frische und Begeisterung, die sie ausstrahlen. Ein besonderer Publikumsliebling ist offensichtlich die Minigarde der bis zu zehn Jahre alten Kinder, die in ihrem Showteil als Katzentruppe auftreten und das Publikum durch Leistung, aber auch wegen ihres besonderen kindlichen Eifers anrühren. Die Minigarde wird sich übrigens auch der Jury des landesweiten Jugendkunstpreises stellen, der am 22. März dieses Jahres in Goldberg stattfinden wird. „Ein Leistungsvergleich soll es sein, bei dem alle Teilnehmenden vor allem dazulernen sollen“, bemerkte Winkler vor Beginn der Veranstaltung.

Die derben Hits des Abends bieten die „Saunafreunde“, die beispielsweise unter viel Wasserdampf darüber spekulieren, wie es mit den Einkaufsmöglichkeiten in Goldberg wohl weitergehen möge. Nur noch zwei „Einkaufstempel“ biete die Innenstadt. Und: „Die Arbeitszeit wird den Frauen an der Kasse gutgeschrieben.“

Kultstatus hat das Goldberger Männerballett. Falsche Busen, kurze Röckchen, muskulöse Beine, das blanke Gegenteil von Grazie reizt die Lachmuskeln ebenso wie das Nonnenballett der Showtanzgruppe Sister Sylvi. Irgendwann steppen in der Halle nicht nur der Bär, sondern auch alle anderen „Tiere“. Die Besucher stehen auf den Bänken, klatschen, skandieren: Golle, golle, ahoi! Die Stimmung ist bis zum Schluss bestens.






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