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Stiftung für Jugendliche : Glücksfall für Jugendarbeit in Plau

vom

31 700 Euro aus Stiftungserträgen in Vereinsarbeit geflossen

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2015 | 21:00 Uhr

Während  in vielen Kommunen  – vor allem in  kleinen in den  ländlich geprägten Regionen  –  für  florierende Kinder- und Jugendarbeit  25 Jahre nach der Wende kaum mehr ein Euro  übrig ist, ist  Plau am See  seit Jahren in einer sehr komfortablen Situation. Der Ortsjugendring  hatte 2001 einen Teil des Erbes der Lübzer Aus- und Weiterbildungsgesellschaft Klebe erhalten. Die hatte sich aufgelöst und verfügte zum damaligen Zeitpunkt über ein Vermögen, das per Gesetz zwingend an gemeinnützige Vereine  zu gehen hatte. 167 000 DM wechselten  in  zwei  großen Beträgen von Klebe nach Plau am See. 

„Für uns war das natürlich ein Glücksfall  und wir waren clever“, erinnert sich  René Bühring, damals Orts- heute Amtsjugendpfleger. In Plau hatte man  gerade  das  KiJuZ, das Kinder- und Jugendzentrum, umgebaut und nutzte  nun den  unerwarteten  Geldsegen, um u.a. einen ersten Kleinbus anzuschaffen,  das  Haus einzurichten und  ein Internetcafé zu installieren. Keine kleinen Ausgaben, und  doch blieb Geld übrig. Ein stolzer Batzen, nämlich rund 140000 DM. Also setzten sich die Mitglieder des Ortsjugendringes (Zusammenschluss aus 11 Vereinen) zusammen, berieten, was  mit dem Geld passieren  sollte und entschieden,  nicht alles auszugeben.  „Wir beschlossen,  das Geld anzulegen  und  über den Verein   wie eine Stiftung zu verwalten“,  erklärt René Bühring.   Gegenüber   anderen Gremien  bot  das die Basis für demokratische Entscheidungen. „Denn wofür das Geld eingesetzt werden  sollte,  konnten  die  Leute  vor Ort  entscheiden.“ Es ging da  nicht um Riesensummen. Vielmehr  hatten  sich die Plauer  darauf  verständigt,   nur die anfallenden Zinsen für Projekte, Anschaffungen und  Vorhaben  an die  Vereine zu geben. Der Kapitalstamm  sollte  unangetastet bleiben. 

Zwölf, fast 13 Jahre funktionierte dieses System, von dem alle Mitglieder umlaufend  profitierten. Dann  kam die Finanzkrise und  bald darauf das  Finanzamt. „Das  setzte uns damals die Pistole auf die Brust. Gemeinnützige Vereinen wie wir, sagte man uns, dürften keine freien Rücklagen bilden. Wir müssten das Geld ausgeben.“

Das  freilich wäre das Ende  des Glücksfalls gewesen, weshalb der Verein   einen  anderen Weg  suchte und auch fand. Im Dezember  2012 gründete er  seine eigene Stiftung, die Plauer Kinder- und Jugendstiftung. „Die funktioniert  wie vorher, nur das  jetzt  nicht mehr nur allein die Mitgliedsvereine profitieren, sondern alle Vereine. Das Stiftungskuratorium aus  vier  Mitgliedern trifft die Auswahl der Projekte, die Vollversammlung  entscheidet über die Höhe  der Summe. 

Bei der Gründung   mit  67000 Euro ausgestattet,  beträgt das Stiftungskapital aktuell rund 72000 Euro. Grund dafür  sind  in erster Linie Spendengelder  und Zustiftungen.  „Unter Zustiftungen  sind dabei Gelder  zu verstehen, die  wir  etwa  aus Nachlässen erhalten haben  oder die uns  von Leuten  gestiftet wurden, die Geld über haben und  einen  persönlichen Beitrag  für die Kinder- und Jugendarbeit  leisten wollen“, erklärt René Bühring.  Und der Amtsjugendpfleger  reicht den Strauß an dieser Stelle auch gleich  mal  weiter: „Wer  uns  und damit den Kindern und Jugendlichen der Stadt  und der umliegenden Gemeinden etwas  Gutes  tun möchte,  kann sich   gern an uns wenden.“

Dass die Treuhandstiftung  durchaus Sinn macht,    machen ein paar Zahlen deutlich:  Die Sparkasse Parchim Lübz  war den Plauern   bei der Erarbeitung eines Anlagekonzeptes behilflich. Das musste  Kapitalgarantie sichern und ohne Risiko sein.  Die durchschnittliche Verzinsung liegt  bei 3,23 Prozent und  – und das sucht im weiten Feld der gemeinnützigen Jugendarbeit  seinesgleichen – bis Ende 2014  konnten   bereits 31700 Euro  zur   Unterstützung an   Vereine  in der Plauer Region ausgereicht werden. Vieles  war dadurch   möglich, wie etwa ein neues Funkgerät für Plaus Amateurfunker, Musikinstrumente für den Fanfarenzug, Boote  für den Segelverein, Finanzierung  von Ferienlagern, Material für Sportvereine, Spielzeug für die Schulen oder der Personalkosteneigenanteil   für   die FSJler. 

Nach Prüfung der Unterlagen aus den ersten zwei Geschätsjahren hat das Finanzamt die Treuhandstiftung inzwischen  a voll anerkannt, „was uns natürlich wichtig war, weil es die Arbeitsgrundlage bietet“, so Bühring. Der Amtsjugendpfleger, seine Kuratoriumskollegen  und die Mitglieder  hoffen  nun auf  die Nachhaltigkeit. „Unser Ziel ist es  breit aufgestellt und offen zu sein für  alle sein.  Ich wünsche mir  dabei Unterstützung von ganz vielen Menschen.“
Auf der Suche nach einem Logo –  das  soll  als nächstes kommen  –  kam übrigens   Unterstützung von der Grundschule. Die Mädchen und Jungen  brachten ihre Ideen  zu Papier. „Sie werden  auf  jeden Fall in  die professionelle Umsetzung einfließen“, verspricht Bühring.

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