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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

18. Oktober 2017 | 17:08 Uhr

Schule : Glücklicher kleiner Schmetterling

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Charlotte besucht die Förderschule des Diakoniewerkes Kloster Dobbertin. Ihre Eltern sehen mit Freude, welche Fortschritte die 13-Jährige macht.

von
erstellt am 23.Apr.2014 | 10:00 Uhr

Charlotte ist 13, mehrfach schwerstbehindert und  besucht  seit  zwei Jahren  die  Förderschule des Diakoniewerkes Kloster Dobbertin. Nie wird  sie das  kleine Einmaleins beherrschen,  vermutlich  niemals einen   ordentlichen  Ausbildungsberuf erlernen und wahrscheinlich auch kein  selbstständiges Leben  führen. Nicola Robbin weiß das.    Dieses Schicksal anzunehmen, war   das wohl Schwerste im Leben der jungen Mutter.  Heute  ist sie versöhnt.  „Wir erwarten keinen Einstein. Wir wollen unsere Tochter zufrieden sehen“, sagt sie.   Gesagt, mit Worten formuliert,  hat es Charlotte nie. Doch   Nicola Robbin spürt  es. Blicke und  kleine Gesten verraten es ihr.

 Mehrere Einrichtungen hatte  die Familie vor Dobbertin ausprobiert. Im Kindergarten, sagt die Plauerin,  ging es   immerhin noch. Auch da  waren die Entwicklungsunterschiede  schon deutlich. Nur spielten sie bei den   Kleinen, die selbst erst laufen, sprechen, essen…  lernten, keine so große Rolle.“ Die Probleme  begannen  in der Schule. „Eine normale Einschulung ist   für Eltern  schon sehr schwer. Für uns war es das  jedenfalls, als wir unser zweites Kind  in der  Plauer  Grundschule anmeldeten.  Bei einem besonderen Kind   ist es jedoch noch ungleich schwerer“,  gesteht Nicola Robbin.   Etliche  Anläufe  waren  gescheitert, als es  die Plauer mit der Dobbertiner Einrichtung versuchten. Zwei Jahre ist das her. Noch immer sind sie   begeistert. „Charlotte hat   große Fortschritte gemacht“,  erzählt  ihre Mutter. „Sie lernt  essen, sie   lernt laufen.“ Nicht in dem Tempo, wie es  gesunde Kinder tun. Aber sie lernt. „Das tägliche Training hat unserer Tochter die Hüft-OP erspart. Darüber sind wir unendlich dankbar.“

In der Woche   besucht Charlotte die Schule  und  wohnt   auch in der Behinderteneinrichtung auf dem Klostergelände.  Die Wochenenden verbringt sie mit Eltern und  Geschwisterkind. „Wir haben ein besonderes Kind“,  sagt Nicola Robbin,  „daheim würden wir das alles  gar nicht schaffen.“ Die Situation an sich, der hohe Betreuungsaufwand… Andere Familien, weiß  die  junge Mutter, haben diese  extremen Anforderungen   nicht ausgehalten, sind an ihnen   zerbrochen. 

Wenn sie  die Betreuung   von Charlotte   in  die Hände anderer legen,  ist bei den Robbins  da nicht dieses Gefühl,  als  würden  sie ihre Tochter  Woche für Woche  weggeben. „Am Anfang  war  es schwer  für uns, weil  wir uns natürlich fragten,  wie es ihr  geht und  ob sie sich behaupten kann.  Doch diese Schule ist gut für  sie“,  ist Nicola Robbin überzeugt.   Nein. Sie  weiß es.  Und sie  zieht einen Vergleich zu anderen, zu normalen  Schulen. Hier, sagt sie,  passen die Großen auf die Kleineren und Schwächeren auf.  Das  müsse man gesehen, das müsse man erlebt haben. „Wissen Sie, als Eltern  von  besonderen  Kindern denkt man  oft, ,mein Kind  kann ja nichts’. Doch   die Lehrer,  Erzieher,  Betreuer  und auch die Integrationshelfer  arbeiten   hier  ganz eng   zusammen.   Sie sehen  und  behandeln  jedes Kind für sich und  fördern seine Potenziale. Sie holen es an seinem Entwicklungsstand ab.“ Nicola Robbin, die  seit einiger  Zeit schon sehr engagiert im Elternrat mitarbeitet,  hat  ein Beispiel: Immer montags  findet klassenweise ein Morgenkreis  statt. Einer, in dem  jedes Kind  eine Aufgabe hat.  Charlotte, die im Rollstuhl  sitzt,   hat als  kleiner flatternder Schmetterling dann auch  schon mal die Hauptrolle. Und die Kleine fühlt sich gut dabei. Ihre Mutter, die  wie andere Eltern   oft bei den Morgenkreisen, bei den Festen, Wandertagen, Tagen der offenen Tür  oder  Zeugnisausgaben dabei ist,  weiß es. 

Was  die Plauerin an der Dobbertiner Schule ganz  besonders schätzt, ist die tolle Zusammenarbeit    des pädagogischen Personals  mit den  Eltern. „Man kann  jederzeit kommen, hat niemals  das Gefühl, dass man stört. Immer kommt  Unterstützung, egal   mit welcher Frage oder welchem Problem  man  gerade mal wieder zu kämpfen hat. Und glauben Sie mir, als Eltern  eines besonderen Kindes  hat  man oft und  hart zu kämpfen.“

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