Grundschule Lübz : Gezwungen, mehr Geld auszugeben

Die später unsichtbare Leitung der neuen Fußbodenheizung in einem Raum
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Die später unsichtbare Leitung der neuen Fußbodenheizung in einem Raum

Urteil des Prüfstatikers verteuert Sanierung der Lübzer Grundschule. Fachbereichsleiter verärgert.

svz.de von
05. Dezember 2013, 12:00 Uhr

Die Stadt investiert rund 2,3 Millionen Euro in die komplette Sanierung und Erweiterung der Grundschule in der Schützenstraße – derzeit mit das größte Bauvorhaben in unserer Region. Im Mittelpunkt stehen der Anbau von acht Klassen- und zwei Gruppenräumen auf zwei Etagen, die Vergrößerung der Aula, eine teilweise andere Innenaufteilung und die komplette Wärmedämmung nach außen samt Einbau neuer Fenster und einer Fußbodenheizung. Unlängst hatte Bürgermeisterin Gudrun Stein die Stadtvertreter darüber informiert, dass es einen Bauverzug von rund sechs Wochen gebe. Grund dafür seien unerwartete Nachforderungen des Prüfstatikers, die den unumgänglichen Einbau zahlreicher Verstärkungen im Dachbereich des Altbaus zur Folge haben. Die ursprünglich für Ende Januar vorgesehene Fertigstellung verschiebt sich somit auf Ende Februar/Mitte März. „Dabei wird durch den Umbau an keiner Stelle in die Statik des Gebäudes eingegriffen, weil wir zum Beispiel nur wenige nicht tragende Innenwände versetzen sowie Fenster und Türen einbauen“, sagt Fred-Jan Salomon, Leiter des Fachbereiches Bau bei der Stadt Lübz. „Wir haben den Bauantrag bei der Genehmigungsbehörde eingereicht und er wurde auch genehmigt, so dass die Arbeiten beginnen konnten.“ Die Genehmigungsbehörde behalte sich allerdings immer vor, Nachforderungen zu erheben, die durch die Beteiligung eines externen Prüfstatikers entstehen können. Im vorliegenden Fall berufe er sich darauf, dass sich die Vorschriften seit der Errichtung der Schule vor gut 20 Jahren verändert haben. „Das Baugesetz schreibt aber nicht vor, dass bestehende Gebäude bei geringfügigen Änderungen nachgerechnet werden müssen“, sagt Salomon, selbst ausgebildeter Bau-Ingenieur. „Bei großen Eingriffen hätten wir schon selbst anders gehandelt. In diesem Fall liegt es im Ermessen des Statikers, Forderungen aufzustellen oder nicht.“

Das Problem für den Bauherrn liege darin, dass er das Prüfungsergebnis nicht kalkulieren könne. In jedem Landkreis werde das Problem anders gehandhabt. Objektiv gut nachvollziehen dürfte jeder, dass ein Investor selbstverständlich nach Vorschrift handele, jedoch nicht freiwillig mehr Geld ausgebe, wenn die Genehmigungsbehörde nichts festlegt, was dies zwingend erfordert. Der Baubereichsleiter ist sichtlich verärgert: „Wenn ich alles nach den neuesten Vorschriften bewerte, müsste ich unter Umständen auch nationale Aushängeschilder wie etwa den Funkturm in Berlin, Schloss Neuschwanstein, den Kölner Dom oder ganze Altstädte mit den wertvollsten Häusern abreißen – egal, wie lange sie schon gehalten haben. Dabei gilt, dass Bestand auch Bestand bleiben kann, wenn er sich als sicher erwiesen hat. Mittlerweile weiß jeder, wie katastrophal es um die Finanzkraft gerade auf kommunaler Ebene bestellt ist. Wir sind jetzt gezwungen, etliche 1000 Euro mehr auszugeben. Die genaue Summe steht noch nicht fest.“

Ein weiterer, wenn auch bei weitem nicht so entscheidender Grund für die Verzögerung auf der großen Baustelle sei, dass eine für die Lieferung von Fenstern zuständige Firma nicht korrekt gearbeitet habe. Auf die Frage, ob man über die Einschätzung des Prüfstatikers nicht vielleicht doch noch einmal sprechen könne, antwortet Salomon: „Nein. Seine Forderungen sind verbindlich. Wenn zum Beispiel der TÜV als unabhängige Institution sagt, dass ein Auto nicht mehr betriebssicher ist, darf ich es ab sofort nicht mehr benutzen. Der Vergleich mag nicht zu 100 Prozent stimmen, verdeutlicht die Lage für Außenstehende aber gut.“

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