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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

13. Dezember 2017 | 02:50 Uhr

Gallin-Kuppentin : Geschichten von heute auf Platt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Der Förderverein Kuppentiner Kirche hatte zu einer Lesung mit dem Fritz-Reuter-Preisträger Horst Mahnke eingeladen. Er nahm das Publikum mit auf eine Reise in das Plattdeutsche.

Der Name setzte viele Fans in Bewegung: Niederdeutsch-Superstar Horst Mahnke aus Rostock beehrte Kuppentin. Im Saal des Alten Pfarrhauses las der Autor Läuschen, Gedichte und kurze Geschichten – alles auf Platt natürlich – und nahm sein enthusiastisches Publikum mit auf eine Reise in die sprachliche Urheimat.

Die frühen Spracheindrücke hinterlassen Spuren in der Erinnerung, die nicht selten bleibend mit Gefühlen besetzt sind. Und dementsprechend glühte auch die Stimmung des Auditoriums im übervoll besetzten Vortragsraum wohlig vor sich hin. Jedes Lesestück erntete am Ende heftigen Beifall und, weil keines ohne Pointe ausging, auch heftiges Gelächter.
Naturgemäß waren zahlreiche Mitglieder der Niederdeutsch-Zirkel aus dem Umfeld nach Kuppentin gepilgert. Die meisten der „organisierten“ Platt-Fans kamen wohl aus Goldberg und aus Passow. Anneliese Westphal, mit 83 Jahren eine betagte „Goldberger Plattsnackerin“, begründete ihre Anhänglichkeit so: „Ich bin mit Platt aufgewachsen. Hochdeutsch haben wir erst in Medow in der Schule gelernt.“ Das klingt kurios für diejenigen, die von südlich der Appel-Apfel-Grenze stammen: Niederdeutsch ist Muttersprache (gewesen), Hochdeutsch Zweitsprache. Auch im Goldberger Milchgeschäft, wo sie später gearbeitet habe, sei nur Platt gesprochen worden, erinnert Anneliese Westphal sich und lächelt.

Eine etwas andere Geschichte, die Erstsprache betreffend, erlebte der Protagonist des Abends. Als 1991 das Rostocker Institut für Hochseefischerei abgewickelt wurde, war der Meeresbiologe Mahnke zunächst arbeitslos. „Da bin ich drauf gekommen, dass ich ja Platt kann“, berichtet er. Zwar hatte er schon auf See Geschichten in Plattdeutsch geschrieben, wollte sein Platt aber auch niederschreiben können und erarbeitete sich dies mit Hilfe eines Lektors des Hinstorff-Verlags. „Mein erstes Buch über die Hochseefischerei“, erzählt der Autor, „war dann schon so erfolgreich, dass ich den Fritz-Reuter-Preis erhielt.“

„Nun kann keen Appel mer to boden fallen. Gauden Abend!“ So begrüßte eine über den Zustrom der Zuhörer und Zuhörerinnen hocherfreute Hannelore Weiland vom Förderverein Kuppentiner Kirche schließlich die Gäste und Mahnke rückte sich in Positur. Dass er dann sehr gut, das heißt, lebhaft und gebärdenreich vorlas und wörtliche Reden rollentypisch vortrug, sei gleich vorweg gesagt. Textlich gehörte der Abend der Satire. Läuschen, die Pointen wie Witze haben, aber gereimt sind, wechselten sich mit kürzeren Erzähltexten ab. Vom kahlköpfigen „Lulatsch“ in Springerstiefeln, der eine Oma blöd anmacht, erzählte zum Beispiel eines der Läuschen. Die schlagkräftige Oma darauf: „Ach, so jung noch und schon Chemotherapie und die Füße in orthopädischen Schuhen.“ Erfrischend war, dass Mahnke Themen und Motive aus der Gegenwart bezog, so auch seine Geschichte zum Thema „Integration“, in der die gewohnten Verhältnisse wahrlich auf dem Kopf stehen: Ein offenbar niederdeutsch sprechendes „Ich“ erhält einen „Breif“ von Ashanti Mulala, Mitabeiterin der Stelle „Integration für alle“. Er soll sich zum Sprachkurs melden. Gegenwehr hilft nicht, seine guten Deutschnoten sind verjährt. Jetzt sitzt er zwischen Ali, Mehmed und Jussuf im Deutschkurs und lernt, außer Hochdeutsch, wie man mit dem Smartphone umgeht.


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