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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

22. August 2017 | 20:51 Uhr

Einsatz : Geschäftsleute für Ziel gewonnen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Bürgerinitiatve „ProSchiene“ setzt Kampf um Südbahn-Erhalt fort / Bürgermeisterin: „Nicht nachzuvollziehen, wo wir landen werden“

Mit dem Lübzer Gewerbeverein hat die gegen die Teilschließung der Bahnstrecke Hagenow – Neustrelutz kämpfende Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“ einen weiteren wichtigen Partner gewonnen. Er war daran interessiert, den neuesten Stand der Dinge zu erfahren, so dass sich am Donnerstagabend Geschäftsleute, Vertreter der BI und Mitglieder der Verwaltung im Lübzer Rathaus zu einem Austausch trafen.

Laut BI-Sprecher Clemens Russell sei erfreulich, dass nun auch der Landkreis Ludwigslust-Parchim der Klage des Nachbarkreises Mecklenburgische Seenplatte gegen die Teilschließung unterstützt, doch eine Garantie auf Erfolg sei dies nicht. Als absolut nicht stichhaltig könne man auf jeden Fall werten, den Plan mit zu geringen Fahrgastzahlen zu begründen, weil sich im Lübzer Bereich der am meisten frequentierte Abschnitt befinde: „Und nicht nur deshalb haben wir begründet massive Zweifel. Für die Sanierung der Strecke zum Beispiel wird offiziell ein Wert von 17 Millionen Euro angegeben. Wir sagen: Sechs Millionen reichen aus. Die der Öffentlichkeit landesseitig vorgelegten Zahlenberge stimmen nicht, man möchte nur sein ins Auge gefasstes Ziel durchdrücken.“

Bürgeramtsleiter Thomas Rosenfeldt vom Amt Eldenburg Lübz hob die wichtige Rolle der Bahn unter anderem für den Schülerverkehr zur Berufsschule in Parchim wie auch für Senioren hervor und wegen der vor Ort höchsten Benutzerzahl sei die Entscheidung des Landes auch aus Sicht des Amtes unverständlich.

Nach Meinung von Gerd Holger Golisz, Leiter des Amtes für zentrale Dienste, „will es etwas heißen“, wenn sich die beiden größten Landkreise Mecklenburg-Vorpommerns und so viele Stadt- und Gemeindevertreter darin einig sind, dass die Bahn erhalten bleiben müsse. „Willensbekundungen allein bringen uns jedoch nicht viel weiter“, so der Amtsleiter. Als Argument unschlagbar sei zum Beispiel die Verletzung des vom Land selbst festgesetzten Raumentwicklungsprogramms, das auch den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) betreffe. Festgeschrieben sei unter anderem, dass auch genannter Abschnitt der Südbahn zu „ertüchtigen“ sei: „Was auch immer ein Laie darunter versteht – auf jeden Fall heißt das nicht, ihn abzubauen!“

Das von der BI entworfene Rechenmodell bei Bahnerhaltung sei zwar nicht „kostenneutral“, aber auch nicht utopisch. Ein angenommener Fehlbetrag von gut 1,3 Millionen Euro zwischen Parchim und Malchow ließe sich bewältigen, wenn das Land 75 und die Landkreisebene 25 Prozent davon übernähmen. So habe man das ähnlich gelagerte Problem in der Prignitz gelöst, um die Bahn auf Dauer zu erhalten. Das mögliche Einsparpotenzial liege vorher bei rund 1,8 Millionen Euro, meint Russell – 600 000 Euro, die der Besitzer der Trassen weniger eintreibt, und der Rest in erster Linie durch weniger Betreiberkosten, wozu die ODEG bereit sei, indem sie andere Fahrzeuge einsetzt, die zum Beispiel nicht ganz so stark motorisiert sind, ohne damit den Komfort zu senken. Entscheidendes Argument für die Erhaltung sei unter anderem die Zeit: Für die Strecke von Parchim bis Malchow benötige ein Bus mit einem Umstieg in Plau samt 22 beziehungsweise 40 Minuten Wartezeit knapp zwei Stunden, die Bahn ganze 48 Minuten.

Vorgerechnet werde gern, dass die Kosten pro Kilometer beim Bus gut zwei, bei der Bahn zwischen sieben und elf Euro betragen. Für den Aufbau des neuen Busnetzes sollen dem Land zufolge rund 700 000 Euro ausgegeben werden. „Eingesetzt werden sollen Niederflurbusse, die pro Stück rund 250 000 Euro kosten“, so der Sprecher. „Niemand weiß bisher jedoch, wieviele davon gebraucht werden, wie es um die Haltestellen steht und Sie werden nicht glauben, wie stolz jede Region darauf ist, ein eigenes Tarifsystem zu haben, so dass auch dies noch Fragen aufwirft.“ Bürgermeisterin Gudrun Stein sagt es so: „Es ist nicht nachzuvollziehen, wo wir damit landen werden.“

Die BI hat stets betont, nicht gegen Busse zu sein, sondern sie trete dafür ein, Bus und Bahn zu verbinden und paralleles Verkehren zu beenden. Diesbezüglich stellte Gerd Vorhauer den Gedanken vor, mit den schon früh verkehrenden Schulbussen zum Bahnhof zu fahren, um auch frühe Züge besser nutzen zu können. Dafür müssten sie nur einen kleinen Umweg fahren, was auch mit dem Schulbetrieb problemlos zu vereinen sei.

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erstellt am 27.Jun.2014 | 22:00 Uhr

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