Staffelstab-übergabe : Generationswechsel auf den „Wies’n“

Reinhard und Regina Neumann (r. und 2.v.r.) geben offiziell den Betrieb der Schau-Imkerei in die Hände von Marlies  und Frank Bode.
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Reinhard und Regina Neumann (r. und 2.v.r.) geben offiziell den Betrieb der Schau-Imkerei in die Hände von Marlies und Frank Bode.

Reinhard und Regina Neumann geben Schau-Imkerei in jüngere Hände / Die Neuen sind Marlies und Frank Bode und kommen aus Schleswig-Holstein

svz.de von
20. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Ein Leben mit und für die Bienen hat Reinhard Neumann bislang gehabt, denn „seit meinem dritten Lebensjahr habe ich Waben, damals mit meinem Vater, geschleppt“, erinnert sich der in der Region und darüber hinaus bekannte Imker. Seither sind 63 Jahre vergangen und so ist es an der Zeit, die Geschäfte in jüngere Hände zu legen. Nachdem in den vergangenen Wochen und Monaten alle finanziellen und rechtlichen Dinge geklärt wurden, sind seit dem 1. Dezember Marlies und Frank Bode die neuen Betreiber der Schau-Imkerei.

Anlässlich der offiziellen Geschäftsübergabe in dieser Woche kamen viele Freunde und Mitstreiter, darunter viele Landwirte. Gemeinsam erinnerte man sich an den Werdegang des Betriebs. „Wir brauchen Macher und keine Heuler“, war das Motto der Familie Neumann, und so wurde hart angepackt und zugunsten der Firma auf manches im Leben verzichtet. Immerhin galt es, aus der einstigen Schweinemastanlage mit 3000 Tieren einen völlig neuen Betrieb aus dem Boden zu stampfen. Und die Neumanns hatten viele Helfer und Unterstützer, seien es Landwirte aus der Region oder andere Betriebe und Einrichtungen wie die FAL Ganzlin oder auch das SUBZ in Herzberg, die alle gemeinsam wie die Bienen, die hier ihr Zuhause bekommen sollten, fleißig anpackten.

Während andere Betriebe in der Wendezeit 1989/1990 für einen symbolischen Euro verkauft wurden, mussten die Neumann Bares auf den Tisch legen. Neben der Kaufsumme von damals 180 000 D-Mark standen weitere Kosten durch die Urbarmachung des Geländes an. Güllegruben und Fundamente kamen zu Tage und mussten beräumt werden; das heutige Bienenmuseum steht beispielsweise auf einer einstigen Güllegrube. „Es ist Dank der Hilfe vieler geschafft worden, und heute steht der Betrieb auf relativ gesunden Füßen“, sagt Neumann. Aber es gab auch kein Ausruhen.

Unermüdlich suchte der Imker nach neuen Absatzmärkten, fuhr bei Wind und Wetter auf Märkte, wie zweimal wöchentlich nach Lübeck, fuhr zu Messen wie die Grüne Woche in Berlin oder die MeLa in Mühlengeez. Er bot nicht nur den reinen Honig an, sondern auch die kosmetischen Produkte unterschiedlichster Art und natürlich den beliebten Bärenfang. Neben der Produktion und Vermarktung der acht bis zwölf Tonnen Honig jährlich wurde an der weiteren Vervollkommnung des Bienenmuseums und der gesamten Hofanlage gearbeitet. 20 000 Quadratmeter Schaugartenfläche mit über 300 verschiedenen Pflanzenarten, die von und mit den Bienen leben, sind heute zu bestaunen. Neben der eigenen Kraft und der von Frau Regina halfen die Töchter Ute und Heike. „Es war mitunter schwer, denn als pubertierende Mädels hatten wir auch anderes im Kopf als die Bienen. Doch wir zogen immer an einem Strang und bewundern die Kraft, die Dynamik und das Durchhaltevermögen unserer Eltern“, meinte Tochter Ute in einer kleinen Laudatio.

Heute leben rund 220 Bienenvölker (ein Volk hat im Sommer etwa 50 000 Bienen) hier und es sollen einmal 250 bis 300 werden, sagt Neumann. Auch wenn er nun offiziell nicht mehr Herr der Bienen ist, so wird er doch auch weiterhin diesen kleinen Insekten treu bleiben. „Ich werde in den nächsten zwei Jahren der Familie Bode zur Seite stehen, ebenso wie die Mitarbeiter Martina Lüdtke, Helga Arndt und René Sperlich“, sagt Reinhard Neumann. Dazu kommt das weite Gebiet der Gesundheit und da ist Neumann ein großer Verfechter der Apitherapie. Dabei haben Bienenprodukte, hauptsächlich Propolis, eine heilende Wirkung u.a. bei Gefäßerkrankungen.

Auch die Arbeitsgemeinschaft „Junge Imker“ in Plau wird er weiter betreuen. Und noch etwas gibt er nicht auf: Seinen unermüdlichen Kampf für den Erhalt und die weitere Verbreitung der Immen, denn „die ökonomische und vor allem ökologische Bedeutung wird nicht genug gewürdigt. Fast 80 Prozent der Pflanzen sind abhängig von der Bestäubung durch Insekten wie die Bienen“, sagt er. Gab es früher meist einen Imker in jedem Dorf, kommen heute zwei bis drei Dörfer auf einen Imker. Allein in der Großimkerei Karow gab es einst 1500 Völker! An die Landwirtschaft appellierte Neumann, mehr Zwischenfrüchte anzubauen und weniger Monokulturen.

Wer sind die künftigen Betreiber? Marlies und Frank Bode. Sie kommen aus Schleswig-Holstein und wohnen gemeinsam mit ihrem kleinen Frederik (9 Wochen alt) nun auf dem Gelände. „Eigentlich bin ich ein Quereinsteiger, aber es war schon immer ein Wunsch, selbstständig in der Natur zu arbeiten und meine Frau kennt die Landwirtschaft, allerdings mit großen Tieren“, sagt der 47-Jährige, der einst Schlosser lernte und nach acht Jahren Bundeswehr in der Spedition tätig war. In den nächsten Monaten wird er nun die Schulbank drücken und Lehrgänge besuchen, um seine Imkerkenntnisse zu vervollkommnen. Gemäß des Neumann-Mottos will er ein Macher sein und kein Heuler. Beiden ist die große Verantwortung bewusst, aber mit Hilfe der Mitarbeiter und der vielen Helfer in der Region werden sie es schaffen, ist sich Frank Bode sicher.

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